Warm bleiben im winterlichen Melbourne mit Bikram Yoga und Pilates

Der Winter hat in Melbourne Einzug gehalten

Winter in Melbourne kann richtig kalt sein. Um zumindest kurzfristig eisigen Temperaturen zu entgehen, hat Claudia Löber-Raab in einem 40 C warmen Raum Bikram Yoga und Core ausprobiert. Ob die Yoga-Form, die in Deutschland noch nicht so verbreitet ist, auch etwas für Sie ist? Lesen Sie selbst!

Wintertemperaturen in Melbourne

Meine Freundin Anne postet einen Screenshot ihres iPhones mit den aktuellen Wetterdetails: "0.6 C at 9:18 am." Darunter ist zu lesen: "Feels like -2.4 C" Brrr .... Der Winter hat Einzug genommen in Melbourne und obwohl strahlender Frost in Melbourner Gärten im Winter kommt vorSonnenschein den weißen Frost, der sich auf dem grünen Gras in meinem Garten in den nördlichen Stadtteilen Melbournes niedergelassen hat, rasch tauen wird, liegt meine gefühlte Temperatur eher bei -10.7 C. 

Kälte und ich sind keine dicken Freunde. Waren wir noch nie. Ski-Urlaube sind mir ein Graus. Schon als Kind habe ich Schlittenfahren in Deutschland gehaßt. Nicht das heißgeliebte, Atem raubende rasante Hinuntersausen der Hügel unweit meines Elternhauses. Eher der Gang dorthin, der meine Finger, Wangen und vorallem Füße bis zum Wehtun frieren ließ. Und das warm eingepackt, mit den besten Thermal-Winter-Schuhen, die es zu kaufen gab!

Meine Liste von Wintervergnügen ist dementsprechend kurz. Glücklicherweise müssen mir meine Kinder nicht mehr leid tun, da ihre Mutter sich weigert, sie in Winterresorts nahe Melbournes wie etwa Mount Buller oder Falls Creek zu bringen. Das kann jetzt ihr Vater machen, wenn sie Zeit mit ihm verbringen.

Rezept gegen Eiseskälte: Bikram Yoga in Melbourne

Umso besser kann ich mich komplett auf das konzentrieren, was für mich besonders heute höchste Priorität hat: Warmhalten. "Try Bikram Yoga," rät mir eine Freundin, der ich mein Winterleid klage und obwohl meine bisherigen Yoga-Versuche Yoga bei warmen Temperaturen im kalten Melbourneeher kläglich endeten, google ich augenblicklich mit klammen Fingern ein Studio, das Yoga in einem auf 40 C geheiztem Raum anbietet. Fotos und Informationen, die Google vor meinen Augen auftauchen läßt, führen zu einem Mini-Brainfreeze: Ich sehe durchtrainierte, muskulöse Körper der Yoga-Instructors - kein Gramm zu viele in knappen Bustiers und winzigen Shorties in unglaublichen Posen, die die Dehnbarkeit ihres Körpers demonstrieren.

Ich wäge kurz ab: Weiter frieren oder die Chance, den Körper auf Touren zu bringen während über 60 Minuten in einem 40 C warmen Raum mit der Aussicht, den ganzen Tag dank eigener Körperhitze weniger anfällig zu sein für gefühlte Eiseskälte? Die Entschiedung ist rasch getroffen. Mir bleiben 27 Minuten, um einen Platz in der heutigen "Pilates-und-Core-Strenght-mit-Yoga-Elementen-Gruppe" bei Sarah am Telefon zu buchen und auf ihre Instruktionen hin, zwei Handtücher, meine Trinkflasche und meine Yoga-Matte zu greifen. Ich ziehe mich in Windeseile um und begebe mich mit schnellen Schritten auf den Weg ins Studio.

Draußen Melbournes Kälte, drinnen Sommerhitze

Dort angekommen, registriere ich erleichtert, daß die meisten der etwa 25 anderen Teilnehmerinnen noch auf dem Weg sind, ihren Körper in die Form zu bringen, die die drahtigen Yoga-Lehrerinnen und -Lehrer auf dem Foto bereits besitzen. Den kalten Temperaturen in Melbourne entgehen Der einzige männliche Teilnehmer ist vermutlich um die 65 Jahre alt und hat seine Mission bereits erfolgreich erreicht. Während ich meine Matte ausrolle in dem für mich wohltemperierten Raum, wärmt er sich geflissentlich auf und verdreht seinen sehnigen, braungebrannten Körper derart, dass mir bereits vom Zuschauen schwindelig wird.

