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Australiens Kinderbuchautoren haben sich auch für die jungen Leser von ungefähr acht bis zwölf Jahren - die "young readers" wie sie hier so schön genannt werden - eine Menge interessantes Lesematerial ausgedacht. Die Themen werden "erwachsener", die Seiten dichter bedruckt und Meike Früchtls Nächte länger, denn sie ist im Lesefieber!
Für Deutsche in Melbourne stellt sie ausgewählte Kinderbücher für diese Altersgruppe vor und gibt Ihnen Einblick in fantastische, abenteuerliche, fesselnde und manchmal auch traurige Geschichten.
Australischer Klassiker über eine ganz besondere Freundschaft
So manch ein Deutscher (in Melbourne) kennt "Storm Boy" vielleicht schon als Spielfilm aus dem Jahr 1976. Die Geschichte geschrieben von Colin Thiele spielt an der rauen südaustralischen Küste und nimmt die Leser mit in die abgelegene Welt zwischen dem Southern Ocean und dem Coorong. Dort führt der Junge "Storm Boy" seit seinem vierten Lebensjahr mit seinem Vater "Hide-Away Tom" ein Einsiedlerleben. Vater und Sohn verließen die Stadt Adelaide nach dem Tod der Mutter, wohnen seitdem in einer Hütte am Meer und leben vom Fischfang. Nur der Aboriginal "Fingerbone" und die einheimischen Tiere bewohnen außer ihnen dieses entlegene Gebiet.
Als "Storm Boy" eines Tages drei verwaiste Pelikanjunge findet, stellt er seine Tierliebe unter Beweis und zieht die drei groß, bis sie sich selbst versorgen und wieder in der Wildnis leben können. Kurz nach der Freilassung der Vögel kehrt einer der Pelikane, dem "Storm Boy" den Namen "Mr. Percival" gegeben hat, zu ihm zurück und lebt zusammen mit der kleinen Einsiedlerfamilie. Der Vogel hilft Vater und Sohn beim Fischfang und kann eines Tages zur Rettung einer in Not geratenen Schiffsmannschaft beitragen. Was "Storm Boy" nicht ahnt, ist, dass dieses Ereignis seinem Leben bald eine neue Wendung geben wird...
Diese wunderbare, aber auch traurige Geschichte über eine außergewöhnliche Freundschaft ist ein "all time favourite" - absolut lesenswert!
Kurzweilige Unterhaltung: Pfiffig, aber nicht oberflächlich
Für Freunde kurzer Geschichten ist der Autor Paul Jennings die richtige Wahl. In "Tongue-Tied" und in seiner "Un-" Serie hat Jennings tolle Geschichten für junge Leser zusammengestellt, die unter verschiedenen Kategorien zusammengefasst sind.
Von Geschichten, die sprachlos machen, über spannende Gruselepisoden bis hin zu kleinen Liebesgeschichten - Jennings hat ein Gespür für unterhaltsame Kinderliteratur mit Pfiff und Niveau. Was für ein Lesespaß!
Ein bisschen Magie im Teeniealltag?
Die Brandbeite australischer Kinderbücher für "young readers" bietet auch Romane und Geschichtensammlungen zu zeitgemäßen Problemen heranwachsender Teenager an. Ein Beispiel hier für ist Catherine Bateson's "The Wish Pony". Mit Ernsthaftigkeit, aber ohne Hang zum Drama erzählt Bateson die Geschichte von Ruby, die gerade eine schwere Zeit durchmacht, weil ihre Mutter ein Baby bekommt und sie sich von ihren Eltern vernachlässigt und ungerecht behandelt fühlt. Zu allem Überfluss gerät Ruby auch noch in einen riesigen Streit mit ihrer besten Freundin und hat deswegen Probleme in der Schule.
Alles scheint gerade in Ruby's Leben schief zu laufen, bis sie die etwas schräge Nachbarin Magda trifft, die ihr ein besonderes Geschenk macht: Ein kleines Pony aus Glas. Mit Magda's Hilfe und vielleicht auch mit einem kleinen bisschen Magie lernt Ruby, wie sie ihre Situation ändern kann und findet außerdem heraus, dass sie nicht die einzige ist, die Probleme hat.
