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Viele elegante Hüte, wenig damenhaftes Benehmen Print E-mail
Written by Layla Eberle   

Huete fuer den Spring CarnivalEs ist schon wieder eine Weile her und die Sterngirlanden und Weihnachtsbäume in der Innenstadt haben jegliche Spur vom Spring Carnival verwischt. Dennoch, ich erinnere mich täglich an das aufregende Spektakel um den Melbourne Cup, das erst vor kurzem zu Ende gegangen ist.

Kurz nach meiner Ankunft in Australien vor elf Monaten habe ich meine Freundin Priscilla kennen gelernt. Bei unserem ersten Treffen erzählte sie mir mit leuchtenden Augen vom Melbourne Cup, auf den sie bereits im Januar hinfieberte.

Von elegant gekleideten Frauen mit extravaganten Hüten, von gut aussehenden Männern in edlen Anzügen, von sprudelndem Champagner, exzessiven Wetteinsätzen und athletischen Pferden berichtete sie mir und kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

 ‚Ladies in their finery! Hats and heels everywhere. ' 

Treffen an Flinder Street StationIm Oktober flatterte dann die Einladung zum AAMI Victoria Derby Day in meinen Briefkasten: Die Eintrittskarte war gleich beigefügt. Auf der Rückseite des Tickets für den Members-only-Bereich wurde unverblümt auf den Dress Code hingewiesen: "Gentlemen and boys over 12 are required to wear a suit, sports coat or blazer, plus tie. Ladies and girls over 12 are required to wear smart racewear. Children accompanied by an adult must be suitably attired."

Jeans, Turnschuhe, Pullover und Badelatschen waren "not acceptable". Meine Einladung war an eine Bedingung geknüpft: Ich musste mir eine passende Kopfbedeckung zu meinem Racewear-Outfit besorgen.

Must be Spring Carnival! Get your outfit. Off to the races!

Zum Leidwesen von Priscilla, die bereits Wochen zuvor ihre Termine für Friseur, Maniküre und Pediküre vereinbart hatte, machte ich mich erst am Tag vor dem Derby Day auf die Hut-Suche. In der Hut-Abteilung von David Jones ging es zu wie im Taubenschlag: Die schmalen Gänge wurden von riesigen Hutständern umsäumt. Wohin das Auge reichte, ein Meer aus zitternden Federn und riesigen Schleifen, Rot, Beige, Rosa, Flieder und Schwarz in sämtlichen Nuancen.


Dazwischen tummelten sich kichernde Damen und Mädchen, die sich aufgeregt in Trauben vor den wenigen Spiegeln begutachteten. Mit drei Hüten unter dem Arm und einem "Fascinator" auf dem Kopf hofften sie darauf, das passende Stück bereits gefunden zu haben. Ein einzelner älterer Herr übernahm die Beraterfunktion und versuchte seine Frau zum schnellen Kauf zu bewegen. Diese warf mir einen unsicheren Blick zu und schien sehr dankbar für mein schweigendes Kopfschütteln.

Schöne Hüte und wenig damenhaftes Benehmen

Nachdem ich mir einen groben Überblick verschafft hatte, machte ich mich an die Auswahl. Schon immer wollte ich genau so einen schwarzen Strohhut mit überdimensionaler Krempe mein Eigen nennen können, wie ich ihn dort in der hintersten Ecke an einem Ständer erspäht hatte! Ich quetschte mich also durch die Menge, bemühte mich, wenigstens ein paar der vielen filigranen Stücke aufzusammeln, die beim wilden Anprobieren auf den Boden gefallen waren und jeden Moment den bedrohlich wirkenden Damenschuhen zum Opfer fallen könnten.

ImageEinige der Federn hatten schon Schaden genommen von der unliebsamen Handhabung ihrer Trägerinnen. Geknickte Federflunsen und abgerissene Borten waren auf den weißen Fließen des Kaufhausbodens verstreut. Rechts von mir sah ich eine Angestellte in einem finsteren Kämmerchen sitzen, zig Hüte neben sich aufgebart, deren Mängel und Schäden sie Stück für Stück mit Nadel und Faden zu beseitigen suchte.

