Melbourne Melbourne entdecken Melbourne Restaurants Das Hofbräuhaus von Melbourne: Urige Gemütlichkeit mitten in Chinatown
Das Hofbräuhaus von Melbourne: Urige Gemütlichkeit mitten in Chinatown PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jessica Meiner   

Hofbrauhaus Melbourne

Abseits der überfüllten Chinatown-Schlemmermeile im Zentrum Melbournes versteckt sich das Hofbräuhaus in der weniger belebten Market Lane zwischen Bourke und Little Bourke Street. Die Fassade im Fachwerk-Stil fällt beim Vorbeigehen sofort auf. Ein Stück deutsche Heimat, überragt von zahlreichen Hochhäusern, mitten in der australischen Millionenstadt? Seit 1968 ist das Gasthaus Anlaufstelle für alle Liebhaber der bayerischen Kultur und Gemütlichkeit.

Nachdem sie schon viele Male zu Gast im Münchner Hofbräuhaus war, wollte Jessica Meiner für Deutsche in Melbourne auch in der Hauptstadt Victorias bayerische Atmosphäre auf sich wirken lassen. Ob das gelungen ist, verrät sie hier.

Warten auf freie Tische – genau wie in München

Ohne weiteres kommt man an einem Freitagabend nicht in das Pendant des aus Bayern bekannten und beliebten Lokal in der Melbourner Chinatown. Stilecht in wadenlangen Lederhosen und mit rosafarbenem Karohemd empfängt der Kellner die Gäste am Eingang. Doch wer am Wochenende keinen Tisch reserviert hat, muss das erste Bier an der Bar genießen und auf den nächsten freien Platz warten. So finden sich zwischen den Geschwistern in München und Melbourne schneller Gemeinsamkeiten als erwartet. Das Publikum ist bunt gemischt und besteht, entgegen vorheriger Annahme, nicht überwiegend aus Asiaten. Hier und da nimmt man Wortfetzen in den unterschiedlichsten Sprachen wahr. Eins ist klar: Viele Deutsche speisen hier an diesem Abend  nicht. Mit seinen Gästen aus allen Nationen ist das Melbourner Lokal dem Brauhaus in München ein weiteres Mal nicht unterlegen.

Neuschwanstein und blau-weiße Girlanden sorgen für Volksfest-Feeling

Hofbrauhaus Melbourne InnenansichtDoch Urlauber oder nicht, alle Besucher wollen seit über 40 Jahren die urige deutsche Gemütlichkeit, die das Restaurant verspricht, genießen. Rustikale schmiedeeiserne Kronleuchter verbreiten ein angenehm warmes Licht. Zwar fehlen die hohen Rundgewölbe samt farbenprächtiger Gemälde, doch die holzgetäfelte Zimmerdecke und blauweiß karierte bayerische Landesfahnen vermitteln zumindest das Gefühl, man befinde sich im nächsten Wirtshaus irgendwo in Süddeutschland. Fotografien von Biergartenszenen sowie dem Märchenschloss Neuschwanstein zieren die Wände, und Hofbräu-Girlanden sorgen für Volksfest-Feeling.

Bierpeis schlägt Oktoberfest

Traditionell wird das original Münchner Bier Hofbräu in Ein-Liter-Maßkrügen ausgeschenkt. Doch bei den Gästen in Australien sind die 0,5-Liter-Gläser beliebter. Kein Wunder, denn die Bierpreise auf dem Oktoberfest in München sind ein Witz gegen die in Melbourne. Knapp 24 Dollar kostet hier der Liter Gerstensaft. Wer lieber Paulaner und Spaten mag oder Lust auf ein frisches Hefeweizen hat, wird auf der Getränkekarte fündig. Auch die typisch deutsche Biermischung Diesel sowie Radler können geordert werden, die dann die Kellnerinnen in landestypischen Trachten mit traditionell tiefem Dekolleté servieren.

Ein Prosit der Gemütlichkeit SchildDie Stimmung im Hofbräuhaus ist gut, aber verhalten. Kein Anstoßen und Absetzen im Minutentakt samt Trinklieder-Gegröle. Alles wirkt ein wenig hektisch, wenn die Bedienungen am Tisch vorbeisausen und eine nach dem anderen fragt, ob es etwas zu essen sein dürfe. So erzählt man schon einmal sechs verschiedenen Personen, man warte noch immer auf einen Freund und bestelle erst dann Speisen.

Während die Zwei-Mann-Kapelle im Hintergrund „Muss i denn“ jodelt, vergeht die Zeit. Bei bayerischer Gaudi darf natürlich auch ein unterhaltsames Schuhplattlern sowie Kuhglockenjonglieren nicht fehlen. Alles in allem ist die Musik jedoch nicht zu traditionell und mit internationalen Hits von Abba und anderen Künstlern auf das multikulturelle Publikum eingestellt.

Auch Gerichte abseits vom bayerischen Menüplan

Die klassische Schweinshaxe gibt es mit Klösen, Sauerkraut und einer Portion Senf in gewohnt üppiger Portion. Mit 36.50 Dollar schlägt sie allerdings den Preis im Münchner Hofbräuhaus wiederum um Längen. Für Deutsche in Melbourne wird die bayrische Spezialität getestet. Das Urteil: Super würzige und knusprige Kruste, zartes Fleisch und unschlagbar leckeres Sauerkraut.Schweinshaxe mit Kloesen und Sauerkraut

Schmankerl wie Nürnberger Würste (24,50 $) und Leberkäse (25,50 $) dürfen neben den traditionellen Käsespätzle (22 $) nicht fehlen. Sogar eine Art Brotzeitplatte (17.50 $) mit pikanter Obazda-Käsecreme kann der bayerische verwöhnte Gaumen hier genießen.

Die berühmten Münchner Weißwürste mit süßem Senf sucht man auf dem Menüplan dagegen vergeblich. Und was ungarisches Langosch in einem deutschen Restaurant zu suchen hat, ist auch unklar. Doch mit etlichen weiteren Gerichten abseits vom bayerischen Menüplan ist auch für jene Gäste etwas dabei, die zwar die urige Atmosphäre spüren wollen, auf die gehaltvolle Kost aber verzichten möchten.

Rund 40 Dollar sollte man einplanen für Hauptgericht und einen halben Liter Bier zum "Spülen". Fazit: Trotz deftiger Preise, hat der Abend im Melbourner Hofbrauhaus nicht enttäuscht. Es ist dem Original in München ähnlicher als zunächst gedacht. Leckeres Essen, unterhaltsame Performance und frisch gezapfter Gerstensaft aus Deutschland bieten nicht nur für Touristen und Melbournians aus aller Welt, sondern auch für Deutsche in Melbourne einen lustigen Abend.

18-24 Market Lane, Melbourne VIC 3000, Tischbestellung unter (03) 9663 3361, Geöffnet: Lunch – Dienstag bis Freitag, Dinner – Dienstag bis Sonntag

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Hofbräuhaus Melbourne.