| Lieblingsbilder in Melbourne: Marcs Hund verzaubert Senior Curator |
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| Geschrieben von: Claudia Raab |
| Freitag, den 23. Juli 2010 um 10:23 Uhr |
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Die Frage nach seinem Lieblingsbild unter den Gemälden der Ausstellung "European Masters 19th - 20th Century, Städel Museum", die derzeit die National Gallery of Victoria (NGV) zeigt, bringt Dr. Ted Gott, Senior Curator for International Art der NGV, ins Grübeln. "Everyday I have a different favourite painting", meint er dann verschmitzt und diplomatisch. An dem Tag, als die DiM-Redaktion ihn befragte, war es gerade Franz Marcs berühmter "Liegender Hund im Schnee", den der deutsche Künstler 1911 auf seiner Leinwand für die Ewigkeit festhielt. Lesen Sie diese Woche in unserer Reihe "Lieblingsbilder", was Ted Gott an dem Gemälde fasziniert und welche Geschichte es zu erzählen hat. Die Schönheit des Werks kann kein Katalog zeigen
Natürlich kannte Ted Gott das Gemälde von "Russi", Franz Marcs sibirischen Schäferhund, lange bevor es seinen Weg in Doch als er dann im vergangen Jahr nach Frankfurt am Main reiste, um dort mit Dr. Felix Kramer vom Städel Museum letzte Details der "Winter Masterpieces"-Ausstellung 2010 für Melbourne zu klären, verschlug es ihm doch die Sprache, als er Marcs Werk erstmalig persönlich gegenüber stand. "It blew me away", erinnert sich Ted Gott und nennt als Gründe die Klarheit, die Reinheit, die Schönheit, die Harmonie des Werkes. Fotonachweis: Franz Marc, Liegender Hund im Schnee, Oil on canvas, 62.5 x 105 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Property of the Städelscher Museums-Verein e.V., acquired in 1919 Wichtigster Vertreter des Expressionismus
Franz Marc gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus. Er ist besonders durch seine Gemälde von Pferden, Füchsen, Rehen und Katzen bekannt, aber auch als Mitbegründer der Künstlervereinigung "Blauer Reiter" gemeinsam mit Wassily Kandinsky. Tiere haben Marc als Motiv immer mehr interessiert als Menschen - Tiere als Sinnbild einer ursprünglichen Einheit von Natur und Lebewesen. Beim Malen seines Schäferhundes im Schnee stellte Marc aber auch komplizierte Farbüberlegungen an, wie in einem Brief an seinen Freund August Macke überliefert ist. Geboren wurde Franz Marc 1880 in München. Sein Vater war der Kunstmaler und -professor Wilhelm Marc. Seine Mutter Sophie kam aus dem Elsaß und arbeitete als Erzieherin. Trug er sich zunächst mit dem Gedanken, Theologie zu studieren, so ließ er diesen jedoch fallen und widmete sich dem Philosophie-Studium und dann der Kunst.
Erster Weltkrieg setzte dem Schaffen ein EndeGleich nach Beginn des Ersten Weltkriegs erhielt Franz Marc seinen Einberufungsbefehl. Er hatte sich als Freiwilliger gemeldet, was er jedoch schnell bereute. In Briefen an seine Frau schrieb er beispielsweise davon, wie er sich eher als Europäer denn als Deutscher fühle. 1916 nahm man ihn auf in die Liste der bedeutendsten Künstler Deutschlands und stellte ihn frei vom Wehrdienst. Das Schicksal jedoch wollte es anders: An seinem letzten Einsatztag trafen zwei Granatsplitter den jungen Künstler, der sich auf einem Erkundungsgang in der Nähe von Verdun befand. Marc starb im Alter von nur 36 Jahren. Das Städel Museum erwarb "Liegender Hund im Schnee" von Marcs Witwe Anna. Nähere Informationen zur Ausstellung "Winter Masterpieces" gibt es auf der Webseite der NGV. |






die Ausstellungsräume der NGV an der St. Kilda Road fand. Unzählige Male hatte der Melbourner Kunsthistoriker es in Kunstbüchern und Kunstkatalogen angeschaut und bewundert.
In "Liegender Hund im Schnee" sind Formen zu erkennen, die an den Kubismus erinnern, eine Stilrichtung, die Marc nicht zuletzt durch seine Bekanntschaft mit dem Maler Robert Delaunay zeitweise stark beeinflusste und sicherlich zur Klarheit des momentanen Lieblingswerks Ted Gotts beitrug. Oft wird von Marc gesagt, er zeige nicht die Welt, wie sie ist, doch wie er sie gefühlt habe. Das trifft besonders auf seine späte Schaffensphase zu, in der seine Malerei unter dem Einfluss des Krieges schärfer und kantiger wurde.
1937 klassifizierten es die Nationalsozialisten als "Entartete Kunst" und ließen es wie viele andere unerwünschte Werke über die schweizerische Galerie Fischer in die USA verkaufen. 1961 gelang es dem Städel Museum, das Gemälde zurück zu erwerben. In einer Besucherumfrage 2008 kürten die Befragten es zum beliebtesten Werk, das das Städel Museum zeigt. Ted Gott hätte ihnen sicherlich recht gegeben, voraus gesetzt man hätte ihn am richtigen Tag gefragt.