Momente in Melbourne: Zweifel am Selbst? Das lohnt sich nicht!

Claudia Löber-Raab, Chefredakteurin von Deutsche in Melbourne

Wenn sie von herausragenden Leistungen anderer für Mitmenschen hört, verfällt Claudia Löber-Raab, Chefredakteurin von Deutsche in Melbourne, oft in tiefe Bewunderung, aber auch ab und an ins Zweifeln, ob sie selbst genug tut. Das muss aber nicht sein, hat sie für sich und alle, denen es genauso geht, beschlossen! 

Unbändiger Drang, anderen zu helfen

Kennen Sie das? Sie sehen Ted-Talks wie den von Shree Bose, die mit lediglich 15 Jahren Professoren anschreibt, mit der Bitte, sie in deren Laboren Krebsforschung betreiben zu lassen und dabei tatsächlich Erfolg hat. Warum? Weil sie nicht will, dass irgend jemand durch den selben Schmerz geht, durch den ihre Familie gegangen ist, als der Großvater den Kampf gegen Krebs verliert. Oder Sie lesen über Menschen, Claudia Löber-Raab, Chefredakteurin von Deutsche in Melbourne, macht sich Gedanken ums Helfendie Tausende von Leben gerettet haben wie etwa der Deutsche Rupert Neudeck und schütteln denjenigen sogar die Hand, die ihm ihr Leben verdanken, einzig weil Neudeck nicht tatenlos zusehen wollte, wie andere, noch dazu Tausende Kilometer von ihm entfernt, ihr Leben verlieren. Oder Sie werden einfach nur Zeuge - so wie ich am gestrigen Sonntag während eines Termins für Deutsche in Melbourne - wie alte, aber auch junge Menschen - aus tiefer Überzeugung das Vaterunser beten und dafür bitten, das andere bei schwiergen Aufgaben oder in Krisen beschützt und ihnen geholfen wird im felsenfesten Vertrauen darauf, dass ihr Beten hilft und erhört wird.

Wie auch immer es Ihnen gehen mag, ich bin in solchen Situationen absolut beeindruckt. Ich bewundere zutiefst, diese Menschen und ihren inneren Drang, ihren Drive, die Welt, das Leben ihrer Mitmenschen zu verbessern. Neben größtem Erstaunen über ihre Taten, bin ich ihnen aus vollstem Herzen dankbar dafür, dass sie dies für meine Mitmenschen und unbekannterweise auch für mich tun - käme ich jemals in die Lage, auf ihre Forschungsergebnisse oder ihre Hilfe angewiesen zu sein.

Fehlen von Kraft, Energie und Gottvertrauen

Nebelschwaden beim Sonnenaufgang über Melbourne

Und ich bin dankbar dafür, dass sie dies anstelle von mir tun. Denn - so sehr ich es mir auch wünsche - mir scheint, dass ich weder die Kraft, noch die Energie, die Zeit oder - in puncto Wissenschaft und Medizin - die Intelligenz für solche unglaublichen Dinge habe. Und was das Beten angeht, da fehlt mir schlichtweg das Gottvertrauen.

Tja! In solchen Momenten fühle ich mich schon manchmal ein wenig gelähmt, angesichts der Power, die manche haben, um Dinge zum Guten voran zu treiben. Mir kommen in solchen Momenten dann schnell Zweifel. Hmmm ... was mache ich eigentlich für andere?

Die Antwort kam mir heute morgen kurz nach meinem Morgenrun in Melbournes Norden. Zu einer Zeit, in der die Sonne über Nebelschwaden über weiten Tälern aufging, in denen Kängurus grasten. Die perfekte australische Morgenidylle. Fantastische Momente für Fotos, die innerhalb weniger Sekunden auf der Deutsche in Melbourne-Facebook Seite zu sehen waren, weil ich sie geeignet fand, sie mit meinen Lesern und Leserinnen zu teilen. Sicherlich keine weltbewegende Aktion, aber immerhin einfach wunderschön.

Reaktion spricht für sich

Die Reaktion: DiM-Leserin Gardy Churchner postet "Danke für die Fotos. So kann ich auch in Australien sein ... Liebe Grüße vom westlichsten oberen Zipfele des Bodensees." Lisa, Australierin mit Morgens in MelbourneWahlheimat in Linz, sendet per Messenger: "Felt home sick all day long although I do enjoy living in Austria. Thanks for posting your photos today and in the past. They make me feel closer to home and put a smile on my face each time I look at them. Keep up the good work. Love your articles too."

Ok! Die Chancen, dass ich jemals Heilmittel gegen Krankheiten wie Krebs finden werde, sind mehr als gering. Dass ich Tausende von Menschenleben rette ebenfalls (von den zwei oder drei mit meinen Blutspenden abgesehen). Aber ich kann bewiesenermassen als Journalistin, Artikel schreiben und Fotos veröffentlichen, die anderen Menschen das Leben erleichtern und sie bereichern. Ich kann tatsächlich Menschen dazu bringen, sich besser zu fühlen und kurz zu lächeln.

Australier Paul Kelly: From little things, big things grow

Das Gute an dieser Erkenntnis: Genau das kann jeder - ob Krankenpfleger, Rechtsanwältin, Teammitglied einer Putzkolone, Straßenarbeiter, Lehrer oder Bürokraft, Mutter, Vater, Sohn, Tochter. Ich, ebenso wie jeder andere, kann dafür sorgen, dass sich wenigstens ein einziger Mensch in dieser Woche besser fühlt - und wenn es nur für Sekunden ist. Bevor die hehren, großen Ziele einen überwältigen, steck ich mir lieber kleine und bin mit ihnen zufrieden. Wie heißt es bei dem Australier Paul Kelly so schön: "From little things, big things grow!"

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine angenehme Woche - hoffentlich ab und an mit einem Lächeln auf dem Gesicht beim Lesen von Deutsche in Melbourne

Ihre Claudia Löber-Raab