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Neuer Job in Melbourne: Was ist mit den Partnern? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Claudia Raab   
Janina Schuster im Kontrollzentrum der Deutschen Bahn AG
Ein Jobangebot, Karriere und Arbeiten in Melbourne! Für einige Deutsche geht dieser Traum in Erfüllung. Das Visum in der Hand, die sieben Sachen gepackt und Abschied genommen von Familie und Freunden, die einen oft beneiden, geht es Richtung Australien.

Für diejenigen mit Jobangebot geht der Alltag rasch normal weiter. Nicht so für diejenigen, die den Partner begleiten, den eigenen Job aufgeben und ohne Arbeit, Freunde und Familie in einer fremden Stadt, mit fremder Sprache und Kultur von Null anfangen müssen. Deutsche in Melbourne Redakteurin Claudia Raab sprach mit vier couragierten Frauen über Höhen und Tiefen in ihrem neuen Leben. In Teil 1: Janina Schuster und Inga Schmidtke.

Den Job kündigen: "Ein ganz schöner Schock"

Zu Beginn sah alles rosig aus: Zwei Jahre Australien Aufenthalt aufgrund Olivers Versetzung nach Melbourne, zwei Jahre Beurlaubung vom Job bei der Deutschen Bahn (DB) für Janina, Olivers Frau. Prima, dachte sich Janina, der geliebte Job gesichert, die freundlichen Kollegen nicht verloren. Australien, wir kommen!

Doch dann die Enttäuschung: Im Gegensatz zum Chef, gibt die Personalabteilung ihr "Ja" allein für eine sechsmonatige Beurlaubung. Resultat: Janina muss kündigen. "Nach acht Jahren mit der Bahn war das ein ganz schöner Schock," gesteht die sympathische Pfälerzerin und erinnert sich daran, wie sie plötzlich raus aus dem Büro an die frische Luft musste, um die Nachricht zu verarbeiten. Kreidebleich, sehr zur Besorgnis der Kollegen, und wohl wissend, dass wer einmal das Unternehmen verlässt, nicht so schnell wieder einsteigen kann.

Nach dem anfänglichen Schock gewinnt Janinas Optimismus jedoch die Oberhand. "Es kann ja auch ein neuer Start sein, eine Chance etwas Anderes zu machen," tröstet sie sich, schliesst das Kapitel DB, wenn auch wehmütig, ab und organisiert den Umzug, Wohnungssuche und Einleben in Melbourne. Mit von der Partie: Paige, die hübsche Border Collie Hündin der Schusters.

Soziale Kontakte oft lebenswichtig

Paige ist es auch, die Janina hilft, sich anfangs im neuen Haus in der neuen Stadt, nicht allein zu fühlen. Insbesondere dann, wenn Oliver beruflich im Ausland unterwegs ist, was nicht selten vorkommt. Janina: "Mit Paige hatte ich immer etwas zu tun und jemand war bei mir." Beim täglichen Spazierengehen im Park dient der Collie als Anknüpfpunkt für die ersten Gespräche mit "Locals" , die ebenfalls ihre vierbeinigen Freunde regelmässig dort ausführen. Die gebürtige Leimersheimerin knüpft die ersten sozialen Kontakte, die für sie, die einen grossen Freundeskreis gewöhnt ist, geradezu lebenswichtig sind.

Janina Schuster mit Mann Oliver

Damit auch Paige nicht allein ist, bekommt sie mit dem Border Collie Kala eine Gefährtin. Mit ihr startet Janina ein Hundetraining und plötzlich beginnt die Idee zu reifen, die sie bereits in Deutschland hatte: "Meine eigene Hundeschule eröffnen." Für eine Trainer-Ausbildung, die ihr Schichtdienst in Deutschland unmöglich machte, hat die 25jährige jetzt Zeit und auch die anfängliche Hemmschwelle, Englisch zu reden - für ihr Vorhaben unvermeidlich - ist nach einer Weile überwunden.

Dank der Webseite "Deutsche in Melbourne" schafft es Janina, sich ein soziales Netzwerk nicht nur an Bekannten, sondern auch guten Freunden aufzubauen. "Die Webseite ist spitze. Wenn es sie nicht gegeben hätte, hätte ich sie erfinden müssen," lacht sie. Überhaupt sind es die "menschlichen Kontakte", die Janina an ihrem früheren Beruf so schätzte, die ihr das Leben in der Fremde erleichtern. "Wenn ich beim Einkaufen Bekannte treffe, oder mit "meinem" Fleischer auf dem Markt plaudere oder sogar die Bedienung im Restaurant in St. Kilda zufällig kenne, dann fühl ich mich nicht mehr fremd, sondern Zuhaus," sagt sie.

"Nicht erst lange Koffer auspacken!"

Und genau das ist Janinas Tip für alle, die ihren Partnern nach Australien folgen: "Nicht erst lange Koffer auspacken! Leute kennenlernen. Schnell Kontakt finden!" Für Janina ist das der beste Weg, sich auch weit enfternt von Deutschland wohl zu fühlen und Kraft und Energie für das neue Leben zu gewinnen. Übrigens, mittlerweile hat sie bereits ein Logo für ihre Hundeschule designen lassen und dazu ein Interview für einen Teilzeitjob im Customer Service am Flughafen bekommen. Er lässt sie halt doch nicht los, der Reiseverkehr! Es bleibt spannend!

