Deutsche Krimi-Autorin Ingrid Davis in Melbourne: Meucheln, was das Zeug hält

Ingrid Davis, deutsche Autorin, zu Gast in MelbourneKeinesfalls entgehen lassen sollten Sie sich Ingrid Davis, die am Samstag im Goethe-Institut Melbourne aus ihrem ersten Krimi "Vergeben und Vergessen" liest. Warum das sogar Claudia Loeber-Raab, die eigentlich gar keine Krimis mag, wärmstens empfiehlt, lesen Sie hier!

 

Skeptisch: Deutsche Krimi-Autorin liest in Melbourne 

Ich gestehe: Ich mag keine Krimis. Von den unzähligen, die in meinen Händen landeten, habe ich einzig zwei beendet. Das dann allerdings regelrecht im Leserausch: Der erste ist "Schwälmer Tanz" von Henning Schäfer, der in meiner Heimat - der Schwalm in NordhessenIngrid Davis liest in Melbourne aus ihrem ersten Krimi "Vergeben und Vergessen" - spielt. Der zweite trägt den Titel "Wahrheit" und stammt von dem Australier Peter Temple, der seine Mordfälle in Melbourne lösen läßt. Kein Wunder also, dass ich meine Einladung zu einer Lesung der deutschen Krimi-Autorin Ingrid Davis, die am Samstag, 24. Februar, um 13:30 Uhr im Goethe-Institut in der St. Kilda Road liest, nicht gerade mit Begeisterung entgegen nahm und in meinem Terminkalender mit sehr großem Fragezeichen eintrug.

Dann landete die Facebook-Message von Karo in meiner Inbox: "Liebe Claudia, eine ganz liebe Bekannte von mir hat die Liebe zum Bücherschreiben entdeckt und endlich ein Buch geschrieben, das in Deutschland sehr erfolgreich ist. Sie hat am 24.02. eine Lesung im Goethe Institut. Ich dachte mir, vielleicht hast Du Lust und Zeit, etwas über sie zu berichten. Glaube sogar, Ihr würdet euch blendend verstehen. Ihr Buch heißt: „Vergeben und Vergessen“ (Robin Armstrong) und ist ein Kriminalroman. Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen ..."

Unerwartet: von kurzem Blättern zum gebannten Seiten-Verschlingen

Karo gehört zu den Menschen, auf deren Urteil ich vertraue. Wir mögen die gleichen Restaurants, die gleichen Filme, die gleichen Stadtteile von Melbourne. Zudem bot sie nicht nur an, gleich den Kontakt zu der Autorin herzustellen. Karo brachte ihr Buch, das ich gleich lesen sollte, auch noch bei mir vorbei. Ihr ist es also zu verdanken, dass ich Sonntag Abend tatsächlich "Vergeben und Vergessen" in die Hand nahm, um zumindest ein paar Seiten "anzulesen". Demzufolge ist es Karo, der ich zu verdanken habe, dass ich anstelle von 18 Krimi 03eingeplanten 13 Minuten, mehrere Stunden mit Lesen verbrachte, gefesselt von Geschehnissen im Leben der mit ausgesprochen lockerem Mundwerk ausgestatteten Aachener Privatdetektivin Britta Sanders. Ich blätterte Seite um Seite um, lernte ihren genauso frotzelnden Kollegen Eric Lautenschläger kennen, vergaß das Schlafen über den eher wie Mord als Suizid aussehenden Fall, an dem die beiden rätselten, und tauchte dementsprechend groggy und zudem noch verspätet zu meiner morgenlichen Session im Fitness-Studio auf. Etwas, was ganz selten passiert.

Tags darauf sitze ich mit einer sehr angenehmen, freundlich-offenen Ingrid/Robin Davis/Armstrong bei strahlendem Sonnenschein im ACMI Café am Melbourner Fed Square. Bevor unsere Caffè Lattes serviert werden, bohre ich erstmal nach, was es denn mit der verwirrenden Zwei-Namigkeit der deutschen Autorin auf sich hat. Die lacht: "Schreiben ist mein Nebenberuf. Ich arbeite im Marketing und weil Aachen so klein ist, wollte ich das Schreiben von meinem Job trennen." Ein Psydonym mußte also her. Und das war rasch gefunden. Den Vornamen Robin wählte sie nach ihrer Lieblingsautorin, der schwedisch-amerikanischen Fantasie-Schriftstellerin Robin Hobb. Den Nachnamen lieferte der Aachenerin ihr Lieblingsschauspieler, der Brite Joe Armstrong.

