Deutsche in Melbourne: Berit Wiedersheim

Berit WiedersheimSchon mal von der "Vom Tellerwäscher zum Millionär" Geschichte gehört? Berit Wiedersheim ist zwar (noch) keine Millionärin. Aber wenn die sympathische 25jährige von ihren Erlebnissen als Deutsche in Melbourne erzählt, dann hört sich ihre Geschichte fast genauso traumhaft an.

September 2006 in Bad Nauheim. Die harte Examenszeit ist vorbei. Berit hat ihr BWL Studium in der Tasche. Die Unternehmungslust ist groß und nach monatelangem "Büffeln" fragt sie sich: "Mensch, warum nimmst du dir nicht eine Auszeit?"

Kurze Zeit später sitzt sie mit einem ihrer Freunde, der hier in Melbourne ein Auslandspraktikum absolvieren wird, im Flieger Down Under. Ein Jahr Australien. Als Backpacker nach Darwin vielleicht, eine Weile Fruitpicking, mal schauen. Erst mal wird sich eine Wohnung in South Melbourne gemietet und die fremde Stadt erkundet.

Ein wenig zur Ruhe gekommen wird der am Bodensee geborenen Berit klar, zum richtigen Backpacker, der mit Bus von Hostel zu Hostel reist und sich Geld mit Fruitpicken verdient, ist sie eigentlich nicht. Und in Melbourne gefällt es ihr so gut, dass sie erst einmal hier Arbeit sucht.

"Erst habe ich im Internet gesucht, dann über Agenturen. Aber das war sinnlos. Gerade bei den Agenturen hört sich anfangs alles gut an. Man bringt den Lebenslauf vorbei und dann hört man nie wieder etwas," erzählt Berit. Also wird das Resume ausgedruckt und nahezu sämtliche Restaurants in der Innenstadt abgeklappert. Auch ohne Erfolg.

Die Konkurrenz ist groß. Gerade im Sommer gibt es in Melbourne zahlreiche junge Touristen, die mit Working Holiday Visum ausgestattet, Jobs suchen zusätzlich zu den Studenten, die in den Semesterferien ihre finanziellen Reserven aufstocken wollen. Und für Deutsche in Melbourne, die eventuell noch nicht ganz so sattelfest im Australischen Englisch sind und mit dem starken Akzent kämpfen, ist es doppelt schwer. Gerade in Jobs, in denen es schnell gehen muss, wie in der Gastronomie. "Es sind ja auch viele Engländer hier. Für die ist die Sprache kein Problem", gibt Berit zu bedenken.

Auf dem South Melbourne Market hat es dann endlich geklappt. Zehn lange Stunden pro Tag auf einem Obst- und Gemüsestand hinter der Kasse nahe statisch stehen. Arbeitsbeginn in aller Herrgottsfrühe. "Da blieb nicht viel Zeit fürs Weggehen am Abend", lacht Berit. 

Etwas humaner Zeiten bot der nächste Job bei einer Event Hire Agentur, den sie über eine Freundin erhielt: Spülen. Tiefe Teller, flache Teller. Kleine Tassen, große Tassen. Weingläser, Saftgläser, Biergläser.  Kuchengabeln, Teelöffel, Eßlöffel, Messer, Gabeln. Pfannen, Töpfe - eben alles, was anfällt, wenn man feiert.

Und weil Berit ein ordentlicher Mensch ist, "so wie es für einen Deutschen mit etwas Pflichtbewußtsein üblich ist", meint sie grinsend, fing sie auch noch an das Lager aufzuräumen. Was wie Kraut und Rüben aussah, bestach nach durch akurat nach Größe sortierten sauber aufgereihten Teller, Tassen, Töpfen.

Der Chef war beeindruckt und als Berit von ihrem zweimonatigen Trip quer durch Neuseeland und Australien zurück kam, standen ihr Tor und Türen des Unternehmens wieder offen. Statt spülen ging's nun mit zu den Events, um am Barbeque saftiges Fleisch zu grillen oder bei Footyspielen zur Feier der Teams Tausende von Ballons aufzublasen. Ob Kangeroos, Western Bulldogs, Swans oder  Bombers - die Teamfarben kennt Berit nun im Schlaf.

Ihrem Chef gefielen Berits Organisationstalent, Zuverlässigkeit, Umsichtigkeit und freundlichen Wesen. Nach und nach übernahm sie größer Verantwortung im Familienbetrieb, fing an im Büro auszuhelfen und mit dazu zugehören. Als ihr Boss sie dann eines Tages fragte, wie ihre Pläne für die Zukunft sein, überlegte Berit nicht lang und signalisierte, daß sie gern bleiben würde.

Was sie jetzt macht, ist für sie momentan ihr absoluter Traumjob.  Zwar läuft ihr derzeitiges Visum, aber alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, damit die jungen Deutsche in Melbourne bei der Event Hire Agentur bleiben kann. "Sicherlich nicht für immer. Dafür habe ich nicht jahrelang studiert," gibt Berit zu. "Aber ich bin noch jung. Warum sollte ich die Chance jetzt nicht nutzen?"