| Lieblingsbilder in Melbourne: Der Maler der Köpfe - Alexej Jawlensky |
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| Geschrieben von: Katja Niedzwezky |
| Montag, den 26. Juli 2010 um 00:00 Uhr |
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In der Reihe "Lieblingsbilder", in der die DiM-Redaktion jede Woche ein Werk der "European Masters - Städel Museum, 19th–20th Century" vorstellt, geht es heute um einen aus Russland stammenden Maler, den Köpfe ein Leben lang faszinierten und der - von Krankheit gezeichnet - im Alter seine Maltechnik neu erfinden musste. Alexej Jawlensky malte seine "Symphonie in Rosa" 1929 als Teil seiner Serie der "Konstruktiven Köpfe". Er war dabei auf der Suche nach dem "Urbild" des Antlitzes; das menschliche Gesicht war sein Generalthema. Dabei hatten ihn russische Ikonen genauso beeinflusst wie Mosaiken in Rom und Ravenna und japanische Holzschnitte. Die Kopf-Variante in der NGV in Melbourne ist gar nicht so rosa, wie es der Titel nahelegt, sondern enthält auch große Flächen in Hellblau, Orange, Weiß und Grau, dazu schwarze Linien. Typisch für Jawlenskys Köpfe ist die strenge Form ohne individuelle Züge. "Man ahnt ein verschmitztes Lächeln, aber vielleicht sind es einfach die Farben und die Komposition, die gute Laune vermitteln", versucht DiM-Redakteurin Katja Niedzwezky eine Erklärung, was das Bild spontan zu ihrem Lieblingsbild machte. Reiche Künstlerin fördert mittellosen Maler
Der Maler als Person wurde ihr nach einer kurzen Recherche jedenfalls herzlich unsympathisch, denn offensichtlich hat er Doch zurück in der Geschichte: 1896, im Alter von 31 und 36 Jahren, zogen Alexej und Marianne von Moskau nach München. Im Schlepptau hatten sie die junge Helene Nesnakomoff - gleichzeitig die Geliebte Jawlenskys und das Dienstmädchen der Werefkin. Sie gebar 1902 Jawlensky erstes und einziges Kind, war von ihm aber schon Jahre vorher "verführt" worden. Die Gelehrten streiten bis heute, ob Helene damals 9, 11 oder 13 Jahre alt war, denn das Geburtsdatum konnte nie geklärt werden - vielleicht aus gutem Grund. Seelische Dürre in der Dreiecksbeziehung
Über viele Jahre lebten Marianne, Helene und Alexej in einer Dreiecksbeziehung, unter der Marianne sehr litt. Sie fühlte schließlich nur noch "seelische und geistige Dürre" in sich und bezeichnete sich als "beruhigender Hintergrund, Hindernisse entfernend". Werefkin wird als bedeutende Künstlerin und Wegbereiterin der Moderne erst heute wieder entdeckt. In Jawlenskys Werk waren Portraits immer zentral, doch 1917 malt er den ersten seiner stilisierten Köpfe mit dem Titel „Urform". Er kommentierte damals: „Sagen Sie jedem, dass das kein Gesicht ist. Es ist das nach unten sich Abschließende, das nach Oben sich Öffnende, das in der Mitte sich Begegnende." Wie Marc, Klee, Schlemmer und andere Künstler war er der Überzeugung, dass allen Dingen "eine metaphysische Sphäre unsichtbarer Urformen" zugrunde liegt. Der Wiesbadener Künstler Alo Altripp nannte Jawlensky auch den „Ikonenmaler des 20. Jahrhunderts“. Arthritis lähmt die Malerhand, aber nicht den Maler
Jawlensky nahm schließlich die linke Hand zur Hilfe und schuf weitere Köpfe, Hunderte Köpfe, insgesamt 700. In seinen Lebenserinnerungen heißt es: " ...und ich leide an schrecklichen Schmerzen. Da ich durch meine Steifheit in den Ellenbogen und Händen sehr behindert wurde, musste ich mir eine neue Technik suchen. Meine letzte Periode hat ganz kleine Formate, aber die Bilder sind noch tiefer und geistiger, nur mit der Farbe gesprochen." Nazis beschlagnahmten auch Jawlensky Werke
1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, durfte auch Jawlensky seine Gemälde nicht mehr ausstellen. Die Nazis beschlagnahmten in deutschen Museen 72 seiner Werke. Drei davon wurden 1937 in der berüchtigten Ausstellung "Entartete Kunst" in München gezeigt, die Jawlensky sogar noch besuchte. Seine Gemälde waren zuletzt immer dunkler, dennoch wirken sie lichtdurchlässig. Seit 1937 brauchte Jawlensky einen Rollstuhl, um sich fortzubewegen, ab 1938 war er ans Bett gefesselt. Er starb 1941 im Alter von 76 Jahren in Wiesbaden. Die NGV-Winterausstellung läuft noch bis Sonntag, 10. Oktober 2010, in der National Gallery of Victoria. Nähere Informationen: www.ngv.vic.gov.au |





In der Winterausstellung "European Masters" in der NGV Melbourne begegnet man bekannten Größen der Kunstgeschichte im Minutentakt: van Gogh, Picasso, Monet, Klee... Alexej Jawlensky war zumindest DiM-Redakteurin Katja Niedzwezky kein Begriff, bevor sie zwischen Gemälden der Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff, Franz Marc und Ludwig Kirchner sein Bild "Symphonie in Rosa" entdeckte.
seine Bewunderin und Förderin Marianne von Werefkin nach Strich und Faden ausgenutzt. Die fünf Jahre ältere vermögende Baronin und Künstlerin galt als "russischer Rembrandt", unterbrach ihre eigene Karriere jedoch zehn Jahre lang, um den begabten, aber mittellosen Offizier Jawlensky als Künstler zu fördern. Als der Maler ihr Geld und ihre Unterstützung nach 27 Jahren nicht mehr brauchte, ließ er sie fallen.
Seit 1921 lebte Jawlensky in Wiesbaden und heiratete seine frühe Geliebte Helene. Einen Ruf ans Bauhaus nach Weimar, wo inzwischen Kandinsky und Klee Lehrer geworden waren, lehnte er mit der Begründung ab, Kunst sei nicht lehrbar. Ab1927 zwangen ihn Lähmungserscheinungen und Schmerzen zu Kur- und Klinikaufenthalten, und seine rechte Hand war infolge der schweren Arthritis ab 1934 fast kraftlos. Jawlensky gab jedoch nicht auf, sondern verzichtete zunächst auf Rundungen, denn er konnte im Wesentlichen nur noch mit horizontalen, vertikalen und schrägen Pinselzügen arbeiten. Das Kinn seiner Köpfe wird in dieser Phase vom unteren Bildrand angeschnitten.