Gut Ding will Weile haben: erster Krimi brauchte sechs Jahre

Weniger schnell ging allerdings ihr erster Krimi vonstatten, der zwar ganz frisch im vergangnen Jahr erschienen ist, den sie aber bereits 2011 angefangen hat, erzählt Ingrid Davis. "2011 hatte ich ein Drittel schon geschrieben, dann aber drei Jahre eine Pause Aus dem deutschen Winter in den australischen Sommer: Ingrid Daviseingelegt, weil ich an anderen Projekten gearbeitet habe." Dann holt sie das Manuskript wieder hervor und nutzt die Wochenenden, um weiter daran zu arbeiten bis sie schließlich fertig ist. Mit dem Schreiben zumindest, denn was jetzt vor der mittlerweile 48-Jährigen liegt raubt noch einmal Zeit und Energie.

Einen Literaturagent brauche sie unbedingt, bekommt Davis zu hören, damit ein Verlag ihr Buch annimmt. "Aber das war ein bißchen wie in Hollywood nach dem Motto "Rufen Sie uns nicht an. Wir rufen Sie auch nicht an," lacht sie. Schließlich besinnt sie sich darauf, dass sie ja selbst im Marketing arbeitet. Warum also nicht den Krimi im Eigenverlag als E-Book herausbringen? Gesagt, getan. Sie durchforstet das Web nach Informationen, wird fündig und im Februar 2017 klickt sie "Vergeben und Vergessen" live. Wie sie sich daraufhin gefühlt hat? "Das war wie ein Kind, das man jedem im Kinderwagen zeigen wollte," erinnert sie und schmunzelt.

E-Book schön und gut, Hardcopy ist, was wirklich zählt

Die Krimis von Ingrid Davis spielen alle in AachenBald danach kommt allerdings die Ernüchterung. Davis: "Ich habe sehr bald festgestellt, dass man schon ein Buch in der Hand haben muss, wenn man es verkaufen will. Selbst die Jüngeren möchten Hardcopies." Die studierte Literaturwissenschaftlerin macht sich also erneut auf die Suche. Diesmal nach Druckereien, allerdings "anständigen", keinen "sweatshops", die Angestellte ausbeuten, und solche, die das finanzielle Risiko gering halten, also auch kleine Auflagen drucken von etwa 200 Exemplaren. Die Autorin wird tatsächlich in Deutschland fündig und nachdem ihr eine befreundete Graphikerin mit Gestaltung und Setzen des Texts geholfen hat, trudeln die Bücher druckfrisch bei ihr ein.

Noch einmal Freude hoch drei. "Irre! The best feeling in the world," meint Ingrid Davis, die mit einem Engländer verheiratet ist. "Dann bin ich mit meinen Büchern im Rucksack losgezogen und habe in Aachener Buchhandlungen gefragt, ob sie sie ins Sortiment aufnehmen wollen. Und das wollten die meisten tatsächlich. Zwischen zwei und 30 Exemplare nahmen sie der Erstautorin ab. Als diese ausverkauft waren, ging es an die Lieferung von neuen auf Bestellung. Das bedeutete für Davis: Lieferung am gleichen Tag oder innerhalb 24 Stunden. Da sind deutsche Buchhandlungen streng. "Ich habe geliefert, mein Mann, meine Eltern. Wer gerade Zeit hatte, mußte los," erinnert sie sich lachend.

Nach "Aachener Todesreigen" folgen die "Aachener Intrigen"

Doch Ingrids Familie wird in Kürze aufatmen können, denn das Liefern wird bald ein gestandener Verlag übernehmen. Der hat nämlich die Autorin Robin Armstrong entdeckt - mit ein wenig Nachhilfe von Marcel Emonds, Inhaber der Buchhandlung "Das Buch in Eilendorf"Deutsche in Melbourne Chefredakteurin Claudia Loeber-Raab und Ingrid Davis, deutsche Krimi-Autorin . Emonds hatte wohl das richtige Gespür für eine gute Story und fragte Ingrid Davis, die ihm ihr Buch vorstellte, sogleich, was sie von einer Lesung hielt. "Mit spekulativem Glanz in den Augen", lacht sie augenzwinkernd.

