| Neuer Job in Melbourne II: Was ist mit den Partnern? |
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| Geschrieben von: Claudia Raab | |||
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Ein Jobangebot, Karriere und Arbeiten in Melbourne! Für einige Deutsche geht dieser Traum tatsächlich in Erfüllung. Das Visum in der Hand, die sieben Sachen gepackt und Abschied genommen von Familie und Freunden, die einen oft beneiden, geht es ab Richtung Australien. Für denjenigen, der das Jobangebot hat, geht der Alltag zumeist rasch normal weiter. Anders sieht das oft für diejenigen aus, die den Partner begleiten, den eigenen Job aufgeben und ohne Arbeit, Freunde und Familie in einer fremden Stadt, mit fremder Sprache und Kultur von Null anfangen müssen. Deutsche in Melbourne Redakteurin Claudia Raab hat mit vier couragierten Frauen über Höhen und Tiefen in einem neuen Leben im Ausland gesprochen. In Teil 2 verraten Sabrina Schulz und Gabi Schmidt, wie sie ihren Alltag meistern. Noch einmal etwas Neues machen
Auf nach Australien? Bei den Schmidts aus München war ausnahmsweise mal nicht der Beruf, sondern vielmehr Gabi die treibende Kraft. "Ich wollte noch einmal etwas Neues machen, einen Neustart in einem fremden Land, in dem Englisch gesprochen wird, versuchen und natürlich näher bei unserer Tochter Christine sein, die schon seit einigen Jahren in Australien lebt," meint die 45jährige. Gemeinsam mit Mann Thomas ist Gabi im vergangenen Jahr in Melbourne angekommen, ohne Job, einzig mit einem "state sponsored visa" für Elektronikingenieur Thomas, das die beiden für zwei Jahre an Victoria bindet. Von Deutschland aus hatten sich beiden schon per Internet über Jobs informiert und festgestellt: "Ja, Jobs sollte es genug geben." Sofort nach ihrer Ankuft im Oktober 2008 stürzen sich die beiden in die Arbeitssuche, verbringen etliche Stunden im Internet, reichen ihre Lebensläufe bei Agenturen ein, schreiben Cover Letter. Das Ergebnis: Die Zahl ihrer Absagen steigt, ihr Kontostand sinkt. "Das war schon sehr frustrierend," sagt Gabi. "Ohne es zu wissen, hatten uns eine schlechte Zeit ausgesucht. Zum einen wegen der Wirtschaftskrise, zum anderen ging es auf die Weihnachtspause zu und dann begannen die Ferien. Von Dezember bis Februar passiert hier gar nichts." "Es muss vorwärts gehen"
Die beiden arbeiten weiter an ihren Bewerbungen, sammeln Tipps, wie sie sie verbessern könnten und sagen sich: "Es muss doch irgendwie vorwärts gehen." Dann endlich wird Thomas zum Bewerbungsgespräch eingeladen und tritt am nächsten Tag seine neue Stelle an." "Jetzt konnte ich auch besser planen, wo ich mich bewerben kann, denn wir haben nur ein Auto und das braucht Thomas," meint Gabi, die im Münchner Patentamt gerabeitet hat. Momentan fokusiert sie auf Stellen im administrativen Bereich. Auf Agenturen verlässt sie sich dabei weniger: "Die kann man eigentlich vergessen, da kommen fast keine Rückmeldungen." "Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass meine Coverletter immer besser werden, aber immerhin werde ich jetzt immer öfter zu Bewerbungsgesprächen eingeladen," meint Gabi. Doch die Konkurrenz ist groß mit oft über 100 bis 200 Bewerbern. "Wer "local" Erfahrung hat, ist dann im Vorteil, hat Wahl-Melbournerin festgestellt. Auch sie hat gelernt, dass einige freie Stellen gar nicht publik gemacht werden und wie wichtig Netzwerke sind. "Aber Netzwerke aufzubauen, das dauert natürlich," sagt sie realistisch. "Klar, ich bin neu hier, kann keine Erfahrung in Australien aufweisen. Das dauert eben länger, bis ich etwas finde. Aber ich werde und will," sagt sie entschlossen. Dass selbst ihre Tochter eine Arbeitssuche in Melbourne schwerer fand als beispielsweise in Sydney oder Queensland, wo sie heute wohnt, tröstet sie dabei. Geduld haben und sich gut informieren
