Der einzige, ultimative Vorsatz fürs Neue Jahr: Glücklichsein - Spickzettel inklusive

Gute Vorsätze in Melbourne fuer 2018 2018 steht vor der Tür und viele von uns sind dabei, ihre Liste von Neujahrsvorsätzen zusammen zu stellen. Oder ist es vielleicht besser, nur einen guten Vorsatz zu haben: Glücklich sein? Immerhin soll das Voraussetzung für Erfolg sein, wundert sich Claudia Löber-Raab und hat gleich einen Glück-Spickzettel erstellt.

35 Grad in Melbourne - perfekte Temperatur

Himmlisch! Ich sitze an meinem neuen, weißen Gartentisch - frisch erstanden von IKEA - auf meiner wunderschönen Terasse, die meinen grünen buschigen Melbourner Garten überblickt und tippe in mein MacBook Pro. Der Tisch ist Setting zu Weihnachten bei 35 Grad in Melbourneübersät mit Schreibblöcken, in die ich während Interviews und Recherche wild Notizen geschrieben haben, und aufgeschlagenen Büchern, in denen ich Sätze in fluoreszierendem Orange und Pink highlighted habe.

Es sind 35 Grad Celsius, die perfekte Temperatur für mich. Junge weiße Kakadus, denen der Federkamm erst noch wachsen muss, was sie wie zu schwer geratene Tauben aussehen läßt, die Magier aus ihren schwarzen Hüten ziehen, haben sich auf den Büschen in der Nähe niedergelassen. Neugierig beäugen sie meine schwarze Labradorhündin Ava, die sich mit allen vieren weit von sich gestreckt, auf meinen Füßen niedergelassen hat. Sie hechelt. Hier draußen ist es ihr viel zu heiß. Doch um bei mir zu sein, erträgt sie die Hitze lieber, als sich innen unter die Aircondition zu legen.

Zeitloser Augenblick von Ruhe und Glücklichsein

Momente des Glücklichseins in MelbourneIch schaue mir den grünen Adventskranz an, der mit seinen roten Schleifen und Kerzen und den goldenen Tannenzapfen und Sternen den perfekten Farbtupfer zur weißen Tischoberfläche liefert. Ich könnte mich regelrecht verlieren in der makelosen Kombination der Farben und Schönheit. Nach einem weiteren gigantischen Jahr mit Spannungen, ungeahnten Wendungen - alles in einer Geschwindigkeit, die keinem von Tom Cruises Action Movies nachstehen würde - ist dies ein rarer, irgendwie zeitloser Augenblick von Ruhe und höchstem Glücklichsein.

Ein Augenblick, den ich intensiv schätze und plötzlich weiß ich ganz genau: Das ist ein Moment, von denen ich mehr haben möchte. Schnell schnappe ich mein Handy und texte einer Freundin, die mich gerade nach meinen guten Vorsätzen fürs Neue Jahr gefragt hat: "2018 habe ich Tonnen von Glücklichsein-Momenten" und klicke gleich noch drei Emojis mit angespanntem Bizep-Muskel dazu, um ihre meine Entschlossenheit zu demonstrieren.

Die Glücksformel oder wie die guten Gefühle entstehen

Dem preisgekrönten Wissenschaftsjournalisten Stefan Klein zufolge, könnte ich sogar auf dem besten Wege sein, diesen Neujahrsvorsatz wahr zu machen. Klein ist der Autor des internationalen Bestsellers "Die Glücksformel oder Die Glücksformel von Stefan KleinWie die guten Gefühle entstehen". Zufälligerweise habe ich gerade das 2002 erschienene Buch gelesen. Ich hatte es mir im gleichen Jahr von Freunden, die aus Deutschland zu Besuch waren, mitbringen lassen. Allerdings stand es seitdem unberüht in meinem Bücherregal. Vorgestern viel es mir wieder in die Hände und zog mich so sehr in seinen Bann, dass ich es innerhalb zwei Tagen durchlas.

