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Gelb und Blau –
das sind die Farben der Australian Open 2008 in Melbourne, meint "Deutsche in Melbourne" Redakteurin Claudia Raab.
Lesen Sie, weshalb das so ist, warum die kleinen Fans manchmal den großen Stars die Show stehlen, was Rainer Schüttler von Arnaud Clement unterscheidet, und was Sie sonst noch sehen und hören, wenn Sie während Melbournes größten Tennisereignis Top Spieler und Spielerinnen aus aller Welt ihre Bälle übers Netz schmettern sehen.
Tennisball Gelb und poolwasser Blau
Gelb, das sind
unzählige Tennisbälle, die von den über 80 Top Spieler und Spielerinnnen aus
aller Welt mit bis zu 220 kmh über den Platz geschmettert werden.
Gelb, das sind die
zahlreichen Pseudo-Tennisbälle, die in den Zuschauerreihen in allen möglichen
Größen aufblitzen. Angefangen von kleinen Schlüsselanhängern und Gummibällen bis
hinzu riesigen Fußball-Varianten eines Tennisballs, die von enthusiastischen
Fans im Tennisfieber zum Autogrammsammeln umfunktioniert und fest unter
dem Arm geklemmt werden.
Der Schein trügt
Tenniscourts, die
Shirts der Linienrichter und die der etwa 300 Jungs und Mädchen, die die Bälle
holen und flanierende Zuschauer zwischen den Courts fluten, sind in das unverkennbare
Blau getaucht, das augenblicklich an erfrischend kühles Schwimmen im Pool erinnert
und die Leichtigkeit des Seins versprechen zu scheint.
Der Schein trügt.
Wenn Federer, Williams, Nadal, Kohlschreiber und Co. im Melbourne Park über den
Platz jagen, ist es heiß. Unbarmherzig heiß. Sonne und heißer Wind brennen sich
gnadenlos in die Haut ein, hat man nicht das Glück, einen der wenigen
Schattenplätze auf den Außencourts oder aber in der Rod Laver oder Vodafone
Arena zu ergattern.
Fehler verschaffen unerbittlich Vorteile
Heiß ist natürlich
auch die Atmosphäre: Spielerinnen und Spieler stehen unter Strom. Jede
Millisekunde Unachtsamkeit, jeder Bruchteil eines Millimeter falsches Drehen,
Gehen, Stehen kosten Punkte und verschaffen dem Gegner unerbittlich Vorteile.
Diese sind physisch
für jeden sichtbar auf dem großen, digitalen Scoreboard über jedem Tennisplatz.
Psychisch machen sie sich – je nach Stärke des Selbstbewußtseins und Erfolg des
Mindset Trainings –bemerkbar in nagenden Selbstzweifeln, sinnlosem Zorn auf
sich selbst, den Gegner, die Linien-Richter, die Zuschauer oder in wachsendem Konzentrationsverlust
einhergehend mit weiteren Fehlern.
Ruhiger Rainer Schüttler gegen aufgebrachten Arnaud
Wer kann, nimmt’s
ruhig, läßt sich wenig anmerken, schlägt sich vielleicht ein, zwei Mal - wie
Rainer Schüttler am ersten Tag der Australian Open 2008 - nur ab und an selbst
gegen die Stirn.
Wer’s nicht ganz
so gut ertragen kann wie Franzose Arnaud Clement, der diskutiert mit
Schiedsrichtern und stampft aufgebracht mit den Füßen. Auch wenn ihm das nichts
nützt und er sich nach über drei Stunden dennoch anhören muß: „Schüttler wins“.
Und das trotz
treuer französischer Fans, die mit lautstarkem „Allez, allez, Arnaud!“ („Los,
los, Arnaud“) versuchen, das Blatt zum Wenden zu bringen. Überhaupt: Fans. Sie
sind es, die den Australian Open Jahr für Jahr Leben einhauchen.
Wenn Fans Stars die Show stehlen
Ganz ehrlich! Wer
stiehlt beispielsweise Casey Dellacqua in den Breaks die Show? Klar, derjenige, der mit Australienfahne um sich gewickelt aufsteht und mit „Aussie, Aussie,
Aussie“ Ruf den halben Court zur enthusiastischen „Oi, Oi, Oi“ Antwort animiert.
Wer noch? Jeder, der Blicke auf sich zieht, so wie das aufgeblasene Kangeruh in der ersten Reihe,
die riesigen Sombreros in den inoffiziellen Nationalfarben Australiens, grün
und gelb, Kopfbedeckungen aus riesigen, gelben Tennisbällen, die clever als Sonnenhüte
umfunktioniert sind und Fahnen, Fahnen, Fahnen aus aller Herren Länder –
auffällig als Kleid oder dezent als Wangentatoo.
Sommer in Melbourne
Vierzehn Tage Top Tennis pur! Gleich vor der Haustür sozusagen! Wie gut ist das!
Also, Ticket kaufen, rein in den Zug, die Strassenbahn, den Bus und auf in den
Melbourne Park! Öffentliche Verkehrsmittel sind für Ticketinhaber kostenfrei!
Sommer in Melbourne - die Australian Open gehören dazu wie der Tennisball zum Tennisschläger und sind mit eines
der besten Stücke australischer Lebensqualität!
Text and Photos Copyright Claudia
Raab
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