Highlights 2017 von Deutschen in Melbourne: "Meine eigene Geschichte schreiben"

Marina Condic - Deutsche in Melbourne, die 2017 den  Sprung in den australischen Immobilienmarkt wagte

Offizielle Highlights 2017 haben wir in Medien genügend gesehen. Was aber waren Highlights 2017 von Deutschen in Melbourne? Wir haben nachgefragt und Antworten beispielsweise von Marina Condic (Foto) bekommen, die uns inspirieren.

Mit 21 ausgewandert nach Sydney

Wir alle haben sie gesehen - die Bilder, von Personen oder Geschehnissen, die 2017 Geschichte machten: Von der Amtseinführung Donald Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika über den Austritt GroßbritanniensMit 21 ausgewandert von Düsseldorf nach Sydney: die Deutsche Marina Condic aus der Europäischen Union bis hin zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Australien. Einschneidende Erlebnisse, die großen Einfluß haben auf unsere Zukunft, passierten allerdings auch im Leben von jedem von uns. Oft verlangten sie eine gehörige Portion Mut.

Die Düssseldorferin Marina Condic, die Melbourne zu ihrer Wahlheimat auserkoren hat, hat diese Portion Mut 2017 aufgebracht - übrigens zum wiederholten Male. Bereut hat sie es auf keinen Fall. "Nach meinem Abschluss als Speditionskauffrau, brauchte ich einen frischen Start und bin mit 21 Jahren nach Sydney ausgewandert. Es war ein neues und unbekanntes Land, und die ersten Jahre waren kein Zuckerschlecken. Aber ich war frei und konnte meine eigene Geschichte schreiben – ein Gefühl, das ich damals zum ersten Mal kennen und schätzen lernte," erinnert sie sich.

Aus der "Comfort Zone" in den australischen Immobilienmarkt

Als Deutsche den Sprung in den australischen Immobilienmarkt geschafft: Marina CondicGenau dieses Gefühl begann ihr zwei Jahrzehnte später allerdings zu fehlen. "Ich fühlte mich in meiner “comfort zone” gefangen. Als Geschäftsführerin einer Niederlassung in Victoria war ich sehr dankbar für die Möglichkeiten, die mir meine Karriere bis dahin geboten hatte. Ich hatte viel erreicht und konnte auf interessante Herausforderungen und Erfolge zurückblicken. Andererseits merkte ich, dass sich die Werte und Prioritäten im Geschäft von meinen eigenen stark entfernt hatten – oder habe ich mich verändert," fragte sich Marina.

Nach einem turbulenten 2016 entschloss sie sich, wieder einen frischen Start zu wagen. Dieses Mal mit einem Karrierewandel zur Immobilienmaklerin in 2017. "Der australische Immobilienmarkt war mir durch meine privaten Investitionen schon bekannt. Aber so ein drastischer Berufswechsel nach 20 Jahren bedeutet wieder ganz von unten anzufangen, und kommt mit einigen Risiken und Zweifeln. Weniger als anspruchvolle Arbeit und ein Bruchteil vom vorherigen Gehalt waren die Hauptgründe für Selbstzweifel und Versagensangst," erzählt die sympathische 42-Jährige.

Zweifel nagten: Was ist wenn ...?

Was ist, wenn ich es doch nicht schaffe? Wofür habe ich jahrelang so hart gearbeitet? Fragen, die Marina sich wieder und wieder stellte. "Glücklicherweise lebe ich mit einem sehr verständnisvollen Partner, Haben Zweifel überwunden und den Mut gehabt, etwas zu ändern: Marina Condic und Petra Wohl, beide Deutsche in Melbourneder mich in meiner Entscheidung vollstens unterstützt hat, auch als die Zweifel manchmal zu sehr an mir nagten. Ich wusste auch, dass ich mich auf meine Erfahrung in der Dienstleistungsbranche verlassen konnte," meint sie. Im Januar 2017 belegte sie schließlich einen "Real Estate Agent"-Kurs und kontaktierte eine Makleragentur in ihrem Stadtteil, mit deren Firmenphilosophie sie sich identifizieren konnte.

Das Ergebnis: "Sobald die ersten erfolgreichen Kampagnen für meine neue Kunden abgeschlossen waren, wusste ich, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte. Auf einmal machte alles Sinn: meine vorherige Karriere und finanzieller Erfolg hatten mir ermöglicht, diesen grossen Schritt in unbekanntes Terrain zu wagen. Die harte Arbeit hatte sich also doch gelohnt!

Belohnung: Freiheit und Zufriedenheit, anderen zu helfen

Heute bin ich enorm froh, meinen Käufern und Verkäufern mit einer ihren wichtigsten Entscheidungen helfen zu können. Wie werden sie leben? Wo werden ihre Kinder zur Schule gehen? Wieviel Geld bleibt unter dem Strich übrig? Ich sehe diese Verantwortung als echtes Privileg, das mich sehr erfüllt. Ich geniesse wieder die Freiheit, meine eigene Geschichte schreiben zu können, aber umso mehr die tägliche Zufriedenheit, anderen Menschen zu helfen, deren Ziele zu erreichen."

