| St Kilda - ein Stadtteil mit vielen Vor(ur)teilen |
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| Geschrieben von: Dörte Horn | |||
St Kilda ist ein bisschen wie ein Bienenstock – nur in bunt. Wer Melbourne besucht, ohne St Kilda einen Besuch abzustatten, hat Melbourne nicht gesehen. So viel steht fest. Kaum ein Stadtteil in Melbourne ist allerdings so polarisierend und schillernd wie der Stadtteil, der sich rund um die Fitzroy Street, die Beaconsfield Parade und natürlich die Acland Street aufbaut. Es gibt tatsächlich Menschen in Melbourne, die hassen St Kilda. Zu schrill, zu laut, zu bohemisch, zu wild, zu anders vom Rest der Stadt. Doch zumindest waren sie schon mal da! Und man muss zugeben, wer den Strand meidet, Kuchengeschäfte verabscheut und ungern unter Menschen ist, der sollte die Acland Street an einem Sonntagvormittag tatsächlich besser vermeiden.
Dicht an dich drängen sich hier am Wochenende Nachtschwärmer, die nach einer durchtanzten Nacht mit der Tram Nummer 16 aus dem CBD angefahren kommen und bei aufgehender Sonne über der Bay ein letztes Konterbier öffnen um dann ganz beschwipst vor Glück ins heimische Bett zu torkeln; Freundinnen, die sich über einem Pancake Frühstück lauthals miteinander über ihr Mobiltelefon verständigen oder junge Väter, die die morgendlichen Sonnenstrahlen nutzen um mit ihrer federleichten Joggerkarre ihrem Junior den Morgen in einem der schönsten Stadtteile Melbournes zu zeigen. St Kilda ist eben voller Gegensätze. Schmuddelecken in denen ein Super Restaurant steht, laut krakeelende Teenager und das liebevolle Seniorenpaar, dass nicht weit von der Acland Street im ruhigeren, angrenzenden Elwood lebt und Samstag für den Esplanade Art &Craft Market in St Kilda extra früh aufsteht, sowie die angeblich besten Kuchenläden der Stadt und gleich nebenan einer der wohl schönsten Sportclubs, dem St Kilda Sea Bath. In St Kilda passt eben eigentlich nichts so richtig zueinander und dennoch, es sind die Gegensätze die es so einzigartig wuselig und unwiderstehlich macht. St Kilda war vor einigen Jahren auch tatsächlich das „Bäh-Viertel“ im sonst so schicken Melbourne. Drogenabhängige und Prostituierte hatten es sich seit Jahren in den schönen Edwardian und Victorian Häusern gemütlich gemacht und so mancher Melbourner traute sich des Nächtens wortwörtlich „ums Verrecken“ nicht in diese schäbige Ecke, wie zum Beispiel die Grey und die Carlisle Street. Auch heute findet man in St Kilda noch viel vom menschlichen Laster, und dennoch ist die Gegend sicher und verdient ihren schlechten Ruf heute kaum mehr. Ursprünglich war St Kilda, im Übrigen benannt nach einem Schiff ‚The Lady of St Kilda’ und nicht nach einem Heiligen, von den besser verdienenden Melbournians bewohnt, die an heißen Sommertagen, die erfischende Brise an der Port Phillip Bay genossen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der großen Depressionen, und schließlich dann nach dem Ersten Weltkrieg verlotterte der heute größte Stadtteil Melbournes mehr und mehr und Kriminalität, Drogen und Prostitution machten sich breit. Heute wiederum wird St Kilda, ebenso wie der Nachbarort Elwood zum elitären Wohngebiet, da die in die Höhe schießenden Mietpreise den Wohnungsmarkt für einfache Familien kaum noch zugänglich machen. Das Leben am Strand ist heutzutage schick. Und schick, das war schon immer so, ist teuer.
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