"Die arme Frau," dachte ich mir, wurde aber gleich mit einem kräftigen Schuppser von hinten in die Richtung des Objekts meiner Begierde gedrängt. Das gute Stück mit einem halben Meter Durchmesser saß sobald auf meinem Kopf und ich fühlte mich ein bisschen wie Pretty Woman. Das Preisschild holte mich allerdings ganz schnell in die Realität zurück: $ 499-. stand darauf. Ich war schockiert. Der Traum vom großen Hut war mit einem Schlag um Meilen in die Ferne gerückt. Vorsichtig warf ich einen Blick auf die Preisschilder der anderen Hüte. Unter $ 200.- war überhaupt nichts zu finden. Enttäuscht trottete ich zu den "Fascinators" und wurde fündig.

Victoria Derby Day - Ein Tag in Flemington

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Ich war mit meinen Freunden an der Flinders Street Station verabredet. Während des Wartens beobachtete ich interessiert das rege Geschehen um mich herum. Die ganze Stadt schien auf den Beinen, welche in hochhackige Pumps und edle Lederschuhe gepackt waren. Schicke Herren in dunklen Anzügen, in deren Brusttasche eine Kornblume, die Blume des Derby Days, steckte, Frauen in edlem Garn und exzentrischen Hüten – die Beschreibung meiner Freundin passte genau. 

ImageAuf dem Gelände der Pferderennbahn herrschte ein reges Treiben. Im Members-Bereich ging es da etwas gesitteter zu. Dort saß man um weiße Plastiktische herum oder stand unter einem der roten Emirates-Sonnenschirme und übte sich im Small-Talk. Die ersten leeren Champagner- und Bierflaschen waren bereits vom Tisch gerollt und warteten darauf von den uniformierten Müllsammlern beseitigt zu werden. Das Durchschnittsalter schien hier etwas höher als auf der anderen Seite des Zauns, wo sich – wie Priscilla mir mit einem zwinkernden Auge erklärte – der "Riffraff" aufhielt.

ImageDas nächste Rennen stand bevor. Aufgeregt reihten wir uns in die Schlangen an den TAB-Schaltern ein. Mein erster Wetteinsatz belief sich auf $ 2,50.- each way. Auf der Tribüne wurde mir das Ausmaß der Aufregung erst richtig bewusst: Der Startschuss fiel! In der Ferne sah ich eine galoppierende Pferdeschar, die sich schnell in unsere Richtung bewegte.

  

Erfreutes Gequieke und verzweifele Seufzer 

ImageMit heranrückender Staubwolke erhoben sich mehr und mehr Besucher gespannt von ihren Stühlen. Ich bemerkte ein leichtes Muskelzucken im Gesicht des Mannes neben mir, auf dessen Kopf ein braun-karierter Hut im Robin Hood-Stil thronte. Mein Pferd, so sah ich auf der großen Leinwand, war an vorderster Front und mir war klar, dass es die Geschwindigkeit, die es vorgab, sicherlich nicht bis an die Ziellinie aufrechterhalten konnte. Um mich herum erfreutes Gequieke und verzweifelte Seufzer.

Die Zeit verging wie im Fluge. Mehr und mehr Damen entledigten sich ihrer unbequemen Schuhe und gönnten ihren von Blasen gezeichneten Füßen eine Atempause. Picknickkörbe wurden hervorgeholt, Decken auf dem Rasen ausgebreitet, auf die Mann und Frau sich erschöpft niederließen.

Affektiertes Benehmen weicht angeheiterter Natürlichkeit 

Mit fortgeschrittener Stunde nahm die Nachlässigkeit zu. Fascinators und Hüte saßen zunehmend schief auf den Köpfen, Kleiderträger verrutschten und das durch die Hitze in Mitleidenschaft gezogene Makeup wurde nun plötzlich nicht mehr im 30-Minuten-Takt korrigiert. Das elegante Stolzieren auf den hochhackigen Absätzen fiel den Damen sichtlich schwerer.

ImageDie Stimmung wurde ausgelassener und das teilweise stark affektierte Benehmen wich einer angeheiterten Natürlichkeit. Ein junges Mädchen hatte wohl etwas zu tief in ihr Glas geschaut. Sie sackte plötzlich zusammen und fiel in Ohnmacht. Nur die im Wind wippenden Federchen, die von den Hüten baumelnden Bändchen und die stolzen Schleifen bewahrten ihre Haltung.

 

Vom Wettfieber für immer infiziert 

Nach sechsstündigem kontinuierlichem Champagnergenuss und erfolglosen sowie erfolgreichen Wetteinsätzen machten wir uns erschöpft und zufrieden auf den Nachhauseweg. Mein erstes Pferderennen war vorbei und ich mit dem Wettfieber für immer infiziert.

Last Updated ( Wednesday, 28 November 2007 )
 
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