Ein empfehlenswertes Jugendbuch, das aufgrund der Thematik vorwiegend Mädchen ansprechen wird.
Fantastische Abenteuer mit Rowan und Co.
Emily Rodda ist die preisgekrönte australische Queen des Fantasy-Romans für Kinder. Sie hat bereits mehrere Kinderbuchserien veröffentlicht, die junge Leser in abenteuerliche Fantasiewelten reisen lassen.
Roddas erste Fantasy-Serie, die sechsteilige "Rowan" Serie, spielt im Fantasieland "Rin", wo der schüchterne Junge Rowan wohnt. In jedem Band besteht Rowan mit seinen Freunden neue Abenteuer, um sein Heimatdorf und seine Familie vor drohendem Unheil, wie beispielsweise Naturkatastrophen und Krankheiten zu bewahren.
Die "Deltora" Serie ist mit drei Serienstaffeln Roddas größtes Fantasy-Werk. "Deltora Quest", "Deltora Shadowlands" und "Dragons of Deltora" spielen in der Fantasiewelt Deltora. Dort lebt der Junge Lief, der das Land zusammen mit seinen Freunden von dem tyrannischen "Shadow Lord" befreien will. Dabei muss er Schätze finden, komplizierte Rätsel lösen, gefährliche Monster bekämpfen und unheimliche Abenteuer bestehen.
In den 2007 und 2008 erschienenen "Rondo" Büchern - "The Key to Rondo" und "The Wizard of Rondo" - verbindet Rodda erstmals Wirklichkeit und Fantasiewelt. Die Geschichte beginnt, als Leo von seiner Tante eine alte Spieluhr erbt, die ein ganzes Regelwerk an Benutzerinstruktionen mit sich bringt. Was passiert, wenn man sich nicht an diese Regeln hält, erfahren Leo und seine Cousine Mimi schon bald: Eine böse Zauberkönigin entspringt der Spieluhr und entführt Mimi's Hund in die Fantasiewelt Rondo!
Für alle Liebhaber von Fantasiegeschichten ist Emily Rodda ein super Tipp! Hunderte Seiten fesselnder Abenteuer warten darauf, von jungen Leseratten verschlungen zu werden...
Für fortgeschrittene "young readers"
Schon für dieses junge Lesealter haben sich einige australische Autoren an das Thema Zweiter Weltkrieg und Judenverfolgung herangewagt. In ganz unterschiedlicher Weise stellen sie diese Zeit durch die Augen von Kindern dar und vollbringen damit einen gelungenen Spagat zwischen Geschichtsstunde und anspruchsvoller Kinderliteratur, die trotz des schweren Themas leicht lesbar ist.
Nicht immer ist leichtes Lesen jedoch mit vollem Verständnis des Inhalts verbunden. Daher sind diese Bücher eher für reifere "young readers" geeignet und erfordern auch den Einsatz der Eltern, die ihren Kindern mit Erklärungen zu den dargestellten Themen zur Seite stehen sollten. Es kann hilfreich sein, die Romane vorher selbst zu lesen - und es ist definitv die Mühe wert! Besonders Morris Gleitzman's Romane "Once" und "Then", die chronologisch aufeinander aufbauen, haben Meike Früchtl begeistert.
"Es war einmal…"
Mit dem Wort "Once" beginnen Märchen: "Once upon a time…". Morris Gleitzman beginnt mit diesem Wort auch seinen gleichnamigen Roman - und jedes Kapitel darin. Aber das Märchenhafte seiner Geschichte über Freundschaft und Hoffnung steht im frappierenden Gegensatz zur unmenschlichen Zeit von der Gleitzman erzählt: der Zeit der Judenverfolgung in Polen.
