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Die vielen Einsendungen haben gezeigt: Deutsche in Melbourne kennen ihre Wahl-Heimat recht gut. Die meisten haben erkannt, dass auf dem Detail-Foto des dritten Teils in unserem Architektur-Quiz ein Stahlfachwerkträger der Dachkonstruktion der Southern Cross Station abgebildet ist.
Erfahren Sie, warum der wichtige Verkehrsknotenpunkt den unter Architekten begehrten Lubetkin-Preis erhielt, wie es dem Ingenieurteam gelang, mit dem wellenförmigen Dach ein ausgeklügeltes und umweltfreundliches Be- und Entlüftungssystem zu entwerfen und wie die Tragwerksplaner ein gewaltiges statisches System errechneten. Und nicht vergessen: Beim heutigen Architektur-Quiz miträtseln!
Spektakulär gewelltes Dach für Melbourne
Der für Melbourne so wichtige Verkehrsknotenpunkt wurde 1859 als Spencer Street eröffnet. Doch war die Architektur des damaligen zweckmäßigen Bahnhofs bei weitem nicht so spektakulär wie der neue Entwurf des Architekturbüros Grimshaw Architects, das die Spencer Street Station rechtzeitig zum Beginn der Commonwealth Games 2006 in die neue Southern Cross Station verwandelte. Die Architekten arbeiteten eng mit den Tragwerksplanern von Winward Structures zusammen, so dass das spektakulär gewellte Dach realisiert werden konnte und ein einzigartiges Tragwerk entstand.
Das trapezförmige, dünenartige Dachsystem überspannt die Fläche eines gesamten Stadtblocks, genauer gesagt 216 mal 180 Meter. Als Primärkonstruktion tragen dabei sechs bis 16 Meter hohe, hohle Y-förmige Stahlstützen die wellenförmigen Raumfachwerkträger mit einer Spannweite von 40 Metern.
Die Nacht lässt das Dach schweben

In der Dämmerung und in der Nacht strahlt der Bahnhof Southern Cross von innen heraus - hauptsächlich dank der teils offenen, teils verglasten Seitenflächen und den Eingangszonen. Die daraus resultierende, gerade in der Straßenansicht entstehende, große Tiefe entrückt das Dach und lässt es beinahe schweben. Dabei ist das Dach eine Konstruktion mit einer äußerst komplexen Geometrie, die keinerlei Symmetrien oder Wiederholungen aufweist.
Das trapezförmige Dach überspannt die Fläche eines gesamten Stadtblocks. Die dünenartige Dachform wurde mit Hilfe aerodynamischer Studien entwickelt, um den Raum durch natürliche Konvektion entlüften zu können. Durch die Strömungsverhältnisse unterhalb des gewölbten Dachs steigen die Abgase der australischen Dieselloks unmittelbar nach oben und entweichen durch Lüftungsöffnungen an den Hochpunkten. Oberhalb der Dachfläche entstehen Aufwinde, die den Abzug der Abluft garantieren.
Zeitdruck zahlte sich mit Lubetkin-Preis aus
Der Neubau des Bahnhofs begann im Oktober 2002 und 2006 wurde er fertig gestellt. Neben dem markanten Dach sah der Entwurf einen neuen Eingang und eine Halle an der Collins Street vor. Ein Busbahnhof, ein neuer Food-Court, eine Bar, Shops und ein separater Einkaufs-Komplex zwischen Bourke und La Trobe Street entstanden ebenfalls vor nur wenigen Jahren. Auf Grund des Umbaus wurde am 13. Dezember 2005 der Name Spencer Street in Southern Cross geändert. Im Juli 2004 machte der neue Bahnhof allerdings negative Schlagzeilen, da das Projekt im Zeitplan zurück gefallen war und das Budget empfindlich stark überschritten wurde.
Die Melbourner ärgerten sich, denn der Bahnhof hatte eigentlich rechtzeitig zu den Commonwealth Games 2006 fertig sein sollen. Da einige Entwurfselemente wie die Füßgängerbrücke, die die Lonsdale Street mit dem Dockland Stadion verbinden sollte, nicht realisiert wurden, konnte der Zeitplan letztlich doch eingehalten werden.
Der Bahnhof Southern Cross ist eine witterungsgeschützte fußläufige Verbindung zwischen Stadtzentrum und den Docklands. Die Station wurde für herausragende Gebäude außerhalb der Europäischen Union mit dem renommierten Lubetkin Preis des Royal Institute of Britisch Architects (RIBA) ausgezeichnet. |