|
Die Westküste Australiens bietet abgelegene Strände, glasklares Wasser und traumhafte Blicke auf türkisfarbenes Meer. Im Norden Australiens lauern "Jumping Crocodiles". Die bis zu sechs Meter langen Tiere schnellen pfeilartig aus dem Wasser in die Luft. Zehnttausende Kilometer weiter südlich imponiert das Farbenspiel des Abendrots, das den berühmten berühmten Felsen Uluru scheinbar zum Glühen bringt.
Begleiten Sie Jessica Meiner im zweiten Teil ihres Reiseberichts, der sie von der Westküste 23.362 Kilometer quer durchs Land führt. Erfahren Sie, wo Australiens "Garden of Eden" liegt und welcher als weltweit bester Ort gilt, um die berühmten, aber sehr scheuen Schnabeltiere zu sehen...
Regenzeit im Norden - hohe Luftfeuchtigkeit lässt jede Nacht zur Qual werden
"C’ya west coast", sagen Daniel und ich nach drei Wochen an der Küste von Western Australia. Weitere Highlights in Down Under warten. Die Fahrt führt zwischen den Gebirgszügen der Kimberley und der Pilbara-Berge im Norden hindurch. Landschaftlich beeindrucken die Gebiete durch ihre kupferroten Gesteine, die im Kontrast zum Grün der Pflanzen kräftig leuchten. Gewaltige Termitenhügel übersäen die Wiesen und bilden kunstvoll abstrakte Figuren. Es ist Regenzeit. Die Luftfeuchtigkeit ist für uns ungewohnt hoch. Über Nacht kühlt sich das Auto nicht ab, es bleibt bullenheiß. Trotz Müdigkeit bekommen wir kaum ein Auge zu. Jede einzelne Nacht ist eine Qual. Fenster und Türen können wir nicht öffnen. Blutdurstige Moskitos warten darauf, den Körper zu zerstechen. Je weiter wir ins Landesinnere fahren, desto unerträglicher und nervenaufreibender wird es. Die kühle Seeluft fehlt uns sehr. Wir spielen mit dem Gedanken, alle Sehenswürdigkeiten hinter uns zu lassen und auf schnellstem Weg an die Ostküste zu gelangen, um dem humiden Klima zu entfliehen. Doch wir bleiben.
Viele Nationalparks sind geschlossen während der "wet season", da die unbefestigten Straßen nicht zu befahren sind. Die Regenzeit hält kaum Gutes für uns bereit. Oder doch? Zumindest erleben wir gewaltige Naturschauspiele. Vor uns dunkelgraue Gewitterwolken, die sich entladen. Wie riesige Vorhänge erscheinen uns die weit entfernten Regenfälle. Im Rückspiegel strahlt uns dagegen ein wolkenloser Himmel in seinem schönsten Blauton entgegen.
"Jumping Crocodiles" - Sechs Meter lange Salzwasserkorokodile kommen gefährlich nah
Eine Woche, nachdem wir in Exmouth aufgebrochen sind, erreichen wir das 3.200 Kilometer entfernte Darwin, genauer gesagt den Adelaide River. Der zeigt uns einen weiteren Vorteil der Regenzeit: Nur vereinzelte Touristen wagen sich in den Norden, wenige Besucher hat die Attraktion der "Jumping Crocodiles". Entsprechend klein ist das Boot, mit dem wir auf den Fluss hinausfahren, um wilde Salzwasserkrokodile in die Luft springen zu sehen. Tourguide Adam präsentiert ihnen ein Stück Fleisch als Beute. Schnell wie eine Rakete schießen die aggressiven, bis zu sechs Meter langen Tiere neben uns aus dem Wasser, um ihre Mahlzeit zu schnappen - weniger als einen Meter von mir entfernt. Ich habe das Gefühl, mit ihrer Kraft könnten die Krokodile das Boot zum Kentern bringen. Das Herz rutscht mir in die Hose, es ist wortwörtlich atemberaubend.
Dann geht es vom "Top End", wie die Region um Darwin auch genannt wird, ins 2.000 Kilometer südlich gelegene Yulara, dem Ayers Rock Resort im "Red Centre". Die typisch rote Kulisse aus rotem Staub, die dem Zentrum des Landes seinen Beinamen gibt, ist überdeckt von saftigem Grün. Die Regenfälle in Australien sind auch hier nicht spurlos vorbei gegangen und haben "The Red Centre" in eine pflanzenreiche Oase verwandelt.
