German Day Out 2011: "Deutsch roX" auf dem Federation Square

Deutsche Musik auf dem Federation Square

Das sieht man nicht oft: Hoch über Melbournes Federation Square weht nicht nur die australische, sondern auch die schweizerische, die österreichische und die deutsche Flagge im Wind. Der Grund: Der German Day Out 2011, organisiert vom Goethe-Institut Melbourne, damit Schülerinnen und Schüler, die in Victoria Deutsch lernen, ein Stück Deutschland und vor allem moderne deutsche Kultur mitten in Melbourne hautnah erleben können.

37 Schulen - darunter hoch angesehene wie Melbourne High und Scotch College - schickten dieses Jahr rund 1.200 Schüler und Lehrer. Claudia Raab und Alina Sonnenschein waren für Deutsche in Melbourne dabei.

Deutscher Pop, Hip-Hop, Indie und Techno

Deutsch ist cool! Das Motto des German Day Out 2011 auf dem Federtion Square

"Nein, ich habe keine Idee, was hier los ist", meint Min, Tourist aus Hong Kong in nahezu akzentfreiem Deutsch. Min, der zwei Jahre in Frankfurt studiert hat, lässt sich gerade von seinem Bruder auf dem Federation Square vor der großen Leinwand mit der Aufschrift "German Day Out" fotografieren. "Ich dachte, ich wäre in Australien und plötzlich ist hier alles Deutsch", lacht er kopfschüttelnd.

Recht hat er, denn am jährlichen "German Day Out" steht (fast) alles, was auf dem Federation Square vor sich geht, im Zeichen der deutschen Sprache und vor allem aktueller deutschsprachiger Musik. Schwerpunkte sind Pop, Hip-Hop, Indie und Techno-Stilrichtungen, die eine junge Zielgruppe ansprechen. Denn genau für sie ist der "German Day Out" gedacht, den das Goethe-Institut Melbourne bereits seit mehreren Jahren erfolgreich unter Federführung von Joanna Jamroz von der Abteilung "Bildungskooperation Deutsch" veranstaltet.

Australische Deutschschüler beweisen auf Bühne: "German roX"

Dance Moves zu deutscher MusikRaus aus dem Klassenraum, mitten hinein ins "Hören-Sehen-Singen-Tanzen" mitten in Melbourne - das soll der "German Day Out" ermöglichen und damit Lust aufs Deutschlernen machen. Und weil es um Musik ging, gab es passend zur Wanderausstellung des Goethe-Instituts "musik+X", die in Sydney und Melbourne Station machte, in vier kleinen Pavillons deutsche Top-Songs wie "Automatisch" von Tokio Hotel, "Dickes B" von Seeed, "Die Stadt der Reichen" von Die Sterne, "Stumpf ist Trumpf" von Dendemann sowie "Arbeit nervt" von Deichkind, die bei den Jungs und Mädchen guten Anklang fanden.

Damit nicht genug der Musik: Auf dem Programm stand auch das Finale des Song-Writing-Wettbewerbs "German roX". Schülerinnen und Schüler in ganz Victoria hatten während der vergangenen Wochen im Deutschunterricht ihre Beiträge für den vom Goethe-Institut ausgeschriebenen Wettbewerb komponiert, getextet, einstudiert und aufgenommen. Wer es ins Finale geschafft hatte, der bekam die Gelegenheit für ein Bühnen-Coaching mit der deutschen Wahl-Melbournerin, Musikerin und Sängerin Ilse-Dore Seidel, bevor der eigene Song vor rund 1.200 Zuhörern live über den Federation Square schallte.

Goethe-Institut macht´s möglich: Aufnahme im professionellen TonstudioIlse-Dore Seidel mit ihren Coachees vom Catholic Ladies College

"The coaching was amazing. The girls are so much better", meint Deutschlehrerin Tina Wilkinson vom Catholics Ladies College begeistert, die ihren fünf Schülerinnen, die ihr Lied "Nur ein Traum" sangen, fest die Daumen drückte. Mit Erfolg übrigens: Ilaria Bigaran, Sarah Tiziani, Leeah Cavarzan, Jaimi Harrison, Caitlin Johnson hamsterten den ersten Preis ein, eine Recording Session in einem professionellen Tonstudio in Melbourne.

Scott Tangery belegte den zweiten Platz mit "Anders", das er selbst komponiert und getextet hatte. Der Schüler der Caulfield Grammar School, den Ilse-Dore Seidel ebenfalls "bühnenreif" coachte, gewann einen i-Pod Shuffle. Der dritte Platz ging an Jarrad Robinson and Jack Vahrmeyer vom Mooroolbark College mit ihrem Song "Freizeit". Sie können einen i-Tunes-Voucher einlösen. Das Duo konnte nicht live performen, doch während der Beitrag gezeigt wurde, brachte Vlad vom „You can dance studio“ den Schülern auf der Bühne ein paar Moves bei. "Cool", brachte es der 16-jährige James auf den Punkt.

