Deutsche in Melbourne: Edgar Demuth

Edgar DemuthDa war er fix. Als Edgar Demuth 1998 von Köln über London nach Melbourne kam, hat er bereits am ersten Tag erledigt, wofür viele Deutsche in Melbourne Monate, gar Jahre brauchen, was jedoch in Melbourne ein absolutes Muß ist.

Nur wenige Stunden nach seiner Landung hatte Edgar Demuth bereits sein Footy Team gewählt: Die Saints - St Kildas berühmter Football Club. "Ich wollte ein Team haben, das die gleichen Farben hat, wie der FC Köln. Rot und weiß," erklärt der sympathische 42jährige pragmatisch. Zwar hätten einzig die rot weißen Sydney Swans dem kritischen Auswahlverfahren standhalten können,

die Saints haben zusätzlich noch schwarz in ihrem Logo. Aber ein Team aus Sydney zu unterstützen, das habe er einem seiner australischen Freund nicht antun können. Dieser hatte bereits mit drastischsten Konsequenzen gedroht hatte, als Edgar allein mit dem Gedanken spielte, eventuell nach Sydney und nicht nach Melbourne zu ziehen.

Swans keine Konkurrenz für Saints 

Australian Football League Keine Chance also für die Swans. Dafür tiefste Verbundenheit mit den Saints und eine daraus resultierende langjährige Klubmitgliedschaft, die auch gleich für Sohn Kai (6) und Tochter Mira (2) ausgestellt ist. Fast jedes zweites Wochenende schnappt Edgar Kind und Kegel (läßt allerdings seine Frau Martina Zuhause, die nichts mit Football am Hut hat) und ab geht's ins Stadium, um Gehrig, McQualter und Co. gehörig anzufeuern.

Oder besser gesagt, Kai und Edgar feuern an. "Mira ist noch nicht so richtig begeistert", gibt Edgar leicht nachdenklich zu. "Anstatt auf das Spielfeld zu schauen, ißt sie, spielt ein bißchen rum und liest sogar Bücher", erzählt er und kann seine Verwunderung über tochterliches Verhalten nicht verbergen, setzt aber gleich optimistisch hinzu, daß die Begeisterung schon noch kommen wird. Da vertraue er auf die magische Wirkung des einen oder anderen Saints Accessoirs, das den Kindern seit Geburt geschenkt wird und zur Saints Konditionierung beitragen soll. "Da überlassen wir nichts dem Zufall," schmunzelt der 42jährige.

Optimismus: In 14 Jahren vielleicht im MCG 

Melbourne Cricket Ground Um die Footy Leidenschaft zu besiegeln, sind die Namen der drei Demuths auch auf der langen, langen Warteliste für eine Mitgliedschaft im MCG, dem Melbourner Cricket Ground (www.mcg.org.au), zu finden. "Wenn wir Glück haben, dann können wir in 14 Jahren das erste Mal ein Grandfinal der Saints dort sehen," freut sich Edgar. 20 Jahre beträgt die reguläre Wartezeit, aber da er unverzüglich nach Kais Geburt alle nötigen Papier ausgefüllt hat, und diese Dank erforderlicher Empfehlungen bereits bestehender Mitglieder, akzeptiert wurden, sind sechs immerhin schon rum. Und wer so richtig leidenschaftlich ist, den stört das Warten nicht.

Ein Leben in Melbourne, darauf hatten sich Edgar und Martina geeinigt, da weder er sich wieder ein Leben in Deutschland noch sie sich ein Leben in England vorstellen konnten. Nach einem Blick auf die Weltkugel einigte man sich auf Australien, buchte einen Urlaub in Down under, um das Land kennenzulernen, fand es lebenswert und schickte einige Bewerbungen auf die Reise, der dann alsbald sämtliches Hab und Gut sowie Martina und Edgars Katzen folgten.

Mit Y2K als Deutsche in Melbourne 

 "Wir kommen beide aus dem IT Bereich. Damals vor der Jahrtausendwende und mit Y2K war der Bedarf an Computerfachleuten hoch. Man konnte sich aussuchen, wo in der Welt man arbeiten wollte. Ich hatte ein Video-Interview und wir waren hier," erinnert sich der sportliche Kölner.

Aus einem Jahr wurden zwei, dann drei, dann vier. Der Freundeskreis wuchs, die Kinder geboren und Australien immer mehr zur Heimat. Mittlerweile hat Edgar auch die australische Staatsbürgerschaft angenommen. "Ich fühle mich als Deutscher und das wird sich auch nicht ändern", sagt er. "Aber ich wollte auch mein starkes attachment an Australien ausdrücken und verhindern, dass ich aus Änderungen in den Visumsbestimmungen hier nicht mehr leben könnte. Für mich sind beide Angehörigkeiten sehr wichtig."

Kai und Mira sollen sich in Deutschland und Australien wohlfühlen 

Mira und Kai sprechen perfekt Deutsch. Das ist die Sprache, die in der Familie und mit dem deutschen Au Pair gesprochen wird. Die australische Komponente ist ohnehin gegeben durch Kindergarten, Schule, australische Freunde und Umgebung. Edgar: "Wir möchten, daß die Kinder ebenso wie wir die Wahl haben, wo sie leben möchten und sich in beiden Ländern wohlfühlen. Sprachlich und kulturell." 

Ein Grund mit, warum sich der sportliche Kölner im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit als Vorstandsmitglied der Deutschen Schule Melbourne engagiert. Die Zeichen stehen gut, daß die Schule 2008 in North Fitzroy eröffnet. Ihm es wichtig, daß auch Kinder, die weniger deutschen Einflüssen ausgesetzt sind, die Möglichkeit haben, die deutsche Sprache und Kultur kennen zu lernen und zu leben. Auch damit sie die Chance haben, später in Deutschland zu studieren.

Rückkehr nach Deutschland? 

Ob der Computer Experte jemals wieder zurückkehrt nach Deutschland, steht in den Sternen. Kein Zweifel, er liebt Melbourne samt wechselhaftem Wetter und vor allem den Platz, den endlosen Himmel, die Landschaft. Mit diesen Reizen lassen sich sicherlich sogar die 20 Jahre Wartezeit auf einen Grandfinal Platz im MCG gut verbringen.