Vorbei an wilden grasenden Kamelen nähern wir uns langsam dem Uluru. Dieser Felsen wirkt mitten in der flachen Landschaft wie gerade auf die Erde geplumpst. "Ein immens großer Pappaufsteller", denke ich, als wir im Nationalpark langsam auf das berühmte Wahrzeichen Australiens zufahren. Geduldig warten Daniel und ich auf den Sonnenuntergang und das Farbenspiel des Abendrots, das den Uluru scheinbar zum Glühen bringt. Absolute Stille, bis auf die lästigen Fliegen, die sich an Augen, Nase, Mund, Arme und Beine setzen.
Australien hat seinen eigenen Grand Canyon
Ganz in der Nähe, zumindest nach australischen Maßstäben, liegt der weniger bekannte, doch mindestens genauso faszinierende Kings Canyon, gern auch als der Grand Canyon Australiens bezeichnet. Der rund sechs Kilometer lange "Kings Canyon Rim Walk" dauert etwa vier Stunden. Der Track beginnt mit einer sehr steilen Passage, die auc h "Heart Attack Hill" genannt wird. An der Spitze angekommen, entschädigt ein majestätischer Blick über die Schluchten und weite Landschaft. Das Standgestein ist stark zerklüftet, durch Sonne, Wind und Regen abgetragen. Die Felswände fallen durch Felsabstürze zum Teil senkrecht nach unten ab.
Es geht durch enge Spalten hindurch, steile Klippen hinauf und vorbei an kupferfarbenen Felsvorsprüngen. Dabei bringt uns die Morgensonne kräftig ins Schwitzen. Praktisch, dass auf der Hälfte der Strecke der „Garden of Eden“ wie eine grüne Wüsteninsel in der gelbroten Gesteinslandschaft liegt. Ein Wasserfall plätschert in den kleinen See, der umringt ist von zehn Meter hohen Felswänden und zum kühlen Badespaß lädt.
Der weltweit beste Ort, um Schnabeltiere zu sehen: Eugnella National Park
Anschließend geht es fast 1.000 Kilometer zurück Richtung Norden. Wir wollen einmal um ganz Australien fahren, also bleibt uns nichts anderes übrig. Erst in Tennant Creek führt wieder eine befestigte Straße an die Ostküste. Als wir in Townsville ankommen, fühlen wir uns fremd. Trubel, mehrspurige Straßen, Hektik, die schon in den Suburbs zehn Kilometer vor der eigentlichen Stadt anfängt – all das haben wir seit über einem Monat nicht mehr erlebt, zuletzt in Perth. Selbst Darwin oder Alice Springs erschienen beschaulicher.
Ob Schnorcheltrip am Great Barrier Reef oder Tagesausflug zum Whithaven Beach, der als weißester Strand der Welt gilt: Die berühmten Sehenswürdigkeiten lassen wir uns nicht entgehen. Beindruckend ist der Eugnella National Park westlich der Küstenstadt Mackay. Ausgeprägt tropische Regenwälder in kräftigen Grüntönen bieten Heimat für über 860 Pflanzenarten. Wanderwege ziehen sich durch die verwachsenen Wälder, umgeben vom Plätschern kleiner Bäche und dem Rauschen von Wasserfällen. Der Ort gilt als bester Platz in Australien, um in freier Wildbahn Schnabeltiere regelmäßig aus der Nähe zu sehen. Auf der Aussichtsplattform stehend, warten wir mucksmäuschenstill und geduldig auf das erste Tier. Glück gehabt - nach nur fünf Minuten sehen wir eines der scheuen Wesen, wie es munter durch das Wasser taucht.
Fazit: Nicht in 80 Tagen um die Welt, aber in 87 Tagen um Australien heißt es für uns, als wir wieder zurück in Melbourne sind. Exakt 23.362 Kilometer sind wir in den knapp drei Monaten gefahren, haben über 2.600 Dollar für Benzin ausgegeben. Wie alle schönen Dinge ging auch diese Reise zu schnell vorbei. Ob drei Monate zu wenig waren? Wir hatten nie das Gefühl zu hetzen. An dem ein oder anderen Ort könnte man länger bleiben. Sicher haben wir auch wenig Zeit im Norden gebraucht, da es weniger anzuschauen gab. Dennoch ist das Projekt "Einmal um Australien" in drei Monaten gut zu schaffen, wenn die Straßen während der Regenzeit nicht gerade wegen Überflutung wochenlang gesperrt sind....
Lesen Sie auch den ersten Teil des Reiseberichts und lernen die Naturwunder entlang der Westküste kennen: Reisetipp: Crossing the Nullarbor - Mit dem Auto einmal um Australien
Kontakt:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
|