|
Wer abends in Melbournes Innenstadt unterwegs ist, hat die dunkelbraunen Waggons des Colonial Tramcar-Restaurants sicher schon vorbeifahren sehen und sich gefragt, ob man bei dem Geruckel wirklich gemütlich essen und trinken kann. Kurz beantwortet: Ja, man kann! Sogar sehr gut, meint Andrea Kämper, die das rollende Restaurant getestet hat.
Auf Deutsche in Melbourne verrät sie, ob man der Werbung, die extra gefederte Wagen, bei denen nicht mal die Bestecke klappern, verspricht, trauen kann und was den fahrenden Restaurantgast in Melbournes ikonischen, historischen Straßenbahnen kulinarisch und touristisch gesehen erwartet.
Wein mit Wellenlinien, Ober mit Humour
Der Wein im Weinglas zeigt ein paar interessante Wellenlinien aufgrund der Vibrationen des Tram-Restaurants und der Ober weist uns jedes Mal, wenn er vorbei kommt, mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass er diese Muster speziell für uns organisiert habe. Humor hat er, der uns betreuende Ober, und den Willen, diese Fahrt zu etwas Besonderem für die Gäste zu machen.

Wir werden freundlich empfangen und sobald ausländisch klingende Worte hörbar werden, versucht unser Ober herauszufinden, in welcher Sprache er die Gäste nun begrüßen muss. Sogar an ein paar Liedzeilen versucht er sich.
Hervorragender Service und ausgezeichnetes Essen
Cracker und Dips stehen schon auf den Tischen, als wir im Waggon Platz nehmen. Dazu gibt es ein Glas Sekt – und auf Wunsch wird natürlich auch nachgeschenkt. Die beiden nächsten Gänge sind wählbar. Als warme Vorspeise kann man zwischen Ocean Trout und Duck Risotto wählen, als Hauptgang gibt es Macadamia Chicken oder Eye Fillet of Beef. Während man also gemütlich sitzt und vorzüglich speist, wird man durch Melbourne gefahren.
Die Route wechselt. Wir fahren vom Startpunkt hinter dem Crown Casino (Normanby Road) durch die Innenstadt, dann über die St. Kilda Road nach St. Kilda. Am Albert Park gib es eine Pause. Danach geht es mit Käseplatte und Dessert (auch hier wieder zwei zur Wahl – Sticky Date Pudding oder White Chocolate Mousse) auf einer großen Runde durch die Stadt und bis in die Docklands. Das Menü und die Fahrt werden mit Kaffee, Tee und Likör/Cognac nach Wahl abgeschlossen.
Andrea Kämpers Empfehlung: Die lange Tour

Das Essen war wirklich hervorragend, die Atmosphäre sehr angenehm, aber nicht steif, die Ober waren aufmerksam und freundlich. Kurz gesagt: Der Abend war ein echtes Erlebnis. Die Fahrt durch die beleuchtete Stadt war sicherlich vor Weihnachten besonders eindrucksvoll, ist aber bestimmt auch zu anderen Zeiten schön.
Die Nelken, die als Tischdekoration dienen, bekommen alle Frauen schließlich zum Abschied geschenkt. Eine nette Geste, die dazu beiträgt, dass wir bester Stimmung sind, als wir die Straßenbahn nach drei Stunden wieder verlassen. Ich konnte mir erst nicht vorstellen, was man drei Stunden lang in einer Straßenbahn essend machen soll… aber ich kann nur empfehlen, die lange Tour zum Dinner zu machen. Es gibt auch kürzere (und günstigere) Touren zum Lunch oder Early Dinner – empfohlen zum Beispiel vor einem Theaterbesuch – aber ich fand die Zeit von drei Stunden genau richtig.
Etwas Besonderes nicht nur für Gäste, auch für sich selbst
121 $ für ein Essen sind zugegebenermaßen nicht gerade wenig, aber die Tour ist perfekt, wenn man sich und seiner Familie, seinen Besuchern oder Gästen etwas ganz Besonderes gönnen will! Das Colonial Tramcar Restaurant hat übrigens vier Mal den Australischen Tourist Award gewonnen und neun Mal den des Staates Victorias. Informationen über Fahrplan, Menü und Preise gibt es auf der Webseite
www.tramrestaurant.com.au/
Editiert von Almut Reith
|