Immer beliebt: Tischfußball beim German Day OutDeutsche Sprachkenntnisse können von Vorteil sein

Neben praktischen Sprachübungen beispielsweise beim Ankündigen eines Musiktitels fürs Radio - ein Wettbewerb von SBS German Radio, Kickern beim Tischfußball und Quizspielen rund um Musik, gab es jede Menge Vorträge in Melbournes Town Hall rund ums Deutschlernen und Möglichkeiten, sich zu informieren, was Deutschland zu bieten und die deutsche Sprache ermöglichen kann. Auch 2011 beteiligten sich unter anderem Organisationen wie der Australische Verband der Deutschlehrer (AGTV) am German Day Out, der Richmond Soccer Club, einst gegründet von deutschen Fußballspielern, erstmalig die deutsche evangelisch-lutherische Dreifaltigkeitskirche und ihre Schwestergemeinde St. Johannes in Springvale und sowie SAGSE, eine Organisation, die deutsch-australische Stipendien ermöglicht.

Weiß um die Vorteile des Deutschlernens Dave NottingMit Vorteilen, die man hat, wenn man Deutsch sprechen kann, damit kannten sich vor allem die Deutschlehrerinnen und -lehrer aus. „Mit Deutsch kann ich mich dort verständigen, wo Englisch nicht mehr weiter hilft“, so Dave Nutting vom McKinnon Secondary College. Anfangs hatte er keinen wirklichen Grund für die Wahl der Sprache gehabt, doch heute ist er erstaunt, wie viel er damit tatsächlich anfangen kann. Auf seinen Reisen um die Welt hat er sich oft auf Deutsch verständigen können, sogar in Südamerika. Gerade auf dem Multikulti-Kontinent Australien bewährt sich Deutsch für ihn häufig, da er hier oft mit der Sprache in Kontakt gerät, meint er.

Deutsch konkurriert mit Tanz und Kunst

Gar nicht so einfach ist jedoch die alljährliche Akquise für neue Deutschschüler. Denn bei so beliebten Kursen wie Kunst und Tanz als Konkurrenz ist es nicht immer einfach, die Schüler dazu zu bewegen, auf dem Wahlzettel das Häkchen bei Deutsch zu setzen. Dave Nuttings Erfolgsgeheimnis ist es, den Unterricht so attraktiv wie möglich zu gestalten. In seinem Kurs ist das Motto „Interaktion“ und nicht nur stupides Auswendiglernen. Mit Ausflügen, Austauschprogrammen, Theatervorführungen, Musik und dem Internet lockt Nutting erfolgreich jedes Jahr neue Schüler in den Deutschkurs. Das absolute Highlight für ihn war die diesjährige zehntägige Reise nach Deutschland, während der er sogar mit einigen Schülern das Nationalspiel Deutschland gegen Australien besucht hat.

Deutsch ist CoolGuten Tag. Meine Name ist Chahna“ stellt sich eine von Nuttings Deutschschülerinnen aus der neunten Klasse vor. Warum die gebürtige Inderin sich für Deutsch entschieden hat? „Simple and easy language“ ist Deutsch ihrer Meinung nach, und das beweist sie im Interview mit einigen perfekten Antworten auf Deutsch.

Seit zwei Jahren lernt sie die Sprache und durfte bereits ihre Eltern auf einer Geschäftsreise nach  Frankfurt begleiten. Besonders gefallen hat ihr dort der Apfelstrudel mit Vanilleeis. Ihr Traum ist es, einmal nach Berlin zu reisen, denn die lange Geschichte dieser Stadt reizt sie besonders. „Diesmal aber ohne Eltern“, sagt sie lächelnd.

Tokio-Hotel-Fan Jordan: "Deutsch ist cool"

„Deutsch ist cool“, meint der vierzehnjährige Jordan, der auf dem Flinders Christian Community College ebenfalls in der 9. Klasse ist. Auf den Geschmack gekommen ist er, als er zusammen mit seinen Eltern in den letzten Ferien durch Europa gereist istTeam des Goethe-Institut Melbournes um Joanna Jamroz, die den German Day Out 2011 organisierte und dabei auch München und Berlin besucht hat. Im Leihwagen lief im Radio das Lied "Durch den Monsun" von Tokio Hotel, und das fand er „spitze.“ Seitdem haben sich laut Jordan seine Bemühungen, Deutsch zu lernen verdoppelt, und er freut sich darauf, irgendwann ein Konzert der Band besuchen zu können und laut mitzusingen.

Die Rechnung des Goethe-Instituts, mit aktueller deutscher Musik Australiens Schülerinnen und Schüler fürs Deutschlernen zu begeistern, scheint also aufzugehen. Die Wahl für Deutsch hat aber auch Jordans Schwester beeinflusst. Die beherrscht die Sprache seit ihrem einjährigen Au-pair Aufenthalt in Deutschland perfekt und bewährt sich als gute Hausaufgabenhilfe.

Goethe-Institut Melbourne zeichnet Deutschschüler aus

Weitere Gewinner von Preisen des Goethe-Instituts Melbourne für ausgezeichnete Leistungen im Fach Deutsch sind Eli Ivey vom Bendigo South East College und Emily Danes vom Vermont Secondary College. Beide Schülerinnen, die die zehnte Klasse besuchen, gewannen einen dreiwöchigen Sprachkurs an einem Goethe-Institut im Januar 2012. Dhanya Baby von der MacRobertson Girls High School und Leeah Caverzan vom Catholic Ladies College können an einem VCE-Kurs am Goethe-Institut Melbourne teilnehmen.

Fotos: Goethe-Institut Melbourne, Alina Sonnenschein, Claudia Raab

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