Klein hat sein Buch 2015 überarbeitet und neu herausgegeben. Sicherlicher hat er aktuellere Forschungsergebnisse eingearbeitet aus dem Bereich Gehirnforschung in Bezug auf das Glücklichsein, einer Forschungsrichtung, die beim Schreiben der Erstauflage ihre aufregende Reise begonnen hatte. Allerdings ist auch die erste Version bereits ausreichend mit weltweiten Erkenntnissen abgesichert.

Fokusieren auf Glücksmomente lassen negative Gefühle verdursten

Gemäß Klein, verstärkt sich der Effekt von guten Gefühlen, wie zum Beispiel Glücklichsein je mehr wir darauf fokusieren und uns damit beschäftigen. Je intensiver wir diesen Moment erleben, je mehr wir ihn auskosten, desto mehr Auf glückliche Gefühle konzentrieren und negative gehen lassenprägen wir unser Gehirn zum Guten. Das hat dann auch noch eine weitere postive Nebenwirkung. Wir konzentrieren uns weniger auf unsere negativen Gefühle. Klein zitiert hierzu den vietnamesischen Zen-Mönch Thich Nhat Hanh: "Jeden einzelnen Moment, in dem wir etwas Friedvolles und Schönes wahrnehmen, bewässern wir die Samen für Frieden und Schönheite in uns. ... Während derselben Zeit werden andere Samen wie Angst und Schmerz nicht bewässert." 

Das heißt, dass auch wenn meine Freunde, die ich in meinem Glückszustand mit Fotos von meinem wundervollen Terassen-Arrangement geradezu geflutet habe - vermutlich dachten, ich sei verrückt, mich so zu begeistern über einen objektiv gesehen vermutlich eher durchschnittlichen Garten in einem durchschnittlichen (wenn auch statistisch gesehen dem glücklichsten) Stadtteil Melbournes, so habe ich mir bei meinem lang anhaltenden Streben nach Glück einen Gefallen getan: Ich habe den Moment voll ausgekostet und ihn sozusagen mit jedem Foto, das ich verschickt habe, multipliziert sowie dabei gleichzeitig negative Gefühle, die mich beschäftigen, um es mit Thich Nhat Hanh zu sagen, ausgetrocknet.

Gute Chancen, Neujahrsvorsätze für 2018 zu verwirklichen

Also, sollte ich mich Klein zufolge, weiterhin so verhalten und gezielt Glücksmomente festhalten, würde ich gute Chancen haben, meine Neujahrsvorsätze tatsächlich zu verwirklichen und mehrere solcher Momente in 2018 erleben. Glückliche Menschen sind gesünder und beliebterGenau das ist eine der Kernaussagen von Kleins Buch: Glücklichsein ist kein Zufall oder ein Zustand, den wir erleben, weil wir mit den entsprechenden Glücksgenen geboren sind - sollte es überhaupt solche geben. Glücklichsein ist die Folge der richtigen Gedanken, des richtigen Mindsets, der richtigen Handlungen.

Wir sind in der Lage unser Gehirn darauf zu programmieren, glücklich zu sein, denn unser Gehirn vermag zu wachsen und sich zu verändern - sogar als Erwachsener. Gücklichsein ist kein Schicksal, das uns jemand zuteil kommen läßt. Wir können und müssen Eigeninitiative zeigen in unserem Bemühen unser eigenes Glücklichsein zu suchen, zu finden und zu kreieren. Das ist wie wir das Glücklich sein erlangen, sagt uns das Buch und nicht nur es allein.

Glücklichsein ist kein Geschenk der Götter

Aristoteles: Glück ist kein Geschenk der GötterAls Neurolinguistic Programming (NLP) Practitioner sind mir diese Gedanken vertraut. Genau das ist vermutlich auch der Grund, warum mich Kleins Buch so angesprochen hat. Ja, Klein nimmt uns Leser und Leserinnen mit auf die Reise, die uns lernen läßt, was Neurologen, Verhaltensforscher, Psychologen, Mediziner und Wissenschaftler aller Bereiche herausgefunden haben, wenn es darum geht, wissenschaftlich zu erklären, wie man glücklich wird, ist und bleibt. 

