| NGV-Ausstellung: Deutsche Meisterwerke zu Gast in Melbourne |
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| Geschrieben von: Claudia Raab |
| Samstag, den 19. Juni 2010 um 05:46 Uhr |
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In der NGV sind jetzt Gemälde zu sehen, die zu Frankfurt gehören wie die Zeil, zu Deutschland wie Berlin, zu Frankreich wie Paris und oft nie zuvor das renommierte Städel Museum in Frankfurt am Main verlassen haben. Das DiM-Team schaute sich vorab um und sprach mit einem sehr glücklichen NGV Senior Curator International Art, Dr. Ted Gott, und einem sehr zufriedenen Dr. Felix Krämer vom Städel.
Mit riesigen Kameras und dicken Mikrofonen durch die AusstellungDr. Ted Gott, Senior Curator of International Art der National Gallery of Victoria, ist glücklich. Zufrieden lächelnd folgt er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Deutsch 1751-1829, Goethe in der römischen Campagna, oil on canvas, 164 x 206 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, acquired in 1878 as a donation by Baron Salomon von Rothschild Ted Gott lauscht im Hintergrund, beobachtet, plauscht hier und da kurz mit geladenen Gästen, hilft, ihre Interviewwünsche mit Hollein oder Krämer zu erfüllen. Dabei hat sich - mit Ausnahme von Krämer und Hollein - vermutlich keiner der Anwesenden so intensiv mit den aus Frankfurt ausgeliehenen Werken beschäftigt wie der NGV Senior Kurator, der als einer der besten Kuratoren Australiens gilt. Ted Gott reiste zudem im vergangenen Jahr eigens in die Rheinmetropole, um mit Krämer die exquisite "Melbourne Winter Masterpieces"-Ausstellung minutiös zu planen. Krämer beeindruckt von Professionalität des NGV-Teams
Überhaupt ist Krämer (Foto unten) - oder vielmehr Felix, wie er hier in Australien genannt wird - voll des Lobes für das gesamte Team der National Gallery of Victoria: "Wir wussten, es hat eine hohe Reputation und ist super professionell. Das hat sich jetzt vor Ort bestätigt." Ein Team, dem man eine Renovierung bedeutet Reisemöglichkeiten"Oh, yes," holt Ted Gott tief Atem, während er sich an die spannende Zeit vor einigen Jahren erinnert, als die Nachricht nach Australien drang: Das Städel, Frankfurts 194 Jahre altes Museum mit einer der feinsten Kollektionen Europas, soll renoviert werden. Renovierung, Restaurierung, Anbau, Neubau - das ist in der internationalen Kunstszene gleichbedeutend mit: Kunstschätze, die während der Arbeiten nicht gezeigt werden können, sind ausleihbar!
Die NGV sieht Chancen, findet besonders reizvoll, dass mit der Ausstellung einer breiten australischen Öffentlichkeit deutsche Expressionisten vorgestellt werden könnten, und arbeitet akribisch an einem Plan, die Meisterwerke nach Victoria zu holen. Die Verhandlungen hätten mehrere Jahre gedauert, sagt Gott, bis dann endlich das "Ja" aus Deutschland kam - für die Schweiz, in der die Bilder bisher gezeigt wurden, für Neuseeland, wohin sie im Oktober reisen, und für Melbourne, rechtzeitig zu Beginn der Wintersaison, in der sie so dringend gebraucht werden. Warum? Pierre Auguste Renoir, French 1841 - 1919, After the luncheon (La fin de déjeuner), oil on canvas, 100.5 x 81.3 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, acquired in 1910 Winter Masterpieces bringen Touristen zurück nach Melbourne"The Melbourne Winter Masterpieces series have changed the face of Melbourne in winter," preist Minister Peter Batchelor. "Melbourne used to be a quiet place in winter," weiß er und meint damit, dass Touristen sowohl von "interstate" als auch "overseas" die Stadt in der kühlen Jahreszeit von ihrer