Sarah verliert keine Zeit. Ihre Kommandos prasseln auf uns ein. Wir planken, crunchen, pulsen unseren aktivierten Popo mit gehobenen Hüften, die wir immer höher und höher schieben müssen, lassen unsere senkrecht in die Luft gestreckten Beine abwechselnd Kreise ziehen bevor wir sie leicht über dem Boden absenken und erneut kreisen lassen. Bei den meisten meiner Mitstreiterinnen zeigen sich bereits kleine Schweißperlen. Bei mir dauert es noch etwa zehn bis fünfzehn Minuten bevor ich mich wirklich warm fühle. 

Burpees und Mountain Climbers in heißem Raum

Wir trainieren mit leichten Gewichten und einem kleinen elastischen Reifen, der gepresst werden muss. Für mich sind die Übungen in einem warmen Raum angenehmer und gefühlt leichter als in meiner normalen Gym, was nicht heißt, dass ich Bikra Yoga in Melbourne gegen Kältenicht angestrengt bin. Ganz im Gegenteil! Als nach etlichen 30 Sekunden Trainingszyklen mit 15 bis 30 sekündigen Pausen Sarah ankündigt, dass jetzt das High Intensity Training beginnt, muß ich mich schon ein wenig zusammen reißen. Bei meinen Mountain Climbers und Burpees - generell nicht unbedingt meine Lieblingsübungen - drossele ich mein normales Tempo und auch bei meinen Liegestützen scheint mir früher als sonst die Kraft zu fehlen. Mittlerweile tropft der Schweiß konstant von meine Haut. Wer wie ich sein leichtes Träger-Top über seinem Bustier anbehalten hat, dem klebt es naß an seiner Haut.

Sarah läßt uns unsere Session mit Yoga-Posen beenden, die dafür sorgen, daß wir unsere angestrengten Muskeln dehnen. Zum Abschluß schickt sie uns auf eine kleine Meditation bei sanfter, entspannender Klaviermusik. Ich bin komplett zufrieden mit meinem Work Out. Mir ist angenehm warm, wenn nicht gar heiß, und obwohl ich sicher nicht weniger hart als in der Gym trainiert habe, fühle ich mich weniger angestrengt. Wer Hitze liebt, für den scheint das häufig zuzutreffen, erfahre ich im Gespräch mit meiner Nachbarin im Umkleideraum, die mich überzeugt, gleich morgen eine Session Bikram Yoga zu buchen.

26 Hatha Yoga-Übungen in 90 Minuten

Diese Form von Yoga beeinhaltet 26 Hatha Yoga- und zwei Atem-Übungen, die mittlerweile weltweit in 40 C warmen Räumen mit einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 40 Prozent praktiziert werden. Die Sessions sind jeweils 90 Minuten lang. Wer sich zu Bikram 17 Bikra 06Yoga entschließt, muß also genügend Zeit einplanen. Sinn und Zweck des Bikram Yoga - übrigens nach dem Erfinder Bikram Choudhury benannt - ist es, den Muskeln und Sehnen genügend Zeit zum Aufwärmen zu geben und den Detoxprozeß des Körpers durch die erhöhte Schweißproduktion zu unterstützen. Bikram Yoga wird übrigens vor Spiegeln ausgeübt, um die eigene Körperhaltung besser kontrollieren zu können.

Mein Fazit: Für mich hervorragend geeignet. Ich liebe Wärme und Hitze, selbst beim Sport! Wem es ebenso geht, sollte Bikram Yoga oder Bigram Pilates und dergleichen unbedingt ausprobieren! Wichtig: Viel Wasser vorher, während und nach den Sessions trinken. Geraten wird zudem mindestens zwei Stunden nichts oder nur leichte Kost zu essen. Wer gesundheitliche Probleme hat, sollte die Sportart mit seinem Arzt oder seiner Ärztin besprechen. Gegen Winterkälte in Melboure hilft es auf alle Fälle.

Text: Claudia Löber-Raab,