Alice Gruia: Von Berlinale 2012 zum Deutschen Filmfest nach Melbourne

Alice Gruia, Regisseurin des Films "Rodicas" ist zu Gast beim Deutschen Filmfestival in Melbourne 2012Julius Caesar ist das Zitat zugeschrieben "Veni, vidi, vici" - Ich kam, sah und siegte. Würde man die Äußerung auf Alice Gruia münzen, müßte sie lauten: "Ich kam, filmte und siegte". Mit ihrem Debutfilm "Rodicas" gelang es der jungen Deutschen nicht nur, bei der Berlinale, eines der weltweit bedeutendsten Ereignisse der Filmbranche, dabei zu sein. Jetzt wird der Film über ihre in Sydney lebende Großmutter und deren Freundin während des Deutschen Filmfestivals 2012 in Melbourne gezeigt.

Kennenlernen kann man die 26-jährige Regisseurin übrigens am heutigen Sonntag, 22. April. Sie beantwortet nach der Vorführung von "Rodicas" im Kino, Collins Street, Fragen aus dem Publikum. Deutsche in Melbourne traf Alice Gruia vor ab in Melbourne.

Alice Gruia mit Filmgrößen wie Haußmann und Handloegten zu Gast in Melbourne

Da ist sie ehrlich: "Das ist schon krass, in einem Atemzug genannt zu werden mit Leander Haußmann und Hendrik Handloegten", erklärt Alice Gruia undDie Freudinnen Rodica Grill und Rodica Gruia sind Protagonistinnen in dem Film, der jetzt in Melbourne gezeigt wird lacht. Sie schaut in Richtung der beiden arrivierten deutschen Filmregisseure, die nicht weit entfernt von ihr im Melbourner Goethe-Institut bei Kaffee, Croissants und Donuts mit einander reden.

Das Trio Haußmann, Handloegten und Gruia ist derzeit zu Gast in Melbourne anläßlich des Melbourner Deutschen Filmfestivals 2012 oder "Audi Festival of German Films" wie es sich offiziell nennt. Haußmann ist gleich mit drei seiner Kinohits vertreten. Zu sehen sind "Sonnenallee", "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" und "Hotel Lux". Handloegtens Film "Fenster zum Sommer" eröffnete das diesjährige Filmhighlight für Fans des deutschen Kinofilms in Melbourne.

Alice Gruias Rollenwechsel: Erst vor der Kamera, dann dahinter

Während den beiden Kollegen ihr Ruf voraus eilt, ist Alice Gruia dem Melbourner Publikum noch nicht ganz vertraut. Kein Wunder, die 26-Jährige steht noch am Beginn ihre Karriere als Regisseurin sowie Drehbuchautorin. Dieser ist ihr jedoch mit ihrem Debutfilm "Rodicas" hervorragend gelungen! So gut, dass die Dokumentation über ihrer außergewöhnliche Großmutter und deren Freundin, die beide in Sydney leben, während der berühmten Berlinale über die Leinwand flimmerte.

Ein deutsch-australisches Produkt ist Alice Gruias Film Rodicas, bei dem Deutschen Filmfestival in Melbourne 2012Dabei hat die Kölnerin eigentlich gelernt, vor der Kamera zu stehen. Gruia hat ihre Ausbildung zur Schauspielerin in Köln, New York und Sydney absolviert sowie bereits in mehreren Produktionen mitgespielt. Bis zu jenem Tag vor drei Jahren, während dem sie zu Besuch in Sydney ihre Großmutter Rodica Gruia und deren Freundin Rodica Grill beobachtete.

"Wir sind alt und häßlich. Wer will das sehen?"

"Die beiden sind so cool. Da muß man was mit machen", dachte Alice damals und erzählte die Idee ihrem damaligen Freund, der sie ermutigte, bei ihrem nächsten Besuch, die beiden zu filmen. Gesagt, getan. Im Mai 2009 ausgestattet mit Film-Utensilien und begleitet von einem Kamera-Team, begann Alice eine Woche lang die beiden Frauen zu "beschatten" - rund um die Uhr.