Ein perfekter Plan

Inga Schmidtke

Ihren anspruchsvollen, gut bezahlten Job innerhalb der Bosch Gruppe kündigen, musste auch Procurement Ingenieurin Inga Schmidtke, um ihren Mann nach Australien begleiten zu können. Carsten, auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung, nahm die Chance wahr, in Melbourne seine Karriere zu forcieren. Klar, dass Inga ihn in seiner Entscheidung bestärkte, zudem ihr vor ihrer Abreise Boschs australische Niederlassung Hoffnung machte, hier eine Anstellung zu finden. Der Plan, nicht nur im Ausland zu leben, sondern auch Berufserfahrung im Ausland zu sammeln, schien für die karrierebewusste junge Frau perfekt.

Allerdings: Ingas Hoffnung zerschlug sich rasch mit ihrer Ankunft in Melbourne Ende vergangenen Jahres, und den Auswirkungen der "Global Financial Crisis", die weltweit zu drastischen Kürzungen und Entlassungen sorgte. Unglücklicherweise auch in Ingas Bereich: Keine Chance auf eine übergangslose Beschäftigung.

Für Inga war das zu Beginn kein Weltuntergang. Wer wünscht sich nicht ein wenig Urlaub in der Sonne, wenn es in Deutschland wintert. Und zu tun gab es genug mit dem Organisieren des Alltags. "Telefon, Strom, Gas anmelden. All das ist ganz anders als in Deutschland, vom Sozialwesen bis zu den Lebensmitteln. Du weisst nicht, wie es funktioniert. Ich musste sogar Kollegenfrauen anrufen, um es herauszufinden," lacht sie.

Struktur im Alltag und finanzielle Unabhängigkeit fehlen

Doch irgendwann kehrt der Alltag ein, alles ist geregelt, alles eingerichtet. Urlaub als Dauerzustand? Dazu ist Inga nicht der Typ. Sie beginnt ihre Arbeit, ihre Kollegen zu vermissen, schreibt die ersten Bewerbungen. "Ich bin nicht so richtig in ein Loch gefallen," erinnert sich die gebürtige Grosswedlerin. "Aber irgendwie fehlte mir die Struktur im Alltag, die man im Arbeitsleben hat. Und die finanzielle Unabhängigkeit! Früher habe ich regelmässig bei Esprit eingekauft und einfach so mal 100 Euro für Kleidung ausgegeben. Das konnte ich plötzlich nicht mehr, weil ich mich von Carstens Geld abhängig fühlte."

Unbegründet, das weiss die Pferdeliebhaberin. Doch emotional würde sie gern ein Stück finanzielle Unabhängigkeit wieder gewinnen - ebenso wie Berufserfahrung. "Nach dem Studium habe ich drei Jahre gearbeitet. Wenn wir zurück nach Deutschland gehen, möchte ich mehr aufweisen können," sagt die 27jährige, die Wirtschaftsingenieurswesen studiert hat.

Doch ganz so einfach gestaltet sich die Jobsuche nicht. Auch wenn Inga ihre "Hausaufgaben" gemacht, ihren Lebenslauf auf australische Anforderungen getrimmt und sich bei grossen Agenturen wie Hayes und Jigsaw vorgestellt hat, ist sie bisher enttäuscht von den Ergebnissen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Ingas Berufsbezeichnung nicht ohne weiteres auf Englisch übersetzen lässt.

Über den eigenen Schatten springen

Inga und Karsten Schmidtke

"Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Schulausbildung und mein Studium hier nichts wert sind," seufzt sie frustriert. Doch aufgeben wird sie nicht, auch wenn in Australien die Suche nach einem Job anders als in Deutschland gehandhabt wird. "Hier werden viele Jobs durch "networking" vergeben. Daran muss ich mich gewöhnen. Das ist fast ein bischen wie sich anbiedern oder Vitamin B benutzen, was ja in Deutschland verpönt ist. Das muss ich erst lernen," meint Inga.

Gelernt hat die sympathische Grossburgwedlerin auch, dass sie manchmal über ihren Schatten springen muss, um in ihrer neuen Umgebung Fuss fassen zu können. Inga: "Man braucht ein soziales Netzwerk, egal wo man wohnt. Jemanden, der einen auffängt, wenn es einem mal schlecht geht. Besonders, wenn man allein ist. Ich habe die Webseite Deutsche in Melbourne lange beobachtet, aber mich lange nicht getraut, jemanden im Forum anzusprechen, weil ich dachte, meine Beiträge sind vielleicht nicht relevant oder interessant. Als ich mich dann doch mit jemandem verabredet habe, bin ich von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends geblieben. Es tat einfach gut zu hören, nicht nur ich habe diese Probleme. Ich bin hier nicht allein."

Als nächsten Schritt wird Inga einen Bekannten anrufen, der Kontakte zu einer australischen Firma hat. Auch für sie bleibt es spannend ...

Der zweite Teil des Artikels, in dem Gabi Schmidt und Sabrina Schulz verraten, wie sie ihren neuen Alltag meistern, erscheint in Kürze.