Allerdings verknüpft Klein die Wissenschaft mit den Lehren von Philosophen der Antike, wie etwa Aristoteles, der überzeugt war, dass das Glücklicksein kein Geschenk der Götter ist, aber von denjenigen verdient wird, die ihre Möglichkeiten optimal nutzen. Klein, der in der Zwischenzeit weitere, ebenso interessante Bücher veröffentlicht hat, zitiert Dichter wie Ovid, berühmte Autoren wie Theodor Fontane oder Musiker wie Richard Wagner und die Rolling Stones ebenso wie Politiker wie Winston Churchill. 

Jeder hat seine eigene Vorstellung von Glück

Er verwendet Sprichwörter, die von Generationen zu Generationen weitergegeben wurden, findet Raum für Verhaltensstudien und -vergleiche von Gemeinschaften in den USA und Nordeuropa bis hin zu Völkern in entlegendsten 17 2018Neu 01Teilen der Erde, um zu zeigen, dass die Glücksformel im Grunde genommen nicht komplett neu ist. Ihre Anwendung mag allerdings für jeden von uns unterschiedlich sein, da wir als Individuen individuelle Vorstellungen von Glück haben.

Für mich persönlich ist die Glücksformel in einer Zeit, in der viele von uns beschäftigt sind, Listen mit guten Vorsätzen für das Neue Jahr zu erstellen, so wichtig, dass das Glücklichsein bei jedem auf alle Fälle mit auf die Liste kommen sollte. Oder noch besser: Glücklich zu sein, sollte der einzige gute Vorsatz fürs Neue Jahr sein! Immerhin ist bewiesen, das glücklichere Menschen kreativer, schneller, leistungsfähiger, beliebter, gesünder sind - alles Voraussetzungen für Erfolg in jeder Lebenssituation. Und um die Entscheidung, dies als einzigen guten Vorsatz zu wählen, einfacher zu machen, hier ein kleiner Spickzetteln zum Glücksein à la Stefan Klein:

Der Spickzettel zum Glücklichsein in 2018 und darüber hinaus

1. Gesunder Körper, gesunder Geist. Wenn wir uns sportlich betätigen, manipulieren wir unsere Neuronen auf eine sanfte Art und Weise, sodass sie das Gehirn dazu bringen, die gleichen Chemikalien auszuschütten, die es ausschüttet, wenn wir glücklich sind. Also, raus und Wandern gehen oder Joggen oder Schwimmen oder den Fußball oder Footy kicken!

2. Aktiv sein macht glücklicher als nichts tun, auch wenn wir denken, dass dies unserer Vorstellung von großartigen Ferien widerspricht. Menschen sind dafür geschaffen, aktiv zu sein. 

3. Negative Gefühle wie Wut oder Trauer gehen nicht weg, wenn man sie heraus läßt. Das ist "old school" Denken. Besser ist es, man würdigt sie, nennt sie beim Namen und läßt sie gehen. Das seelische Gleichgewicht gewinnt man dadurch schneller.

4. Kontrolle über das eigene Leben übernehmen. Klein zufolge ist das die Voraussetzung für Glück und Zufriedenheit. Von jemandem abhängig zu sein, ist eines der schlimmsten Gefühle überhaupt und belastend für Körper und Seele.

5. Sich selbst kennen! Herausfinden, was einen glücklich macht und nicht einfach übernehmen oder nachahmen, was bei anderen funktioniert.

6. Punkt 1. bis 6. wirklich machen!

In diesem Sinne: ein tolles, gesundes, glückliches Neues Jahr!

Text: Claudia Löber-Raab,  Foto Aristoteles: Wikipaedia