Reiseliste strichen. Für die Touristenbranche und Victoria ein Disaster. Dank NGV rollt seit 2004 der Touristendollar wieder, denn vor sechs Jahren inszenierte die NGV erstmalig "Winter Masterpieces". Wie 2010 hatte Victorias Regierung weder Mühe noch enorme Kosten gescheut, insbesondere für Versicherung und Transport von Kunstwerken, um direkt aus dem Musee d`Orsay in Paris einige der besten und weltweit beliebtesten Gemälde des Impressionismus nach Melbourne zu holen. Die Rechnung ging auf: Monet, Cezanne und Degas erwiesen sich als Publikumsmagneten, Städel-Ausstellung füllt kunsthistorische LückeWährend der finanzielle Aspekt der "Winter Masterpieces" sicherlich von großer Bedeutung für Victoria ist, ist Kunsthistoriker Ted Gott hoch erfreut über den kulturellen Wert, den die Städel-Ausstellung, dominiert von deutschen und französischen Künstlern, nach Melbourne bringt. Der Grund: Die Kunstwerke aus der Zeit des Neo-Klassizismus bis zur Moderne füllen eine kunsthistorische Lücke, die in der Kollektion der NGV klafft. Beide Weltkriege beendeten in Victoria die aktive Akquise deutscher Werke. "We were very British orientated. We missed out on a lot of works of dynamic German artworks produced at that time. Works we could have acquired but didn´t," erklärt Gott. Erst um 1960 hätte sich die NGV weiter geöffnet, allerdings eher gen USA. Für Gott, dessen Spezialgebiet ursprünglich französische Kunst des 19. Jahrhundert ist und der als international anerkannter Experte für den französischen Symbolisten Odilon Redon - ebenfalls Teil der Ausstellung - gilt, waren die Recherchen für die Städel-Ausstellung eine "revelation" - eine Erleuchtung. "Incredible story of transmigration of European artists"
Enge Beziehung zwischen Frankreich und DeutschlandGott spricht von einem künstlerischen "melting pot". Wer auch immer die Vorstellung von Frankreich und Deutschland als ewige Erzfeinde habe, diese Ausstellung zeige die Beziehung besonders dieser Länder in einem ganz anderen Licht: Gott: "It traces a dialogue until 1930." Dann kommt mit den Nationalsozialisten der fatale Einbruch in der Kunstszene, in der der Expressionismus blühte und sich Strömungen wie "Der Blauen Reiter" und "Die Brücke" etabliert hatten. Das Städel-Museum, an dessen Kunsthochschule der große Expressionist Max Beckmann jahrelang gelehrt hat, ist ein Fundus auch für diese Epoche - einer der sechs Ausstellungsräume ist ihr gewidmet - und lässt die NGV großzügig an ihren Schätzen teilhaben. Darunter auch wahre deutsche Ikonen, wie - kaum zu glauben - "Goethe in der römischen Campagna" von Johann Heinrich Wilhelms Tischbein, das wohl berühmteste Gemälde des Universalgenies aus Weimar, das den Ausstellungsbesuchern als erstes ins Auge springt. "Yes, we debated the Tischbein," lacht Ted Gott und man kann nur ahnen, wieviel Überzeugungsarbeit nötig war, um die deutschen Kollegen dazu zu bringen, "unseren" Goethe gehen zu lassen, der jetzt so perfekt an der ihm zugedachten NGV-Wand weit entfernt der Heimat hängt - fast so, als genieße er es hier. Städel-Direktor Max Hollein: "We would like to have them back"
Zur großen Freude vieler Deutscher in Melbourne, von denen die Redaktion schon jetzt weiß, dass sie sich anstatt einer Tageskarte ein Ticket kaufen werden, dass ihnen unbegrenzten Eintritt gewähren wird.
Deutsche in Melbourne wird über die Ausstellung Melbourne Winter Masterpieces, Städel Museum: European Masters 19th - 20th Century in den kommenden Wochen in mehreren Beiträgen berichten. Mehr Informationen: www.ngv.vic.gov.au Fotos (falls nicht anders angegeben): Katja Niedzwezky |