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Frisch gelandet in Australien für sechs Wochen, ein Jahr oder gar für immer. Im Bauch kribbelt's vor Aufregung und Vorfreude. Zumindest die ersten paar Tage. Dann schleicht er sich heimtückisch in unsere Gefühlswelt und droht uns, den lang ersehnten Traumaufenthalt gründlich zu verderben - der sogenannte "Urlaubskoller", der laut wissenschaftlichen Untersuchungen fast jeden Reisenden, jede Reisende etwa drei Tage nach Ankunft heimsucht.
Berit Wiedersheim (25) hat während ihres Aufenthalts in Australien dieses plötzliche Gefühl der ungeahnten Traurigkeit und der nagenden Zweifel, ob man nicht doch lieber den nächsten Flieger nach Hause nehmen sollte, oft beobachtet. Für "Deutsche in Melbourne" setzt sie sich mit dem Phänomen auseinander und verrät, warum man lieber nicht das Handtuch werfen sollte.
Die richtige Entscheidung?
„Und, wie ging`s dir
die ersten Tage? Hättest du auch am liebsten die erste Möglichkeit genutzt und
dich in den Flieger Richtung Heimat gesetzt?“
Diese Frage scheint
bei Backpackern und anderen Reisenden nicht selten aufzukommen. Aber warum?
Liegt es daran, dass einige zum ersten Mal ihr Zuhause für länger als üblich
verlassen? Erweckt allein der Gedanke Tausende von Kilometern von Familie und
Freunden getrennt zu sein ein Unwohlsein?
Liegt es an der Sprache, dem
doch ungewohnten Aussie-Slang, der anfangs nicht immer sehr
verständlich ist. Daran, dass man merkt, wie schnell Sprachprobleme den
Alltag erschweren können? Sind es die
unbegrenzten Möglichkeiten das Land zu erkunden: Bus, Bahn, Fliegen,
Autokauf,
Mitfahrgelegenheit, etc. Die Qual der Wahl einschließlich der
Befürchtung
nicht die richtige Entscheidung getroffen zu haben?
Zu hohe Erwartungen?
Oder sind einfach die
hohen Erwartungen, die durch die aktuellen Medien, Reiseberichte vieler junger
Menschen und die eigene Vorstellungskraft produziert wurden, nicht bereits in
den ersten Tagen erfüllt, weil auch ein Land wie Australien nicht jedermans
Sache ist? Im Grunde weiß es
kaum einer…
Was aber durchaus
vielen positiv erscheint, und als Rettung dienen kann, ist die Freundlichkeit der Menschen, ob Australier
oder nicht. „Hi, how are you“ ist zwar im Grunde nichts als eine
Höflichkeitsfloskel, allerdings bewirken diese Worte mehr, Freundlichkeit, ein
Lächeln und die Möglichkeit auf einen kurzen Smalltalk, bei dem man für einen
Moment seine Sorgen oder auch Freuden teilen kann.
Zugehörigkeitsgefühl kann man in Australien schnell entwickeln
In kaum einem Land
wird man sich als Tourist so wenig ausländisch vorkommen wie in Australien.
Überall trifft man Menschen nahezu aus der ganzen Welt und nicht alle sind nur
zu Besuch. Vor Monaten, Jahren oder Generationen immigriert, die eigene
Mentalität und Sprache nicht komplett abgelegt, aber trotzdem Australier. Als
Tourist gehört man meist einer Menschengruppe an, die keine Australischen Vorfahren hat, aber welcher in Australien lebende Bürger hat die denn schon zu
100%? Somit entwickelt sich das Zugehörigkeitsgefühl schneller, als geglaubt.
Und nicht zuletzt sollte
die laid-back Einstellung der Australier unterschätzt werden, die auch auf
einen akkuraten Deutschen unerwartet positive Auswirkungen haben kann. Nicht
immer muss alles exakt, pünktlich und geradlinig geschehen.
Zuschauen, Spass haben und lernen, statt Handtuch werfen und gehen
Das eine gewisse
Gelassenheit im Alltag und im Beruf das Leben manchmal einfacher macht, wird
uns sehr schön vorgelebt. Die Australier kommen genauso ans Ziel wie alle
anderen, vielleicht nicht in der gleichen Zeit oder mit dem gleichen Aufwand,
dafür mit mehr Spass an der Sache und weniger gesundheitsschädlichem Stress.
Warum anfängliche
Probleme schnelles Heimweh verursachen wird wahrscheinlich jeder für sich
selber entscheiden müssen, aber in einem Punkt sind sich dann doch fast alle
einig. Es lohnt sich nicht sofort das Handtuch zu werfen, denn was einen erwartet ist eine Erfahrung im Leben, die einem keiner mehr nehmen kann.
Australien ist ein
wundervolles Land und es ist jedem selbst überlassen, was daraus gemacht wird;
ein frühzeitig abgebrochener Urlaub mit schlechten Erinnerungen oder vielleicht
doch die lehrreichste und schönste Zeit im Leben?!
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