Buchvorstellung: Deutscher Autor Albrecht Dümling zu Gast in Melbourne

11_BookLaunchAD_1Zum Launch seines neuen Buches „Die verschwundenen Musiker. Jüdische Flüchtlinge in Australien“ kam der deutsche Musikwissenschaftler und Musikkritiker Dr. Albrecht Dümling selbst nach Melbourne, um bei wechselhaftem Frühlingswetter sein im Böhlau-Verlag erschienenes Buch vorzustellen.

 Silvia Seja war für Sie beim Booklaunch in Melbournes Stadtteil Camberwell dabei. Erfahren Sie hier, weshalb die Buchpräsentation bei dem in Melbourne lebenden deutsch-jüdischen Komponisten George Dreyfus stattfand ...

Albrecht Dümling anlässlich seiner Buchvorstellung in Camberwell

Der deutsch-jüdische Komponist und Filmmusiker George Dreyfus organisierte einen kleinen, aber feinen Booklaunch anlässlich des vor kurzem erschienenen Buches  "Die verschwundenen Musiker. Jüdische Flüchtlinge in Australien" von Albrecht Dümling. Passend zur exzentrischen Natur des sympathischen Melbourners Dreyfus fand die Buchvorstellung bei ihm zu Hause statt. In Melbournes Villenviertel Camberwell versammelten sich Verwandte und Hinterbliebene der im Buch erwähnten Musiker und Musikerinnen sowie Universitätsprofessoren. Sie alle lauschten der Rede des deutschen Autoren, der für die Veranstaltung aus Berlin nach Melbourne reiste.

"Mit meinem Buch möchte ich ein breites Publikum ansprechen, nicht nur Wissenschaftler", sagt Albrecht Dümling und George Dreyfus und Albrecht Dümling lernten sich durch Zufall kennen und haben bis heute Kontaktergänzt: "Ich hoffe, dass Menschen dieses Buch lesen und plötzlich jemanden wiedererkennen, den sie aus den Augen verloren haben." Der Autor würdigt mit seinem Buch die während der Nazizeit verschollenen Künstler, indem er diese wieder sichtbar macht. Das Buch erzählt von Australien, und Australier deutscher Herkunft erfahren dank Albrecht Dümling mehr über ihre Vergangenheit. Umso erschreckender daher: Für jede winzige Information, die der Wahlberliner bei seinen Forschungen aus dem Nationalarchiv in Canberra benötigte, musste er 25 Dollar aus eigener Tasche zahlen. Das zeugt von seiner Leidenschaft für das Thema.

Besondere Freundschaft: Komponist George Dreyfus

Wichtige Hilfe bei seiner Detektivarbeit hat Albrecht Dümling jedoch von dem 83-jährigen George Dreyfus erhalten. Neben dem Geburtsort Wuppertal verbindet Albrecht Dümling mit George Dreyfus ein intensives freundschaftliches Verhältnis (siehe Foto, v.l.n.r.: Dreyfus, Dümling). Dreyfus kam 1939 als kleiner Junge und ohne seine Eltern mit einem Kindertransport von Berlin nach Melbourne, wo er zunächst in ein Kinderheim kam, bis seine Eltern ihm ein Jahr später nach Australien folgten. Bekannt ist der Musiker vor allem für seine Film- und Serienmusik, unter anderem für die australische Fernsehserie „Rush“ von 1970.

Als Albrecht Dümling in Camberwell vom legendären ersten Kontakt zu dem lebhaften George Dreyfus erzählt, müssen alle schmunzeln: 1992 erhielt der Wissenschaftler überraschend einen Anruf aus Australien. Ein gewisser George Dreyfus war am Hörer. „Mit lauter Stimme rief George in den Telefonhörer hinein: Herr Dümling, wir müssen uns unbedingt mal treffen!“, erinnert er sich dankbar.

Bekannte Melbourner Persönlichkeit: Dame Nellie MelbourneAuslöser des Anrufs war Dümlings 1985 erschienenes Buch „Lasst euch nicht verführen. Brecht und die Musik“, das vom deutschen Dichter und Dramatiker handelte, der ebenfalls ins Exil gehen mußte. Dieses Buch, das Dreyfus durch Zufall entdeckte, behandelte die sogenannte Angewandte Musik, für die sich sowohl Dümling als auch Dreyfus interessierten. Getroffen haben sich die beiden zum ersten Mal 1993 in Deutschland. Dorthin reiste George Dreyfus wegen der Uraufführung seiner Oper „Rathenau“, die das Leben des deutschen Juden Walther Rathenau thematisierte und im Staatstheater Kassel Premiere hatte.

Bekannte Persönlichkeiten beim Booklaunch

Beim Booklaunch waren auch einige bekannte Namen der ehemaligen deutsch-jüdischen Musikwelt anwesend. Zum Beispiel zwei Mitglieder der Spivakovsky-Familie: Sohn Michael und Enkeltochter Tara des 1970 verstorbenen Pianisten Jacob Jascha Spivakovsky, der ursprünglich aus der Ukraine stammte, aber vor seiner Ausreise nach Australien in Deutschland lebte. 1933 - kurz vor der Machtergreifung Hitlers - kam der Pianist mit seiner Frau Leonore Krantz, einer Millionärin, nach Melbourne. Den Schwiegereltern des Musikers gehörte die größte Villa in Melbournes edlem Stadtteil Toorak, die "Edzell"-Villa, in der die berühmte australische Sopransängerin Dame Nellie Melba  private Konzerte gab.

Nach der Buchvorstellung am Sonntagnachmittag erwarben viele der angereisten Gäste vor Ort das neue Buch von Albrecht Dümling und ließen sich Widmungen hineinschreiben.

Wenn auch Sie mehr über das Buch erfahren möchten, lesen Sie hier die Rezension bei DiM. Persönlich treffen können Sie den Autor am Donnerstag, 17. November 2011, um 12.15 Uhr in der East Melbourne Synagoge, 488 Albert Street, East Melbourne. Die Teilnahme erfolgt per Voranmeldung (), kostet 15 Dollar und umfasst ein koscheres Lunch-Buffet. Am Dienstag, 22. November, gibt Dümling eine Public Lecture über sein Buch in Canberra, Australian National University. Ein weitere Gelegenheit, den Autoren kennenzulernen, haben Sie am Donnerstag, 24. November, während seines Gastgesprächs am Goethe-Institut Sydney.

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