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Riesige dunkelblaue Wellen ragen an manchen Tagen auf über steilen rotgelben Klippen. Malerische Strände, verschlafene Küstenorte und atemberaubende Felsformationen säumen die Great Ocean Road. Im südwestlichen Victoria zieht sich Australiens schönste Küstenstraße in Schlangenlinien von Torquay nach Warrnambool und verzaubert Touristen und Einheimische.
Lea Borgmann hat im Frühjahr 2010 die ganze Tour in drei Tagen erlebt. Lesen Sie, welche Orte sie besonders empfehlenswert fand und an welchen Stellen man mit großer Wahrscheinlichkeit Kängurus und Koalas in freier Wildbahn beobachten kann. Auch für die Rückfahrt durch das "hinterland" gibt es noch eine besondere Empfehlung.
Von Surferparadies Torquay bis nach Apollo Bay
Eine Entdeckungsreise auf der Great Ocean Road sollten sich Deutsche in Melbourne und Besucher des Bundesstaats Victorias nicht entgehen lassen: Von Melbourne aus über den Freeway Richtung Geelong und dann weiter nach Torquay benötigt man gerade einmal eine gute Stunde, um an den Startpunkt der beeindruckenden Route zu gelangen. Sie beginnt im Surfer-Paradies Torquay mit seichten Buchten, die jedoch nicht nur feinem Sandstrand bieten, sondern auch von scharfen Felsen gesäumt sind. Der unter Surfern berühmte Bells Beach ist Schauplatz für den ältesten jährlich stattfindenden Surfcontest der Welt: Rip Curl Pro.
Schon der nächste Ort bietet eine Attraktion abseits des Meeres: In Anglesea befindet sich der Anglesea Golf Course, auf dem sich Kängurus sehr wohl zu fühlen scheinen. Besonders gegen Morgen und am Abend finden sich die Tiere in großen Herden ein und machen den Golfplatz zum Besuchermagneten.
Die Great Ocean Road führt anschließend durch den Küstenort Lorne, in dem sich eine Pause am Strand lohnt. Das touristische Dörfchen hat viele Cafés und Bars an der schön geschwungenen Promenade zu bieten. Hotels, Campingplätze und Hostels laden zum Verweilen ein und trumpfen oft mit Zimmern auf, die einen weiten Blick auf den wilden Ozean erlauben. Die Great Ocean Road führt von Lorne weiter nach Apollo Bay - eine weitere Möglichkeit zum Übernachten. Hier stehen verschiedene Campingplätze und eine große Auswahl an Hotels zur Verfügung. Im Ort steht außerdem eines der schönsten Hostels Australiens mit direktem Blick auf die Bucht von fast allen Zimmern.
Koala-Garantie auf dem Weg zum Leuchtturm Cape Otway

Frühaufsteher sollten sich den Sonnenaufgang über Apollo Bay nicht entgehen lassen und danach die Reise gen Warrnambool durch den Otway Ranges National Park antreten. Die Great Ocean Road führt hier etwas abseits der Küste durch dichte und vom Morgennebel dampfende Eukalyptuswälder.
Koala-Garantie hat man auf einem kleinen Umweg: Von der Great Ocean Road geht eine Stichstraße Richtung Cape Otway ab. Hier trauen sich die possierlichen Tiere nah an den Fahrweg heran und können oft schon aus dem Auto erspäht werden. Am Ende dieser Strecke wartet der Cape Otway Leuchtturm mit einem spektakulären Ausblick auf die Küste und die Bass Strait, die Meeresstraße zwischen Victoria und Tasmanien. Cape Otway ist übrigens der älteste erhaltene Leuchtturm auf dem australischen Festland. In den (nicht ganz billigen) Eintrittspreis ist eine Führung eingeschlossen.
Wie auf der Postkarte: die Zwölf Apostel
Nach der Etappe durch den Nationalpark führt die Straße wieder ans Meer zurück. Der erste Stopp ist das größte Highlight: Die Zwölf Apostel. Nachdem einer der Sandstein-Türme im Wasser vor einigen Jahren zusammen gebrochen ist, können heute von Aussichtplattformen aus die verbleibenden Felsen betrachtet werden. Nicht nur bei gutem Wetter oder im Morgen- und Abendlicht sind diese Felsen einen Besuch wert. Sogar bei Regen fand Lea Borgmann die Apostel beeindruckend, "da der aufsteigende Nebel sie in ein besonders mysteriöses Licht rückt".
