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Melbourne Interessantes Geschafft: Kathrin Wörle bei den Australian Open mit dabei
Geschafft: Kathrin Wörle bei den Australian Open mit dabei PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Claudia Raab   

Kathrin Wörle im Gespräch mit Deutsche in Melbourne wärhend der Australian Open 2010Es ist soweit! Die Australian Open 2010, fester Bestandteil des Melbourner Sportjahres, sind da. Klar, für Tennisgrößen wie Serena Williams, Roger Federer, Rafael Nadal und Kim Clijsters steht schon lang feststeht, dass sie im Melbourne Park um Punkte streiten werden. Anders jedoch für eine Handvoll internationaler Spieler und Spielerinnen, deren Teilnahme bis kurz vor der Eröffnung noch auf der Kippe stand: die Qualifier.

Vier Tage lang jedes Spiel gewinnen, nur so konnten sie sich Plätze in den Open ergattern. Deutsche in Melbourne haben mit "ihren" deutschen Spielern gezittert. Besonders mit Kathrin Wörle, die es in ihrem dritten und entscheidenden Spiel spannend machte. Nach ihrem Marathon-Match sprach sie mit Deutsche in Melbourne.

Gleicher Platz wie beim Vorjahresgewinn

Am Anfang sah alles prima aus. Die 25jährige Kathrin Wörle dominierte souverän Court 8 im Melbourne Park und steckte den ersten Satz im Spiel gegen ihre 18jährige Gegnerin Bojana Jovanovski aus Serbien mit 6:2 locker in die Tasche. "Ja, bis jetzt ist alles super gelaufen," kommentiert Kathrins Bruder Roland gut gelaunt, wenn auch vorsichtig. Von der Zuschauertribüne aus drückt er seiner Schwester fest die Daumen, ebenso wie Zuhause vorm Internet Schwester Caroline und Bruder Lothar, mit dem sich Roland abwechselt, wenn es gilt Kathrin auf ihren Tennistourneen zu begleiten. "Kathrin mag Melbourne gern und spielt gerade auf dem selben Platz, auf dem sie vor einem Jahr gewonnen hat," meint der Lindener und hofft, dass dies ein gutes Omen sei.

Katrin Wörle bei den Qualiying für die Australian Open 2010Am 28. Dezember ist Roland mit seiner Schwester in Australien angekommen, wo zunächst Spiele in Brisbane und Sydney auf die Spielerin mit Weltranglistenplatz 123 warteten, bevor es galt sich in die Australian Open zu spielen. "Mittlerweile hat sich Kathrin gut an die australische Hitze gewöhnt," sagt Roland, während sich Kathrin vom Balljungen das weiße Handtuch zuwerfen läßt, um sich den Schweiß zu wischen.

Sengende Hitze, kraftvoller Wind

Melbournes Sonne meint es nicht allzu gut mit den beiden Spielerinnen. Heiß sengt sie auf den Platz. Ebenso unfreundlich entpuppt sich der Wind, der ab und an kraftvoll ins Spiel eingreift und eigenmächtig die Bälle entgegen der Schlägerinnen Willen lenkt. Satz 2 beginnt und mit ihm kommt die Wende. Immer öfter muss Roland Kathrins Bälle ins Aus gehen sehen, zuschauen wie seine Schwester rennt und sich reckt, einzig damit ihr Schläger ins Leere trifft.

Und während Bojanas Punktekonto steigt, scheint Kathrins Selbstvertrauen zu sinken. Nervös spielt sie mit der Bespannung ihres Schlägers und schüttelt mit dem Kopf. Rolands Hände verkrampfen sich, sein Gesicht ist angespannt, doch versucht er, die Schwester mit aufmunternden Blicken zu ermutigen. Der Satz geht mit 4:6 zu Recht an Bojana. Ihre Fans werden lauter, die Serbin sicherer.

"Jetzt muss sie zulegen", raunt ein deutscher Fan und klatscht kräftig in die Hände, während Kathrin das Feld für den dritten Satz betritt. Und dann geht's los, das knappe Hin und Her. Jetzt gilt´s und führt Wörle jetzt, dann Jovanovski gleich danach. Dann endlich läßt Kathrin ihre Spielerfahrung blitzen. Geschickt platzierte Bälle kann Bojana nicht mehr erreichen. Dann das Wörle-Meisterstück, mit einem As gelingt der 9:7 Sieg der Deutschen.

