| 100% Melbourne: German Connections nicht nur hinter, auch auf der Bühne |
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| Geschrieben von: Claudia Raab |
| Samstag, den 05. Mai 2012 um 09:34 Uhr |
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Stefan Kaegi, Helgard Haug und Daniel Wetzel (Foto) aus Berlin, die unter dem Label Rimini Protokoll arbeiten, führten jetzt in Melbournes Townhall ihr Theater der Zeit-Stück "100% Melbourne" auf. Sie zeigten Menschen, die sich hinter Melbournes demographischer Statistik verbergen und die das Publikum nachdenken, stolz werden, sich wundern und weinen lassen - vor Lachen und Mitgefühl. Das Leben zweier Darsteller ist übrigens eng mit Deutschland verknüpft: Senada Ekic und Henry(k) Grossek erzählen DiM, wie. Unbedingte Anpassung an Australien: Aus Henryk wird Henry"Eigentlich mag ich den Namen Henry nicht", gesteht Nummer 35 der 100 Melbournians, die die Bevölkerung ihrer Heimatstadt auf der Bühne der Jeder einzelne der 100 Darsteller ist von einem Bekannten vorgeschlagen worden. Es treffen bestimmte Charakteristika auf ihn zu, die die Demographie Melbournes widerspiegeln. Nummer 35 beispielsweise wohnt im östlichen mittleren Stadtgebiet Melbournes, gehört zur Gruppe "Paar mit Kindern", ist männlich, über 50 Jahre alt und kann unter der Kategorie "Region of birth" seinen Haken bei "Mainland Europe" machen. Genauer gesagt Lübeck, Deutschland. Dort ist der Direktor einer staatlichen Schule vor 62 Jahren geboren, und das nicht als Henry, sondern Henryk Grossek. So nennen ihn seine deutsche Mutter, die im Krieg ihre Familie verloren hat, und sein Vater, ein gebürtiger Pole, der fließend Deutsch spricht. Er hat Verwandte in Australien. 1950 entschließt sich das Paar ihnen mit ihrem 18-monatigen Sohn zu folgen, um auf dem fernen Kontinent ein neues, besseres Leben zu beginnen. Die Geschichte, wie aus Henryk Henry wird, nimmt ihren Lauf, und dem sind viele Stoplersteine in den Weg gelegt. Versöhnt mit deutscher HerkunftHenryk erinnert sich. "We arrived in a camp with 21 children under the age of five. 18 of them contracted polio. I was one of three who didn´t get it." Als nächstes stehen Identitätsprobleme an: Trotz polnischem Vater gilt Henryk in dem kleinen Ort, in dem er aufwächst, als "Kraut" aus Nazi-Deutschland. "A challenging situation", meint er. Die Konsequenz: "I refused to be German or Polish." Sich anpassen an die neue Heimat Australien um jeden Preis, ist das Ziel des Heranwachsenden. Also weg mit dem "k" am Ende seines Names, der so rasch und einfach anglisiert wird. Doch die Zeiten haben sich geändert: Auch wenn es Jahre gedauert hat, heute darf das "k" wieder selbstverständlich Teil Grosseks Namens sein. Die einstige Ablehnung seines deutschen Hintergrunds ist einer Freude besonders an der deutschen Stadt Dresden gewichen, die Henryk gut kennt und immer wieder gern besucht. Senada: Geflohen nach Deutschland, wo sie gern geblieben wäreNicht nur besuchen, sondern gern länger in Deutschland gelebt, hätten dagegen Senada Bosnic Ekic und ihr Mann. Sieben Jahre hat Sedana in Deutschland In der Nähe von Ramstein lernt sie Deutsch und Hilfsbereitschaft von Deutschen kennen. "Die Menschen haben uns geholfen, uns zu essen und Kleidung gegeben und uns aufgenommen. Einer meiner Zwillingssöhne war klinisch tot als er zur Welt kam. Die Menschen haben für uns gebetet. Das ist etwas, was ich nie vergessen werde", erzählt sie. Die Zweifel Sedanas von Kinder: "Niemand mag uns"Als die Bombenangriffe auf ihre frühere Heimat stoppen, bekommt die Familie mitgeteilt, dass sie Deutschland wieder verlassen müsse. Keiner will zurück in die alte Heimat, in der noch immer Haß herrscht. Sedana und ihr Mann bemühen sich, ein Visum für Australien zu erhalten und sind erfolgreich. 1998 treffen sie in Melbourne ein. Die Gewöhnung an die neue Umgebung fällt ihnen schwer. "Die Zwillinge waren vier Jahre. Sie sprachen nur Deutsch und dachten, dass niemand uns mag. Sie glaubten, wir mußten gehen, weil wir für die Serben wir nicht gut genug waren und nun das gleiche bei den Deutschen." Mittlerweile sind die Zwillinge 17 Jahre alt, Sedanas Tochter 14. Ihre Heimat ist Australien. Sedanas Heimat wird jedoch immer aus einem Stück ihrer Nach Tradition der "traditional owners of Australia"Besser als Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel, die das Rimini Protokoll formen, hätte man die Geschichte und Demographie Melbournes wohl nicht auf der Bühne zum Leben erwecken können. Zudem ganz in der Tradition des "Story telling" der "traditional owners" von Australien. Daran erinnerten Aunty Carolyn Briggs, Boon Wurrung Elder, und Aunty Diane Kerr, Wurundjeri Elder, zu Beginn der Aufführung von 100% Melbourne. Die letzte Aufführungen von 100% Melbourne ist am heutigen Sonntag um 18 Uhr in der Melbourner Townhall, Swanston Street. Weitere Informationen und Ticketbuchungen auf der 100 % Melbourne Website. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. |