Nur zwei Kilometer weiter gibt es wieder Grund zum Anhalten, um die beeindruckende Loch Ard Gorge mit dem Thunder Cave und dem Razorback zu betrachten. Beide Felsformationen lassen den wilden Ozean auf beeindruckende Weise durch enge Löcher brausen und so bedrohlich donnernde Geräusche entstehen.
Port Campbell bietet kurz danach eine gute Gelegenheit, vor dem letzten Teil der Reise eine Pause zur Stärkung einzulegen. Fischrestaurants und gemütliche Cafés mit Blick auf die Bucht des Ortes laden zum Verweilen ein. Eine beschauliche, etwas verschlafene kleine Stadt, aber doch einen eigenen Charme versprüht.
Das Ende der Great Ocean Road: Warrnambool und Port Fairy
Auf der letzten Etappe können Besucher drei weitere sehenswerte Felsgebilde besichtigen: The Arch - ein vom Wasser ausgehöhlter Bogen, durch den die Wellen majestätisch und mit unheimlicher Stärke hindurchgedrückt werden, das Wasserbecken The Grotto, in dem sich kristallklares Meerwasser sammelt und die London Bridge. Letztere ist heute leider keine Brücke mehr. Sie ist 2006 zusammengebrochen, während Menschen auf der Seeseite standen, die dann später mit einem Helikopter gerettet werden mussten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.
Der Weg führt weiter vorbei an der Bay of Islands nach Warrnambool. Hier führt die Great Ocean Road erneut weg von der Küste und hinein in die Industriestadt im westlichen Victoria. Warrnambool hat wenig Charme, kann jedoch mit Logans Beach und den häufig zu sichtenden Walen überzeugen. Ein kurzer Abstecher an den Strand ist lohnenswert - der Rest des Städtchens ist kein Muss auf einem Kurztrip entlang der Great Ocean Road.
Zum Übernachten empfiehlt sich der 20 Kilometer entfernte Küstenort Port Fairy. Ein romantischer Hafen, felsige Küstestreifen, an denen Surfer ihr Können zeigen und verträumte Hotels mit Cafés ermöglichen einen schönen Abschluss der Tour an der Great Ocean Road.
Lohnende Alternativroute für den Rückweg nach Melbourne
Wer mehr von Victoria sehen will, kann auf dem Rückweg nach Melbourne eine andere Route wählen als die Great Ocean Road. Entlang des Highways A1 liegen ländliche Gegenden mit charmanten Ortschaften. Am Wegesrand werden frische Milch- und Käseprodukte angeboten - kein Wunder bei der großen Anzahl der Kühe auf den Weiden. Manchmal weisen auch Pappschilder auf einen Hofverkauf hin. Ein Stopp in Camperdown oder Colac eignet sich für eine Rast zum Lunch. Für Touristen mit mehr Zeit lohnt sich der Umweg über die Grampians. Dort kann der Besucher noch einmal in eine ganz andere und nicht weniger faszinierende Landschaft eintauchen, wie DiM-Redakteurin Meike Früchtl zu berichten weiß.

DiM-Fazit: Die Great Ocean Road lohnt sich zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Obwohl die knapp 300 Kilometer auch an einem Tag zu bewältigen wären, sollte man unbedingt etwas mehr Zeit einplanen, um auch abseits der großen Attraktionen anhalten und das Auto verlassen zu können. Die nicht ausgeschilderten Buchten bieten oft eine ähnlich hinreißende Kulisse wie die mit "scenic view" hervorgehobenen Aussichtsstellen. Viele Küstenorte und Foodstores unterwegs lassen die Tour auch zu einer kulinarischen Entdeckungsreise werden.
Lea Borgmann empfiehlt dazu Gregory's Great Ocean Road Touring Map, in der alle großen und kleinen Sehenswürdigkeiten und Straßen eingezeichnet und mit nützlichen Informationen versehen sind. |