"Geduld haben und sich gut informieren" - das sind Gabis Tipps für all diejenigen, die neu in Melbourne starten wollen oder müssen. "Und versuchen, in allen Richtungen, allen Wegen eine Beschäftigung zu finden. Auch als Volunteer, wenn es zum Beruf passt. Dann kann man wenigstens die "local experience" aufweisen." Ansonsten rät auch sie, nicht Zuhause zu bleiben, sondern auszugehen, neue Leute kennenzulernen, die eventuell in ähnlicher Situation sind, damit man merkt, man ist nicht die einzige. "Und vor allem die neue Heimat ansehen! Es gibt hier einiges zu unternehmen!" Dafür wird Gabi seit ein paar Tagen allerdings immer weniger Zeit haben, denn ihre Geduld hat sich gelohnt! Den ersten Job in Australien hat sie ergattert samt netten Kollegen, trotz Frustration zu Beginn des Australien Aufenthalts. Durchhalten lohnt sich also! Sehr zurückhaltendMit enttäuschten Hoffnungen begann auch Sabrinas (Namen von der Redaktion geändert) neues, temporäres Leben in Melbourne. Im Gegensatz zu Inga, konnte die gelernte Reiseverkehrskauffrau in der australischen Niederlassung der Firma, bei der sie in Deutschland angestellt war, ein paar Tage arbeiten. Doch dann kam das Aus. "Es war einfach kein Arbeitsvolumen da," sagt Sabrina. Die Global Financial Crisis schlug auch hier zu. Auch wenn es frustrierend ist, Sabrina hat, im Gegensatz zu manch anderen Einwanderern, mit Fehlschlägen gerechnet: "Ich wusste, was auf mich zukommen konnte und war sehr zurückhaltend, eher rational und sehr kritisch, als es darum ging, dass mein Mann und ich nach Australien gehen würden," meint die Frankfurterin. Das Paar hat etliche Freunde, die für einige Jahre in im Ausland gelebt und gearbeitet, haben und selbst zwei Jahre im deutschsprachigen Ausland verbracht, bevor Tims Karriereschritt sie nach Melbourne brachte. "Ich wusste genau, dass es schwierig werden würde, einen neuen Freundeskreis aufzubauen und war mir über die weite Entfernung von Freunden und Familie, denen wir sehr nahe sind, bewusst," sagt Sabrina. Und auch darüber, dass in Australien vieles anders als in Deutschland sein würde, was sie eventuell vor allzu grosser Enttäuschung und exzessivem Heimweh bewahrt hat. "Für mich ist hier vieles gewöhnungsbedürftig was die Jobsuche angeht", lacht Sabrina. "Es gibt beispielsweise zwei oder drei Recruitment Firmen, die im Hospitality und Tourism Bereich etwa 90 Prozent des Marktes abdecken. Also habe ich meinen CV nach australischen Masstäben hübsch gemacht und eingereicht, in der Hoffnung, dass sie etwas für mich finden." Doch Angebote laufen nur spärlich ein und wenn, dann werden oft nur kurzfristige Vertretungen gesucht. Die australische Bewerbungsetiquette widerstreben Sabrinas Gewohnheit schon ein wenig. "Was wir als übertrieben empfinden, ist hier normal. Man muss immer der Beste, der Tollste sein. Alles können, Fakten aufblasen und Zahlen mitbringen, am besten in einem Bereich gearbeitet haben, mit fünf Millionen Dollar Budget," lacht Sabrina ungläubig. Keine Option
Dennoch hat sie es bereits zu einer Jobzusage geschafft, allerdings im Schichtdienst, Wochenende inklusive. Für Sabrina familienmässig jedoch keine Option. "Es wäre schön, wenn es geklappt hätte und ich mehr unter die Leute gekommen wäre," meint die sie. So beschränken sich ihre Möglichkeiten, neue Nicht-Deutsche kennenzulernen, auf ihren Englisch Kurs, den sie bei RMIT besucht, ihr Fitness Studio und das Einkaufen. Zwar hat sie über die Möglichkeit, als Volunteer ehrenamtlich zu arbeiten, nachgedacht. "Aber für meinen Beruf bringt es mir nichts, wenn ich bedrohte Tierarten rette. Ein Mehrwert soll für mich schon dabei sein," ist sie ehrlich. Für all diejenigen, die planen, ihren Partner ins Ausland zu begleiten, hat sie folgenden Rat parat: Bloss nicht blauäugig sein. Die Lage in einem anderen Land realistisch einschätzen und wenn möglich einen Plan B haben. Es bleibt auch bei Sabrina spannend.
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