Die Gelegenheit, zum ersten Male öffentlich aus ihrem Krimi zu lesen, ließ sie sich nicht entgehen. Nach einem erfolgreichen Event brachte Emonds sie sodann in Kontakt mit dem Verlag, der nun unter einer Eifelkrimi-Serie ihren ersten Band leicht editiert und mit einem neuen Cover noch einmal neu auflegt mit dem noch spannenderen Titel "Aachener Todesreigen". Dazu gibt es gleich Ingrid Davis zweiten Krimi "Aachener Intrigen", allerdings unter ihrem richtigen Namen. Erscheinungsdatum 23. April.  Den Nachfolgeband zu schreiben, ging Ingrid übrigens wesentlich flotter von der Hand. Ein Grund: Sie hat ihren Arbeitsstil gefunden. Je mehr Trubel um sie herum beim Schreiben, desto produktiver ist sie und desto kleiner ist die Angst vorm weißen Blatt, die so viele, deren Beruf das Schreiben ist, allzu gut kennen.

Bereits mit zehn angefangen zu schreiben

Apropos Schreiben, damit hat die gebürtige Aachnerin bereits mit zehn Jahren angefangen, sicherlich inspiriert von den vielen Büchern, die ihre Mutter aus der Stadtbücherei nach Hause brachte und in ihrer Familie gelesen wurden, meint Davis. Allerdings sei ihr dann Arbeitet auch in Melbourne: die deutsche Ingrid Davisdas Schreiben verloren gegangen, bis ihr eines Tages beim Einkaufen in der Mittagspause etwas passierte, dass es ihr zurückbrachte. Da sie allerdings glaubte, dass es niemanden interessieren würde, was sie in ihrer Mittagspause macht, erfand sie kurzerhand die Figur der Privatdetektivin Britta Sanders und stellte sie in den Mittelpunkt eines Krimis. Und warum gerade ein Krimi? Krimis liest Ingrid Davis selbst sehr gern und meinte daher, dass sie sich in diesem Genre am besten auskenne.

Privatdetektivin Britta ist Mitte zwanzig, weder auf den Kopf gefallen, noch um locker-flockige Wortwechsel verlegen und nicht scheu, auch mal handgreiflich zu werden, wenn jemand ihre beste Freundin beleidigt. Mittlerweile hat Ingrid Davis gut gelernt, sich von ihrer Hauptperson zu distanzieren. "Britta hat sich aus mir herausgeschält," lacht sie. "Früher habe ich es nie verstanden, wenn Autoren sagten, dass ihre Personen ein totales Eigenleben haben," sagt sie. Jetzt kann sie es gut nachvollziehen. Im Klartext heißt das, Brittas Reaktionen sind nicht die von Ingrid Davis.

Nicht immer zumindest, denn gemein ist den beiden, eine ganz klare Absage an Rassismus. Brittas Freundeskreis ist multikulti - vom Deutschen über den Holländer zum Franzosen mit algerisch-arabischen Wurzeln bis hin zu ihrer besten Freundin, deren Familie aus Indien stammt. Ein Model eines Freundeskreises, das in der Universitätsstadt Aachen ebenso existiert wie etwa ein rein deutscher Freundeskreis, meint die Autorin. Eine Spieglung deutscher, zeitgenössischer Gesellschaft also - Rassismus inklusive.

Fortsetzung folgt: Band 3 schon in Arbeit, Band 4 geplant

Und wie geht es mit  Privatdetektivin Britta weiter? Wird es ausser Band zwei, in dem es um Wirtschaftsspionage und natürlich Morde geht, noch weitere geben? Wieder lacht Ingrid Davis: "Klar, jetzt hab ich richtig Blut geleckt." Band 3 ist schon in der Mache und die Idee für Band 4 bereits vorhanden! 

Mir stehen also weitere lange Nächte bevor, denn die Fortsetzungen werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Aber zunächst gehe ich tatsächlich zu Ingrid Davis Lesung am Samstag, 24. Februar, 13:30 Uhr, im Goethe-Institut Melbourne, 448 St. Kilda Road. Und Sie sollten das auch! Egal ob Krimi-Fan oder (noch) nicht! 

Mehr Infos über Ingrid Davis und ihre Krimis gibt es auf ihrer Website http://www.ingrid-davis.de/ Bestellt werden können ihre Bücher über Amazon. Auch während der Lesung im Goethe-Insitut sind sie zu erhalten. Um Ticketbuchung wird gebeten. Die Lesung ist jedoch umsonst.

Text: Claudia Loeber-Raab, Fotos: Claudia Loeber-Raab, Courtesy of Ingrid Davis und Renate Schütt, Stadtbild Aachen -