Gleichgeschlechtliche Ehe: Australier sollen ab heute Farbe zeigen und entscheiden

Johanna Schick macht sich als Deutsche in Melbourne Gedanken über die Diskussion über gleichgeschlechtliche Eheschließung in AustralienEntscheidet sich Australien genauso wie im Juni Deutschland und erkennt eine gleichgeschlechtliche Ehe an? Johanna Schick (Foto) macht sich für Deutsche in Melbourne Gedanken zu dem aktuellen Thema und besonders der Diskussion darüber, die ihr zu schaffen macht!

Deutschland durch, Australien muss noch

Kaum ein anderes Thema ist in diesem Jahr so totdiskutiert worden wie die gleichgeschlechtliche Ehe. Egal in welches Land man auch schauen mag, nahezu überall war es Thema. Positiv, so wie negativ. Derzeit ist es in Australien Brennpunkt der Gesellschaft, so wieAustralier werden über gleichgeschlechtliche Eheschließung befragt es im Juni diesen Jahres in Deutschland war. Zu diesem Zeitpunkt stimmte man im deutschen Bundestag darüber ab. Das Ergebnis: Von 623 Bundestagsabgeordneten sprach sich eine Mehrheit von 393 für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aus. Ab dem 1. Oktober 2017 können daher gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland offiziell den Bund der Ehe schließen. In der Schweiz und in Österreich sind derzeit übrigens lediglich eingetragene Partnerschaften möglich. Doch auch in diesen Ländern ist die Diskussion zum Thema Eheöffnung noch nicht zu Ende.

Deutschland ist in Europa aber nicht das einzige Land, welches die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt: Frankreich, Spanien, Portugal, Schweden, Finnland, Norwegen, Großbritannien, Belgien, die Niederlande, doch auch Island, Luxemburg, Malta und ja, sogar das sonst so konservative Irland haben bereits "Ja" gesagt.

Fragebögen werden jetzt in Australien verschickt

Abstimmung per Brief auch für Deutsche mit australischer Staatsbürgerschaft

Und Australien? Hier werden derweil Kampagnen so aggressiv geführt, wie ich es in keinem anderen Land wahrgenommen habe. Da es scheint, als ob sich die Regierung nicht einigen kann oder will, wird das Volk zur Hilfe gerufen. An für sich keine schlechte Idee, aber eine, die rund $122 Millionen kosten soll. Viel Geld, das sicherlich woanders fehlen wird! Kein Wunder also, dass diese Volksbefragung so strittig ist. Besonders, da sie nicht vielmehr als das ist - eine Umfrage, die nicht weiter bindend für die Regierung unter Malcolm Turnbull ist.

Gerade deshalb ist vielleicht die Überraschung groß, wie lautstark und heftig das Thema gleichgeschlechtliche Ehe in Australien diskutiert wird. Egal wohin man sieht, geht und hört, überall begegnen einem Meinungen dafür oder dagegen. Sogar Unternehmen beziehen Stellung, was sonst bei politischen Themen selten der Fall ist - siehe Ben & Jerry's und die Modekette Gorman's.  Die Umfrageaktion geht übrigens heute los. Ab heute werden die Fragebögen verschickt, die australische Staatsbürger ausfüllen und zurückschicken können. Am 15. November wird das Ergebnis erwartet. Zwei Monate geht das Ganze also noch. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber die stetigen Diskussionen darüber kratzen schon jetzt ganz schön an meinen Nerven.

Ist Liebe nicht gleich Liebe?

Warum? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist mir meine Entscheidung zum Thema gleichgeschlechtliche Ehe leicht gefallen. Von mir gibt es ein dickes, kräftiges JA! Zunächst einmal liebe ich die Vielfalt, die in Melbourne - und ganz Australien - ihr Zuhause Vielseitiges in Melbourne, aber kein Platz für vielseitige Ehengefunden hat. So viele Nationen in einer Stadt, so viele verschiedene Sprachen, so viele unterschiedliche Charaktere. Warum genau sollte also die gleichgeschlechtliche Ehe gerade hier abgelehnt werden?

Davon abgesehen: Ist das Thema der derzeitigen Diskussion nicht rein das Problem der Ungleichbehandlung von hetero- und homosexuellen Paaren und sollte der Maßstab, der für die Lösung angesetzt wird, nicht letztlich Liebe sein? Liebe, die gleichmäßig anerkannt wird? Ich sehe kein Problem damit.

Altes Sprichwort: Wer im Glashaus sitzt ....

Folgt Australien Deutschlands Beispiel in puncto gleichgeschlechtliche Ehe?

Ich will die Werte, die in Zusammenhang mit diesem Thema von der Kirche oft angeführt werden, nicht verachten oder ignorieren. Oft entfacht sich die Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern der gleichgeschlechtlichen Ehe, da laut Bibel die Ehe einzig für die Verbindung zwischen Mann und Frau bestimmt ist. Homosexualität wird in der Bibel gar als Sünde angesehen. 

Aber ist es nicht so, dass Sünden - egal welchen Ausmaßes  - vor Gott gleich angesehen werden, dass es also keinen Unterschied zwischen Sünden gibt? Wenn das so ist, können wir dann vertreten, mit "Nein" zu stimmen, wenn wir selbst nicht sündenfrei sind?  Es gibt ein Sprichwort dafür: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“ – oder wie es Jesus selbst in Johannes 8,7 sagt: „Wer von euch noch nie eine Sünde begangen hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!“

Wird mit zweierlei Maß gemessen?

Mir kommt es so vor, als ob oft mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn es um die Ehe aus christlicher Perspektive geht. Es werden in Kirchen Paare verheiratet, die sich nicht mit dem christlichen Glauben identifizieren, die nichts mit ihm anfangen können oderMisst man mit zweierlei Maß in Deutschland und Australien ihn sogar bewußt ablehnen, dennoch in einer Kirche heiraten wollen, weil es beispielsweise schöner auf Photos aussieht. Und oftmals wird lediglich aus steuerlichen Vorteilen geheiratet oder weil es schlichtweg legal günstiger ist, Kinder aufzuziehen. Warum also traut man nicht-christliche, aber nicht gleichgeschlechtliche Paare?

Man hört auch, speziell die ältere Generation sagen, dass gleichgeschlechtliche Ehen nichts mit traditioneller Lebensweise zu tun hat. Wenn ich "traditionelle" Lebensweise höre, sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Wenn wir uns nicht verändert hätten, unsere Traditionen nicht modernisiert hätten, würden wir noch in der Lebensweise des Mittelalters leben. Frauen würden sich nicht weiterbilden dürfen, als Hexen verbrannt oder weiter brav in der Küche stehen. 

Jeder muss seine eigene Entscheidung treffen 

Der größte Augenöffner, wenn es um gleichgeschlechtliche Ehen geht, waren für mich allerdings Gespräche mit Kindern, die aufkamen als sie zum ersten Mal gleichgeschlechtliche Paare gesehen haben in der Werbung, beim Einkaufen, im Fernsehen. Ein kurzer Satz Wie bei der deutschen Entscheidun zählen die eigenen Werte auch in Australienreichte für vollkommenes Verständnis aus: "Beide haben sich einfach sehr doll lieb!" Simple, oder? Kindermund tut eben immer noch Wahrheit kund. Wer mag, sollte sich übrigens zu diesem Thema die Folge der ABC Serien "You can´t ask that" anschauen. Genial! http://iview.abc.net.au/programs/you-cant-ask-that/LE1617H008S00#playing

 

Für mich ist die Entscheidung, Ja oder Nein zu sagen zu der Ehe zwischen zwei Menschen, die sich lieben, wie gesagt sehr einfach. Das Geschlecht zählt nicht für mich. Letztlich muß jedoch jeder, der seinen Fragebogen zur Abstimmung über die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe bekommt, beim Ausfüllen diese Entscheidung selbst treffen im Sinne seiner eigenen, persönlichen Werte. Was ich mir bei all diesen Diskussionen jedoch am meisten wünsche ist, sich mit Respekt zu begegnen. Das Unverständnis und der Hass mit dem sich Befürworter und Gegner momentan begegnen, finde ich absolut nicht richtig. Es leben Billionen von Menschen auf dieser Erde. Dda ist es unmöglich, dass alle einer Meinung sind. Allerdings leben wir gemeinsam auf diesem wunderbaren Planeten und in diesem wunderbaren Land Australien. Umso wichtiger ist es, dass wir uns mit Liebe, Akzeptanz und Toleranz gegenüberstehen. Denn das macht nicht zuletzt die australische Gesellschaft normalerweise aus! 

Text: Johanna Schick - Kontakt: