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Melbourne Interessantes Heimweh in Melbourne: Kann man Fremdheit heilen?
Heimweh in Melbourne: Kann man Fremdheit heilen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Christine Weber   

Deutsche in Melbourne erleben oft das Gefühl des Fremdseins in AustralienDas Visum für den Australien-Aufenthalt prangt im Pass. Die Vorfreude auf ein neues Leben Down Under ist riesig groß. Die ersten Wochen in der neuen Heimat dann sind gefüllt mit aufregendem Neuen. Das Leben ist einfach herrlich. Mit Einkehr des Alltags, so weiss fast jeder "Expatriat", verliert die rosarote Brille jedoch rasch ihre Wirkung. Man vermisst "Zuhause", fühlt sich fremd und allein, obwohl man doch weit weg sein wollte.

Die deutsche Psychotherapeutin Christine Weber, die in Melbourne lebt und praktiziert, schildert für Deutsche in Melbourne den oft überraschenden Prozeß des Sich-Fremdfühlens in der neuen Umgebung. Sie gibt Anregungen und Tipps aus ihrer Praxis zum Thema "Kann man Fremdheit heilen?"

Leben in der Fremde - die Flucht nach vorn

"People are stranger when you are a stranger, faces look ugly when you are alone. Women seem wicked when you`re unwanted, streets are uneven when you are down." Jim Morrison

Die Welt erscheint heutzutage sehr klein. Länder, vor 30 Jahren noch schwer zu erreichen, liegen heute wahrhaftig nebenan. Es ist modern, im Ausland zu leben. Der Gedanke, in einem fremden Land zu arbeiten, klingt verlockend. Die Idee verspricht Abenteuer, unbekannte Erlebnisse und einen Ausbruch aus dem bekannten und schnöden Alltag. Eine Flucht nach vorn ins Paradies.

Die Realität ist jedoch oft weit weg von der Traumblase im Kopf. Man erlebt die Entfremdung, das Alleinsein und nicht zuletzt oftmalsNach der Ankunft in Melbourne sind Deutsche in Melbourne oft voller Freude einen unerwarteten Kulturschock. Zu Beginn des Aufenthalts im Ausland fühlt man sich wie im Urlaub. Alles ist neu und aufregend. Man liebt die kleinen Fremdheiten des Landes und starrt wie ein Kind auf die unbekannten Piktogramme. Die Autos fahren auf der anderen Strassenseite. Der Postbote kommt mit dem Mofa und vergnügt beobachtet man die in Weiss gekleideten älteren Menschen mit riesigem "Lollipop" in der Hand, die den Schulkindern zwischen 8 und 9.30 Uhr morgens sicher über die Strasse helfen. Die Urlaubsbrille hält, was sie verspricht - vieles ist anders, der Rausch hält eine ganze Weile an.

Ebenso, wie man seiner neuen Umgebung viel Aufmerksamkeit widmet, steht man selbst im Mittelpunkt seiner neuen Umgebung. Man genießt es, außergewöhnlich und auf eine ganz neue Art und Weise interessant zu sein. Man fühlt sich bedeutsam und wichtig, hat was zu erzählen und schwelgt in der Beachtung der Anderen.

Doch dann schleicht sich der Alltag ein

Irgendwann jedoch hören die Australier auf zu fragen, wann man angekommen ist und wie lange man bleibt. Man ist kein Novum mehr. Über die Monate wechselt man von der Rolle des interessanten Neulings zu der des Aussenseiters.  Die eigene Begeisterung trägt sich ab, und man hat sich an den Unterschieden des Landes satt gesehen. Die Besonderheiten werden normal, der Alltag schleicht sich ein und langsam fehlen einem die Gewohnheiten von Daheim. Was würde man dafür geben, wenn der Bäcker an der Strassenecke das gewohnte Vollkornbrot anbieten oder man im Supermarkt, die über Jahrzehnte benutzte Zahnpasta im Regal wiederfinden würde. Die kleinene Dinge von Zuhause, die einem ein wichtiges Gefühl von Gewohnheit und damit Geborgenheit und Sicherheit vermitteln, fehlen doch allzu sehr.

Versucht man, sich zu integrieren - vom Besucher und Beobachter zum Mitglied des Landes zu werden - stellt man fest, wie schwierig dieses Unterfangen tatsächlich ist. Simple Sache, wie die eigene Kleidung können einen entlarven, ohne dass man es will. Zum Beispiel, die gern getragene Jeans mit dem dazu passenden schlichten T-Shirt. Wie peinlich war es mir, als ich beim ersten Barbeque sämtlichen Frauen in Rüschenröcken gekleidet gegenüber stand. Eine Modeerscheinlung, welche in Deutschland völlig ausgeschlossen gewesen wäre, war in Melbourne Trend.

Fremde Sprache raubt Teil des eigenen Ichs

Fremdsein kann für Deutsche in Melbourne ein Problem seinNicht nur die Kleidung, sondern auch der eigene Akzent kennzeichnet einen als Aussenseiter. Darüber hinaus kann man sich in der fremden Sprache weniger treffend und gewandt ausdrücken. Oft fühlt man sich dadurch unterlegen und beraubt von Möglichkeiten, seiner Meinung Kraft zu verleihen. Es kann bis zu Jahrzehnten, wenn überhaupt, dauern, bis die fremde Sprache der Muttersprache gleicht. Bis dahin darf man sich mehr oder weniger wie amputiert durchs Leben reden. Die Feinheiten der Sprache, die man bis dahin doch als einen selbstverständlichen und wichtigen Teil des eigenen Ichs erlebt hat, muss man zunächst aufgeben.

Die andere Sache ist, was man sagt: Die deutsche Direktheit wird mit der australischen Höflichkeit ausgetauscht. Wenn man versucht, bei seiner gewohnten Redekultur zu bleiben, dann stellt man fest, dass man anecken kann, weil der Australier die landesübliche kulturelle Etikette vermisst.

Zurückgelassene Freundschaften - wichtig, doch eventuell verändert

Kontakte knüpfen dagegen ist unkompliziert. Schnell ist man zum Beispiel zu den traditionellen Barbeques der Australier eingeladen. Die Wochenenden sind mit beschwingten, sozialen Festivitäten bestückt. Gern wird man als "Mate" angeredet, ein Wort, welches in der australischen Kultur unendlich viele Bedeutungen annehmen kann. Vom Kumpel bis zum Passant auf der Strasse. Vom Arbeitskollegen bis zum Freund. Der Australier knüpft schnell Bekanntschaften, bis daraus Freundschaften werden, vergeht viel Zeit.

Ich habe damals für mich erkannt, wie wertvoll die zurückgelassenen Freundschaften doch waren und wie lang es dauert, bis man tatsächlich einen fremden Menschen seinen Freund nennen darf. Für neue Freundschaften bedarf es Zeit. Gleichzeitig verändern sich teilweise die Beziehungen zu den zurückgelassenen Freunden daheim. Fühlte man sich bisher von ihnen verstanden, trifft man heute möglicherweise auf Unverständnis ihrerseits, wenn man ihnen von ungeahnten Schwierigkeiten berichtet. Sie mussten sich mit einer solchen Situation und den damit verbundenen Problemen eventuell noch gar nicht auseinandersetzen. Es ist oft schwer, selbst nicht erlebte Probleme zu verstehen. Sie sehen einen in der Regel als eine privilegierte Person im Ausland. Manchmal unterschätzt man die freundschaftlichen Strukturen, die einem ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln.

Von Fremdheit zum Sich-Heimisch-Fühlen

Menschen, die mich in meiner Praxis besuchen, fühlen sich oft fremd: Fremd in der momentanen Kultur und Gesellschaft oder fremd mit sich selbst. Der Mensch braucht einfach jemanden, der ihn versteht, um sich wohlzufühlen. Fremd zu sein oder sich als Fremder zu fühlen, ist ein Gefühl, das einem oft in einer versteckten Form begegnet, und einen unwohl fühlen läßt. Die gute Nachricht ist, dass dieses Gefühl nicht dauern muss. Es läßt sich überwinden, damit der langersehnte Aufenthalt im Ausland nicht zur Qual und tiefen Enttäuschung wird.

Ein Gespräch bespielsweise mit einem Experten oder einer Expertin, einem Psychotherapeuten Sich wohl fühlen in der neuen Heimat Melbourne kann für Deutsche in Melbourne einfach seinoder einer Psychotherapeutin, einer Person, die versteht, kann in dieser Situation von der Fremdheit zum Sich-Heimisch-Fühlen verhelfen. Das Thema einer Therapie sind dabei die verschiedenen Arten der Entfremdung unter anderem bedingt durch das Leben im Ausland und das Finden einer Strategie, wie man sich dazugehörig fühlen kann. Der Therapeut unterstützt im Dialog und übersetzt, was der Klient sich eigentlich sagen will.

Wie gehe ich mit meinem Leben in der Fremde um?

Fragestellungen zur persönlichen Bedeutung des Auslandaufenthaltes werden untersucht: Geniesse ich das Ausland als temporäre Lebenssituation? Möchte ich mich völlig in die einheimische Bevölkerung integrieren? Oder vermisse ich meine Heimat? Entscheidet man, den Auslauslandsaufenthalt nicht nur als temporäre Lebenssituation zu geniessen, stellt sich die Frage, wie man mit seinem dauerhaften Leben in der Fremde umgeht. Man kann sich die lokale deutsche Gemeinde suchen und damit die vermissten Qualitäten der Heimat in sein neues Leben einladen. Der deutsche Bäcker in Melbourne, das tägliche Podcast-Ritual der heimatlichen Fernsehnachrichten, die Stammkneipe mit dem deutschen Bier sind Beispiele dafür. Will man sich hingegen in die einheimische Bevölkerung integrieren, kann es hilfreich sein, seine eigenen Interessen im gemeinnützigen Bereich zu finden, dadurch neue Kontakte zu knüpfen und ein aktiver Bestandteil der Gemeinde zu werden.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Therapie hilft dabei, persönliche Fragestellungen zu untersuchen und Klarheit über seine eigene Situation zu erlangen. Diese Diskussion eröffnet auch die Fragestellung, ob es hilfreich wäre eine neue Identität für sich zu entdecken, sich zum Beispiel als internationaler Weltbürger zu identifizieren. Mit einer neutralen Haltung gegenüber der eigenen Fremdheit, sind wir offener zu uns selbst und zu anderen. Eine neue Dimension entsteht und das Leben wird leichter.

Weitere Informationen zu Christine Weber erhalten Sie in Firmen Verzeichnis von Deutsche in Melbourne.