Die Geschichte handelt von dem jüdischen Jungen Felix, der von seinen Eltern in einem katholischen Waisenhaus versteckt wird. Als sein Versteck auffliegt, entkommt er und rettet auf seiner Flucht ein kleines Mädchen, Zelda, aus einem brennenden Haus. Der zehnjährige Felix und die sechsjährige Zelda werden Freunde und beschließen, zusammen ihre Eltern zu suchen. Dabei haben sie in vielen Situationen pures Glück, nicht von den Nazis gefangen und verschleppt zu werden. Was ihnen auf ihrer Suche außerdem hilft, sind ihre Freundschaft, Felix's Improvisationstalent - und manchmal sogar auch andere Menschen, die sich selbst in Gefahr bringen weil sie den Kindern Unterschlupf bieten. Nach und nach lernen Felix und Zelda mehr über die grausamen Machenschaften der Nazis und müssen sich bald eingestehen, dass ihre Eltern von den Nazis getötet wurden.
In "Then", dem zweiten Teil der Geschichte, entkommen Felix und Zelda aus einem Zug, der sie ins Konzentrationslager bringen soll und suchen nach einem neuen Zuhause. Auch wieder mit Glück finden sie eine ihnen wohlgesonnene Seele, die Bäuerin Genia, die sie aufnimmt und den Plan hat, den beiden eine neue, arische Identität zu verschaffen. Ihr neues Leben als Wilhelm und Violetta ist allerdings alles andere als einfach und birgt neue Gefahren…
Gleitzmann schafft es, durch den Blickwinkel des zehnjährigen Felix eine ergreifende Geschichte zu erzählen, die viele komplexe Themen in kindgerechter Weise aufgreift und dabei für die Leser viel "food for thought and discussion" liefert: Was bedeuten Freundschaft und Familie? Wie nah liegen Vertrauen und Angst beisammen? Wie schnell kann Fröhlichkeit in Trauer umschlagen? Warum gibt es Gewalt und Krieg? Warum hassen Menschen andere Menschen? Waren alle Nazis schlecht? Das sind nur einige der Fragen, die die Lektüre dieser zwei wunderbaren Bücher anregen kann. Äußerst empfehlenswert!
Was wäre wenn?
Auch Jackie French hat sich dem Thema Drittes Reich in einem historisch basierten Roman für "young readers" gewidmet. Sie erzählt eigentlich zwei Geschichten zum selben Thema: French beleuchtet in "Hitler's Daughter" die Nazizeit aus der Perspektive von Hitler's imaginärer Tochter Heidi und hinterfragt gleichzeitig die geschichtlichen Ereignisse aus der heutigen Sicht des australischen Schuljungen Ben. Wie das geht? Sie lässt eine Geschichte in ihrer Geschichte erzählen:
Alles beginnt eigentlich aus Langeweile beim Warten auf den Schulbus. Ben, Anna, Mark und Little Tracey vertreiben sich an einem Regentag das Warten an der Bushaltestelle mit Geschichten Erzählen. Als Anna ihren Freunden von Hitler's Tochter Heidi und beschreibt in ihrer Geschichte, wie ihr Leben wohl ausgesehen haben könnte - oder gibt es sie vielleicht wirklich? Ben fiebert jeden Tag einem weiteren Stück der Geschichte beim Warten auf den Bus entgegen und macht sich viele Gedanken über die Zeit als Hitler an die Macht kam. Wie konnte das nur passieren? Hätte seine Tochter den Krieg und die Judenverfolgung verhindern können?
"Hitler's Daughter" wirft nicht nur Fragen zur nationalsozialistischen Vergangenheit auf, sondern beleuchtet auch, wie sich die heutige Jugend mit dem Thema beschäftigt und wie Eltern mit den Fragen ihrer Kinder umgehen. Sehr lesenswert!
Es darf gelesen werden!
Ob spannende Fantasiereise, historisch basierte Romane, kurzweilige Short Stories oder zeitlose Klassiker - australische Jugendbücher für junge Leser zeigen sich vielfältig! Die vorgestellten Werke sind nur eine kleine Auswahl aus diesem großen Spektrum. Weitere australische Buchempfehlungen für "young readers" finden Sie zum Beispiel auf den Seiten der Buchpreise YABBA , KOALA oder der Australian Children's Book Council , die Listen früherer Gewinner und nominierter Bücher online zur Einsicht stellen.
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