| DiM-Buchtipp: 11. September 2001 - Mystery-Flashback mit australischem Twist |
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| Geschrieben von: Claudia Raab |
| Mittwoch, den 04. Mai 2011 um 09:58 Uhr |
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Um "9/11" - wie der Tag oft genannt wird - dreht sich auch der vielgepriesene erste Roman der Australierin Kirsten Tranter, mit dem wir unsere DiM-Buchtipp-Serie auf Wunsch von DiM-Usern starten. Übrigens, wenn Sie ein Buch besprechen möchten oder einen Buch-Tipp haben - sehr gern! Wie´s geht, verraten wir Ihnen hier! The Legacy - hoch gelobt und nominiert für AuszeichnungenThe Australian Book Review, das älteste und anerkannteste Magazin des Landes für Beurteilungen von australischen Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, hat Kirsten Tranters ersten Roman "The Legacy" als eines der besten Bücher 2010 bezeichnet. "Deeply satisfying", "original and intelligent" schwärmen Buchkritiker und -händler von Melbourne bis Darwin und erst vor wenigen Tagen hat das Werk eine Nominierung erhalten für die prestigeträchtige ALS Goldmedaille der Association for the Study of Australian Literature. Damit nicht genug: Kirsten Tranter selbst ist gerade von dem erfolgreichen Frauenmagazin Cosmopolitan auf die Liste der Kandidatinnen für die Favourite, Fun, Fearless Women Awards in der Kategorie "Autorinnen" platziert worden. Lob in höchsten Tönen also für die Tochter des erfolgreichen australischen Dichters John Tranter und der ebenso anerkannten Literatur-Agentin Lyn Tranter und - glaubt man Gerüchten - ebenso eine ansehnliche, sechsstellige Zahl als Vorschuß-Honorar für Tranters nächsten Roman Common Loss, der noch in diesem Jahr erscheinen soll von dem Verlag Harper Collins. Von Sydney nach New YorkDas macht Lust auf das rund 440 Seiten starke Lese-Exemplar, das eingehüllt ist in ein graphisch auffallendes Cover. Zwischen Titel und Autorinnenname in klaren, modernen Fonts, läßt es den Blick zu - gleich einem Fenster- oder Bilder-Rahmen - auf das Portrait einer Frau, die versunken ihr Haar berührt - sich vom Leser abwendend, im Geheimnisvollen bleibend. Und damit sind schon gleich Thema, Referenzen und Querverweise des Romans angesprochen, die sich durch knapp 440 Seiten ziehen werden: Kirsten Tranter versetzt ihre Leser und Leserinnen in der Tat in die Welt der Kunst, vorwiegend bestehend aus Gemälden. Doch auch Skulpturen, Filmszenen und Musik sind integriert, in die Handlung, in der es gilt, wie durch ein Fenster Einblick zu bekommen, in das Leben einer Frau, die sich in Geheimnisse verstrickt. Portrait of a Lady - Anspielungen auf Henry James unverkennbarDie ebenso intelligente wie schöne Ingrid, die aus dem ländlichen Australien nach Sydney zieht, erbt von ihrem Onkel ein Vermögen. Auf ihrer Reise nach Europa und die USA lernt sie den erfolgreichen, hoch gebildeten New Yorker Kunsthändler Gil Grey kennen. Es folgen Heirat und Umzug in die amerikanische Metropole. Ingrid läßt ihren Cousin und Kommilitonen Ralph mit gebrochenem Herzen zurück, ebenso Julia, die mit den beiden eine enge Freundschaft verbindet. Mit der räumlichen Entfernung wächst die emotionale Distanz des Trios. Doch als ihn die Nachricht von Ingrids Verschwinden in New York Downtown am 11. September 2001 erreicht, fleht der rastlose, sterbenskranke Ralph Julia an, für ihn nach New York zu fliegen, um Ingrids letzten Momenten nachzuspüren. Widerwillig taucht Julia tiefer und tiefer in Ingrids vermeintlich glückliches Leben als erfolgreiche, vielversprechende Studentin antiker Schriftrollen an der Columbia University und engagierter Ehefrau und Stiefmutter von Gils kunstbegabter Teenage-Tochter Fleur ein. Welche Informationen sie auch immer zu Tage fördert, lassen das Geheimnis um Ingrids Verschwinden noch undurchsichtiger werden. Schritt für Schritt legt Julia, die zugleich als Erzählerin in "The Legacy" fungiert, Ingrids Leben bloß, als beherrscht von Angst vor einem gewalttätigen Ehemann und der Furcht, das Scheitern ihrer Ehe öffentlich kund zu tun, was sie irrationalerweise als eigenes Versagen ansieht. Parallelen zu Henry James Roman "Portrait of a lady", in dem es zwei Amerikaner auf das Geld einer jungen, reichen Erbin abgesehen haben, sind nicht nur offensichtlich, sondern auch gewollt. Die Krux: Gähnende Langweile, zu späte SpannungSowohl New York als auch das akademische Leben sind der Sydneysiderin Tranter gut bekannt. 1998 bis 2006 hat sie in New York gelebt und dort ihre Doktorarbeit über englische Literatur der Renaissance geschrieben. Die Verwirrungen des September Attentats hat sie hautnah miterlebt und es gelingt ihr, die schrecklichen Auswirkung des unfassbaren Geschehens, das die Leben der Menschen in New York kaum atmen lässt, aufleben und vom Leser zumindest fragmenthaft nachvoll ziehen zu lassen. Auch kann Tranter geschickt, mit Hilfe von Detailwissen und raffinierten Zeitsprüngen Leser auf eine Reise durch sechs Jahre, mehrfach hin- und zurück in zwei Städte auf zwei Kontinenten schicken. Eintauchen muß er dabei, ob er will oder nicht, in ein Studentenleben, das vorwiegend auch Alkohol, Drogen und Nebenjobs, die das Überleben garantieren, zu bestehen scheint, und in die Lebensgeschichte der Hauptdarsteller. Und genau hier liegt die Krux des Romans, der so viel verspricht: Bevor sich Spannung aufbaut, hat man sich mindestens durch zwei Drittel des Romans gekämpft, samt Julias verwirrend ziellosem von unerfüllter Liebe zu Ralph und zwiespältiger Beziehung zu Ingrid geprägtes Leben. Der Schluß ist unerwartet, doch erwünscht. Fazit: "A deeply satisfying read from start to finish" wie angekündigt auf dem Cover? Wohl kaum. Ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann? Vielleicht, allerdings nur, weil man endlich auf die spannenden Stellen stoßen möchte. Ein Zeitzeugnis? Hier gibt es ein klares Ja. Seit dem Attentat ist ein Jahrzehnt vergangen. Tranter versteht es, die Zeit zurück zu drehen. So als wäre es erst gestern geschehen. The Legacy - Kirsten Tranter, Forth Estate, erschienen 2010, $ 32.99 Wenn Sie eine Buchkritik für Deutsche in Melbourne schreiben möchten oder einen Buchtipp haben, dann schicken Sie eine Email an
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Mit dem Ende Osama bin Ladens, des meist gesuchten Terroristen der Welt, rückt der 11. September 2001 mit seinen verheerenden Attentaten auf das Pentagon in Washington und die Twin Towers in New York mehr denn je in den Blickpunkt. Mehr als 2700 Opfer zählte allein die Stadt New York - Leben, ausgelöscht in den Trümmern oder im Chaos verschwunden.