Fred Glasbrenner: Vom Busfahrer zum Millionär dank Abalone-Seeohren

Fritz Glasbrenner"Melbourne ist Abalone-Hauptstadt der Welt", weiß Fred Glasbrenner. Er hat mit dem Verkauf dieser so genannten "Seeohren", welche zur Gattung der Schnecken zählen, in den 70er Jahren eine Marktlücke entdeckt und sein Glück gemacht . In Australien war der Deutsche Jahre zuvor per Fahrrad angekommen.1955 fuhr er mit seinen Freunden Theo Guth und Ullrich Bauer vom baden-württembergischen Backnang ins australische Melbourne. Das Ziel der drei: die Olympischen Sommerspiele 1956 live sehen.

Deutsche in Melbourne hat von dem Wahl-Melbourner erfahren, wie er auf diese abenteuerliche Idee kam. Wir verraten Ihnen außerdem, warum Fred Glasbrenner den Zahn eines Weißen Hais um den Hals trägt.

"Mit einem eigenen Grillstand hat es nicht geklappt, da wollten wir um die Welt fahren"

Fritz Glasbrenner, Theo Guth und Ullrich Bauer20. Dezember 1955 – Die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet ein Gastarbeiter-Anwerbeabkommen in Rom. Es ist der Startschuss für die Einwanderung Hunderttausender Arbeitskräfte nach Deutschland. Für Friedrich, kurz Fritz, jetzt Fred Glasbrenner dagegen ist jenes Datum rückblickend der Tag, an dem er aus Deutschland auswanderte. Auch wenn er es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wusste.

"In Deutschland wollten mein Freund Theo und ich an den Bahnhöfen Grillstände betreiben. Das hat nicht geklappt. Da haben wir uns entschlossen, um die Welt zu fahren", sagt der gebürtige Amerikaner, dessen deutschstämmige Eltern nach einem Deutschlandbesuch während des Zweiten Weltkriegs nicht wieder nach Amerika zurück konnten und in Baden-Württemberg blieben. In ihrer Jugend hatte der Beruf beide Elternteile unabhängig voneinander in die USA verschlagen, wo sie sich später kennenlernten, heirateten und eine Familie gründeten.

Junge Burschen erregen Aufmerksamkeit und treffen Persönlichkeiten

Der 19-jährige Fritz und seine Freunde Theo Guth und Ullrich Bauer nutzten für die abenteuerliche Reise damals nicht etwa Zug oder Flugzeug. Mit dem Fahrrad und jeweils 60 Mark in der Tasche fuhren die drei von Backnang ans andere Ende der Welt nach Melbourne, um dort elf Monate später die Olympischen Sommerspiele (22. November bis 8. Dezember 1956) live zu sehen. "Wir liebten einfach das Radfahren." Knapp eine Woche vor Beginn erreichten sie die Hauptstadt Victorias. 20.000 Kilometer ging es mit eisernem Willen, viel Durchhaltevermögen und Mut für die drei jungen Burschen nach Australien. Auf ihrem Weg durch die Wüste südlich von der iranischen Hauptstadt Teheran retteten sie einem fast verdursteten Wanderer das Leben. Die drei sind nicht nur Helden, sondern auch Pioniere: Niemand zuvor hatte diese lange Reise per Rad angetreten. Entsprechende AufmerksamkeUnter dem Logo "Ocean Gold" verkauft Fred Glassbrenner Millionen an Abaloneit bekamen die Deutschen in den Städten und Dörfern der Länder, die sie durchquerten.

Stolz präsentiert Fritz Glasbrenner die Fotos in seinem Wohnzimmer. Sie zeigen ihn als Jugendlichen. Neben ihm berühmte Persönlichkeiten, welche die Freunde auf ihrer Reise trafen, zum Beispiel den später ermordeten irakischen König Faisal II., den Schah von Persien mit seiner Frau, Königin Soraya, und Indira Gandhis Vater, Nehru. "Sie haben uns finanziell geholfen", sagt der mittlerweile 74-Jährige.

Durch Meeresschnecken zum  "Abalone King"

Heute hilft Glasbrenner anderen finanziell - besonders Radsportlern. Vor seinem Aufbruch nach Australien war er selbst viel mit dem Rad durch den Schwarzwald und über Sizilien sogar nach Nordafrika gefahren. In der australischen Radsportszene ist er ein bekannter Mann, unterstützt den Footscray Cycling Club und sponsert Rennen.

Eigentlich wollten die Freunde nach den Olympischen Spielen weiterfahren und sich die Welt anschauen. "Doch wir mochten die Freundlichkeit der Menschen in Australien, das Multikulturelle und die Landschaft, durch die wir geradelt sind", erinnert sich der frühere Hobbysportler mit schwäbischem Akzent. Seine Freunde gingen später zurück nach Deutschland, er blieb. Aus Friedrich wurde Fred Glasbrenner, der zunächst als Busfahrer sein Geld verdiente. Eine seiner Passagierinnen war die Australierin Zara. Heute sind die beiden 47 Jahre verheiratet und haben zwei erwachsene Kinder. Typisch deutsche Traditionen pflegt Fred Glasbrenner mit seiner Familie nicht, sagt er.

Mit Zaras Bruder John ging Fred oft tauchen, und der Busfahrer wurde plötzlich zum Millionär. Dank Meeresschnecken, die in den kühlen Gewässern südlich von Victoria prächtig gedeihen. "Abalone gilt in Asien als Delikatesse, ist ein Muss auf jeder Hochzeit", erklärt der Spezialist. Glasbrenner entdeckte die Marktlücke, baute 1981 eine eigene Konservierungsfabrik auf, stieg mit seiner Firma namens "Australian Abalone Exports" ins Exportgeschäft ein und verkaufte das Schneckenfleisch unter dem Logo "Ocean Gold".

Ein weiterer Titel für Melbourne: Abalone-Hauptstadt der Welt11_jm_FritzGlasbrenner_03

Über 15.000 Stunden verbrachte der unermüdliche selbsternannte "Abalone King" unter Wasser auf der Suche nach den kostbaren Meeresschnecken. "AB King", steht heute auf dem Nummernschild des Wahl-Melbourners aus Williamstown. "Melbourne ist die Abalone-Hauptstadt der Welt", weiß er und hat mit der weltweit größten dieser Art ein Wahrzeichen im Melbourner Stadtteil Laverton North errichtet.

Um seinen Hals hängen drei Ketten mit verschiedenen Anhängern. Taucherflosse und Muschel erklären sich sofort von selbst. Aber was hat es mit dem Zahn auf sich? "Vor 38 Jahren wollte ein Weißer Hai beim Sporttauchen nahe Coffs Habour ein Stück von meinem Körper versuchen, es ist ihm aber nicht gelungen. Mein Kollege hat ihm eine Kugel verpasst",  berichtet Fred und zeigt auch den Rest des Gebisses vom Weißen Hai, in dem ein Zahn fehlt und das früher den Eingang seines Restaurants für Meeresfrüchte-Spezialitäten zierte.

Heute ist der Wahl-Australier mit amerikanischen Wurzeln und deutscher Vergangenheit nicht mehr im Muschelgeschäft aktiv. Lehnt er sich zurück und lässt sprichwörtlich die Füße baumeln? Nein, das passt nicht zu Fred, Fritz oder Friedrich Glasbrenner. Zusammen mit seinem Sohn David und dessen Freund baut er gerade das nächste zukunftsträchtige Unternehmen auf und investiert in Glühlampen – ohne Quecksilber und nach eigenen Angaben höchst umweltfreundlich.