Petra Wohl: "Ich muß etwas ändern"

Petra Wohl, Deutsche in Melbourne, fand es an der Zeit, etwas zu verändernDen Mut zu einem Karrierewechsel hat Petra Wohl bereits vor acht Jahren gehabt. Nachdem die gebürtige Niedersächsin neun Jahre in einem Melbourner Call Centre gearbeitet hatte, entschloß sie sich 2009 eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin zu absolvieren. Die Arbeit mit Menschen machte der Bad Pyrmonterin, die seit 1998 in Australien lebt, so viel Freude, dass sie niemals zusagte, wenn sie in der Vergangenheit gefragt wurde, ob sie nicht eine Manager-Rolle in diesem Bereich annehmen wolle. "Ich wollte nicht in der Verwaltung arbeiten", erinnert sich Petra.

2017 allerdings wurde ein anderes Gefühl in ihr immer stärker: "Ich muss etwas ändern," stellte sie fest. Als dann eine Service-Manager-Rolle für 16 Personen ausgeschrieben wurde, war es für Petra keine Frage mehr, dass jetzt der Zeitpunkt für eine Veränderung war. Sie bewarb sich auf die Stelle. "Ja, ich war sehr aufgeregt," lacht die 55-Jährige. "Ich wußte, die Stelle bringt mehr Verantwortung mit sich. Aber ich hatte sehr viel von meiner Managerin gelernt. Sie hat mir auch Mut gemacht, mich zu bewerben und mir versichert: Du kannst das."

Mut machen: Auf jeden Fall die Chance nutzen

Als dann die Nachricht kam, dass Petra zum Vorstellungsgespräch eingeladen war, brachte dies schon ein wenig Nervosität und Selbstzweifel: Werde ich die richtigen Antworten auf die Fragen haben? Was, wenn es nicht klappt? Doch Petra ließ sich davon keinesfalls abhalten. Ihr Motto: Egal wie es ausgeht, jetzt ist die Zeit dafür. "Ich wußte auch, wenn es nicht klappt, dann kann ich immer wieder in meinen alten Job zurück. Ich wollte auf jeden Fall die Chance nutzen." Gesagt, getan und - Erfolg gehabt. Im Dezember bekam sie die Zusage. "Ich fange am 15. Januar meine neue Stelle an," freut sich Petra und kann ihren Schritt anderen empfehlen. Ihre Tipps: Offen sein, Chancen nutzen, immer dazu lernen. Und: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Laura Soros: Engagement für Eating Disorder Victoria

Laura Soros ganz persönliche Highlights 2017 haben weniger mit ihrem Beruf, sondern eher mit ihrem privaten Einsatz für ihre Mitmenschen zu tun. "Wenn ich auf das Jahr 2017 zurück blicke, würde ich wahrscheinlich mein Laura Soros, Deutsche in Melbourne: Highlight war Sprung in den Aufsichtsrat von Eating Disorder VictoriaEngagement für "Eating Disorders Victoria" als Highlight betrachten," sagt die 29-jährige Deutsche, die 2012 nach Australien gekommen ist. "Als ich etwas jünger war, habe ich selbst unter einer Essstörung gelitten, die ich mittlerweile besiegt habe. Auf Grund meiner eigenen, persönlichen Geschichte war es daher ein großes Anliegen für mich, gerade in diesem Bereich etwas zurück zu geben und mich zu engagieren."

Lauras Essstörungen begannen vor etwa zehn Jahren. Fünf Jahre dauerte es, bis sie wieder ein gesundes Verhältnis zum Essen bekam. Es waren unter anderen Organisationen wie Eating Disorder Victoria (EDV), die ihr dabei halfen. Als Lauras Mann hörte, dass die australische Non-for-Profit Organisation ein Aufsichtsratmitglied suchte, das eine führende Postion in einer Schule inne hatte und möglichst selbst von einer Eating Disorder betroffen gewesen war, stand für Laura, die Head of Languages an einer angesehenen Privatschule in Melbourne ist, fest, dass sie sich für die Position bewerben würde.

Der Sprung in den Vorstand, um zu helfen

Mit Erfolg: "Im vergangenen Jahr wurde ich als Aufsichtsratmitglied in den Vorstand von Eating Disorder Victoria aufgenommen und ich freue mich sehr auf meine zukünftige Arbeit in diesem Bereich," sagt sie. Eine ihrer Aufgaben wird es sein, zu sehen, was man in Schulen machen kann, beispielsweise um präventiv Verhalten von Schülern und Schülerinnen positiv zu beeinflußen und dafür neue Strategien zu entwickeln. "Wenn ich an 2018 denke, erhoffe ich mir, dass ich viele Gelegenheiten haben werde, Menschen mit Essstörungen helfen zu können, ihre Krankheit zu besiegen," meint Laura.

Wer mehr über Eating Disorder Victoria erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der EDV-Website.

Interviews: Claudia Löber-Raab, Fotos: Portraits: Courtesy of Marina Condic, Petra Wohl and Laura Soros