"Einfach super, gewonnen zu haben"

Kathrin Wörle qualifiziert sich für die Australian OpenWie weggefegt ist der gestresste Gesichtsausdruck. Strahlen macht sich breit, sowohl bei Kathrin als auch bei Roland, der geschwind das Handy greift und Zuhaus in Deutschland bei der Familie anruft. "Klar, die sind auch alle ganz gerädert vom Mitfiebern," lacht Kathrin und schwingt das Handtuch über sich, um nicht auszukühlen. "Es ist einfach super, gewonnen zu haben," gesteht sie glücklich und setzt selbstkritisch hinzu: "Es hätte eigentlich kein Marathon-Match sein müssen. Der zweite Satz war unnötig. Ich weiß auch nicht genau, was da mit mir los war."

Merkwürdigerweise sei es ihr nicht gelungen, den Satz für sich zu wenden, was ihrer Gegnerin dazu verholfen habe, mehr Selbstvertrauen zu bekommen und automatisch besser zu spielen. "Dann bin ich richtig sauer geworden," sagt Kathrin grinsend. "Sauer auf mich, auf mein Spiel." Und dann habe es plötzlich wieder geklappt. Zum Glück, denn in Viktorias Hauptstadt die Qualifyings zu verlieren, hätte die Melbourne-Liebhaberin schon getroffen.

Melbourne - geliebt für gutes Publikum

"Ich mag es, in Australien und besonders in Melbourne zu spielen," sagt sie. "Ich mag die Atmosphäre, das Publikum. Es geht ja fast wie auf einem Fußballfeld zu. Man wird angefeuert, das Publikum geht mit. Auch wenn ich sonst nicht so der Typ dafür bin, in Melbourne liebe ich die Zurufe und das Klatschen."

Und genau das ist es auch, was sie sich von den Deutschen in Melbourne für ihr nächstes Spiel wünscht: Kräftige Unterstützung! Doch zunächst stehen erst einmal Fahrradfahren in der Gym, Dehnen und eine Behandlung beim Physiotherapeuten an. Und gesundes Essen. "Viele Kohlenhydrate," sagt Kathrin. Und Schokolade? "Normalerweise nicht. Aber ich esse sie schon," gesteht sie verschmitzt, bevor sie ihre Tasche schnappt, ihre australische "Familie", bei der sie momentan wohnt, umarmt und vorbei an Fans, die ihre Unterschrift ergattern möchten, ins Spielerquartier entschwindet. Glücklich, es in die Australian Open geschafft zu haben und mit Vorfreude auf das nächste Turnier. Deutsche in Melbourne drückt die Daumen!

 

Deutsche Spieler und Spielerinnen in der ersten Runde

Mit dabei sind ebenfalls die deutschen Spielerinnen Andrea Petkovic, die gegen Renata Voracova (CZE) spielt, Sabine Lisicki mit Gegnerin Petra Martic (CRO), Kristina Barrois mit Gegnerin Akgul Amanmuradova (UZB), Julia Goerges, die gegen Tamira Pazek (AUT) antritt, Tatjana Malek mit Spiel gegen Agnieszka Radwanska (POL), Angelique Kerber gegen Olga Govortsova (BLR), Anna-Lena Groenefeld mit Gegenerin Roberta Vinci (ITA).

Als deutsche Spieler nehmen in der ersten Runde teil: Dieter Kindlmann, der gegen Nikolaz Davydenko (RUS) spielt, Michael Berrer, der auf Kristof Vliegen (BEL) trifft, Mischa Zverev mit Gegner Lukasz Kubot (POL), Simon Greul, der gegen Tommy Haas spielt, Benjamin Becker mit Gegner Grega Zemlja (SLO), Rainer Schuettler, der gegen Sam Querrey (USA) antritt, Daniel Brands gegen Evgenz Korolev (KAZ) sowie Philipp Petzschner mit Gegner Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber mit Gegner Horacio Zeballos (ARG).

Fotos: Matthias Raab