"Das war schon anstrengend", lacht Alice, die in Trier Psychologie, Philosophie und Soziologie studierte. Nicht nur für sie, sondern auch für ihre beiden 86- und 88-jährigen Protagonistinnen, die dem Filmprojekt Rodicas Enkelin anfangs eher skeptisch gegenüber standen. "Ich glaube, die beiden wußten gar nicht, was ich will", erinnert sich Alice. "Wir sind häßlich und alt. Wer will das sehen, haben sie gefragt. Erst als die Filmförderung des Landes Nordrhein-Westfalen durch kam, haben sie wohl verstanden, dass das alles ja gar nicht so schlecht sein kann."

Filmföderung gab es erst beim zweiten Versuch

Leicht, die Förderung zu bekommen, war es für Gruia übrigens nicht. "Ich war Quereinsteigerin", meint sie. Als Schauspielerin mit Absolventen der Alice Gruias Grossmutter lebt in Sydney, Australien. Alice selbst in KoelnFilmhochschulen zu konkurrieren, gestaltete sich als Herausforderung. Erfolgreich war sie erst beim zweiten Versuch. Ihre Ausdauer hat sich gelohnt.

Berlinale hin, Berlinale her - stolz ist Gruia vor allem auf eins: "Der Film "Rodicas" berüht Menschen", weiß sie. Wenn im Nachspann die Zeile auftaucht "In Memory of Rodica Grill" (Rodica ist im vergangenen Jahr verstorben ist), ginge oft ein tiefes, bedauerendes Seufzen durch das Publikum, erzählt Gruia. Anfangs sei ihr dieses Mitgefühl unerklärlich gewesen, nach dem Motto: "Die Zuschauer kennen Rodica gar nicht." Allmählich sei ihr klar geworden, dass die gezeigten Momente im Leben der beiden Frauen, sie ihrem Publikum rasch ans Herz wachsen lassen. Der Tod der einen berüht und nimmt emotional mit. (Foto: www.alicegruia.com)

Nachdenken über das Alter: Kann man glücklich nur jung sei?

Wer den Film schaut, hat daran keinen Zweifel. Die beiden alten Damen, beide in Rumänien geboren, ziehen in ihren Bann mit ihrer Energie, ihrem Witz, Eleganz der einen, verschmitzter Robustheit der anderen, ihren kontroversen Gesprächen, die von Leben bis Tod, Seitensprüngen bis Sushi reichen, ihren Kabbeleien, Schicksalschlägen, Sorge um die andere und natürlich das Alter. Gerade das hat nicht nur Alice zum Nachdenken angeregt: "Wenn man jung ist, meint man oft, man muß jetzt unbedingt total glücklich sein, man wird nie glücklicher sein. Das ist schon fast ein Zwang", meint sie. Fasziniert habe sie daher Rodica Grills Bekenntnis, dass sie nie glücklicher war als jetzt - der Zeit, in der der Film gedreht sei. "Das motiviert", meint die Regisseurin.

Und wie geht es weiter in Alice Gruias Karriere? "Ich habe Blut geleckt", lacht sie. "Rodicas" soll nicht ihre letzte Regie-Arbeit sein. Ein Drehbuch für einen Spielfilm zu schreiben, kann sie sich vorstellen. Doch bevor dieses dann verfilmt werden kann, müssen wieder Exposés geschrieben und eingereicht werden, um die Filmförderung zu sichern. Mit dem Erfolg ihres Debütfilms wird sich das Unterfangen hoffentlich leichter gestalten ...

Das Kino, Collins Street, zeigt "Rodicas" am morgigen Sonntag, 18 Uhr. An den Film schließt sich eine Diskussion mit Alice Gruia an. Weitere Termine das Deutsche Filmfestival generell und Rodicas speziell sind im DiM Veranstaltungskalender zu finden.

Kontakt: