Laut, kräftig, Spaß pur: Rudelsingen von deutschen Liedern mitten in Melbourne

Spaß beim Singen von deutschen Liedern in Melbourne

Was in Deutschland gut ist, kann in Melbourne noch besser sein: Singen deutscher Kulthits - vom Schlager über Volkslied bis Neuer Deutscher Welle. Christoph Dielmann lud ein zum deutschen Liederabend, bei dem anfangs gesittet gesungen, dann sogar getanzt wurde. Spaß pur!

 

Von Deutschland nach Melbourne 

Es findet in Kassel im "Gleis 1" statt, in Koblenz im "Café Hahn", in Oldenburg in der "Kulturetage", in Wuppertal in der "Börse" und auch in Melbourne. Gerade geschehen am vergangenen Wochenende in der Kirchhalle der deutschen evangelisch-lutherischen Christoph Dielmann, Pastor der deutsch evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitsgemeinde Melbourne, einmal andersDreifaltigkeitskirche am Parliament Place: Das sogenannte "Rudelsingen" von Deutschen. In Deutschland ist es seit Jahren brandaktuell, heiß geliebt und noch dazu ein Mordspaß. Was Rudelsingen ist? Genau das, was der Name sagt: Singen im Rudel!

Tanz beim Deutschen Liederabend in Melbourne

Wildfremde Leute treffen sich und fangen an zu singen: Hits und Gassenhauer von A bis Z von gestern bis heute, deren Liedertexte an eine große Leinwand projeziert sind. Songs, mit denen man als Deutsche oder Deutscher groß geworden ist, ob "Mein kleiner grüner Kaktus" von den Comedian Harmonist aus den 1930ern oder "Major Tom" vom Neue Deutsche Welle Sänger Peter Schilling. So steht´s auf der Rudelsing-Website, auf der auch derjenige zu finden ist, der den ganzen Gaudi in Deutschland populär gemacht hat: David Rauterbach, seines Zeichens fünftes Kind einer Pfarrfamillie aus Niedersachsen.

Deutsches Rudelsingen auch in Melbourne

Ob es an seiner (offensichtlichen) Pfarrer-Connection liegt, die David Rauterbach und Wahl-Melbourner Christoph Dielmann verbindet oder nicht, sei dahin gestellt. Tatsache ist, dass dank Christoph Dielmann, Pastor der deutschen evangelisch-17 Rudelsingen 04lutherischen Dreifaltigkeitsgemeinde, jetzt zum zweiten Mal über 16.000 Kilometer entfernt von Deutschland ein Rudelsingen stattfand. Und was für eins! Gesittet und sitzend angefangen mit dem alten, deutschen Volkslied "Die Gedanken sind frei", dessen Zeilen auf Hoffmann von Fallersleben zurückgehen, war der überwiegende Teil der Sänger und Sängerinnen gegen Ende der Veranstaltung nicht mehr auf den Stühlen zu halten.

Von alten deutschen Schlagern bekamen die Melbourne Deutschen nicht genug

Ob theatralische, ausdrucksvolle Gesten während des Singens von Howard Carpendales Schlager "Ti amo" oder Beine, die hoch in die Luft wirbelten, beim Koskakentanz zu "Moskau, Moskau" von der deutschen Gruppe Dschinghis Khan - ausgelassenes, inbrünstiges und lautstarkes Singen aus mehr als 30 Kehlen lohnte die Anfahrt aus den südlichsten und nördlichsten Stadtteilen Melbournes auf alle Fälle. Was früher angezündete Feuerzeuge, die in der Luft geschwenkt wurden, etwa bei Nenas "99 Luftballons", waren am Wochenende die Flashlights der Handys. Sogar die ein oder andere Träne gab´s als Marius Müller-Westernhagens "Freiheit" für die "Ossis" unter den Rudelsängern emotionale Erinnerungen hoch kommen ließ.

Andrea Waluga: Abwechslung zum Kirchenchor

Zwar nicht aus dem Osten Deutschlands, sondern aus Lübeck in Norddeutschland ist Andrea Waluga, die zum ersten Mal der Aufforderung zum Singen von Christoph Dielmann, der die Gitarre spielte, folgte. "Ich finde es richtig toll, dass es so was gibt", sagte sie. Gute Laune beim deutschen Rudelsing Abend in Melbourne"Bei mir werden auch so viele Erinnerungen wach an Deutschland und die Zeit der 70er und 80er Jahre," meinte Andrea, die 1987 von Deutschland nach Australien auswanderte. Andrea singt gern und auch im Kirchenchor ihrer Gemeinde, fand die Erfahrung mit anderen gemeinsam andere Lieder als Kirchenlieder zu singen, jedoch ausgesprochen ansprechend. 

Genauso wie Lena, die auf der Deutsche in Melbourne-Website vom deutschen Liederabend in East Melbourne erfahren hatte. Spontan rief sie ihre deutschen Freundinnen zusammen und organisierte einen "Mädelabend", denn wieviel Spaß die Rudelsing-Veranstaltungen sind, das hatte sie während ihres letzten Deutschlandbesuchs aus erster Hand erfahren. Lenas Rechnung ging auf: Ebenso wie sie genoßen ihre Freundinnen Jessika Rabe, Wiebke Fröhliche Gesichter beim Rudelsingen von Deutschen in MelbourneKleine und Claudia Laidlaw den Abend sehr und hielten sich weder mit dem Singen, noch mit dem Spaß daran haben und Lachen nicht zurück. Und das, obwohl alle sonst nicht allzuviele deutsche Lieder singen - bis auf Jessika, die als Deutschlehrerin an der Mentone Grammar School mit ihren Schülern und Schülerinnen singt.

Fazit: Viel Applaus und Zugabe-Rufe für Christop Dielmann als Initiator der Veranstaltung und der Wunsch von vielen auf ein baldiges, erneutes Rudelsingen von deutschen Liedern mitten in Melbourne. Scherzhafter Kommentar eines Sängers: "Was die in Deutschland können, können wir schon lange!"

Text: Claudia Löber-Raab, , Fotos: Jörg Hildebrand, Claudia Löber-Raab