| Buschfeuer in Victoria und der "Australian Spirit" |
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| Geschrieben von: Claudia Raab | |||
| Donnerstag, den 12. Februar 2009 um 08:41 Uhr | |||
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Lesen Sie, weshalb diese Interviews für Claudia weit mehr als ein "Routine Job", sondern eine persönliche Reflexion über den "unique Australian Spirit" geworden sind und diskutieren Sie mit. Interesse aus Deutschland
"In den vergangen Tagen bin ich als deutsche Journalistin in Melbourne mehrfach von deutschen Rundfunksendern kontaktiert worden, um die momentane Situation in Viktoria und seinen lodernden Buschfeuern aus erster Hand zu schildern. So auch vor ein paar Tagen. Ich hatte 30 Minuten Zeit, um mich vorzubereiten und gerade meine Rechere beendet, als das Telefon klingelte und der Redakteur begann, mir seine Fragen zu stellen: "Frau Raab, konnten sie die Feuer sehen?" "Sind sie unter Kontrolle?" "Wie sieht die derzeitige Situation in Melbourne und Viktoria aus?" Alles Fragen, mit denen ich gerechnet hatte und auf die ich gut vorbereitet war. Allerdings, was ich an dieser Stelle noch nicht wusste, war, dass dieses Interview, das Teil meines Jobs als Journalistin schien, wesentlich persönlicher wurde, als ich je erwartet hatte, und weit über eine Routine Berichterstattung über die Dimensionen einer Naturkatastrophe mit Fakten, Statistiken und Augenzeugenberichten hinausgehen würde. Vielmehr sollte es zu einer unbeabsichtigten Reflektion über und Wertschätzung des "unique Australian Spirit" werden, von dem gerade vor ein paar Tagen am Australia Day soviel die Rede war. Unangenehme Fragen
Was war passiert? Nachdem ich einen Überblick über die Ausmaße der Buschfeuer gegeben hatte, fragte mich mein Kollege, ob die Australier bereits angefangen hätten, unangenehme Fragen zu stellen, etwa: "Wie konnte das passieren?", "Wer ist schuld?", "Warum hat der Staat nicht mehr getan, um die verheerenden Feuer und die Konsequenzen zu verhindern?" Gewöhnt Fragen schnell und präzise zu beantworten, muss ich gestehen, dass ich in diesem Moment Zeit brauchte, um nach einer Antwort zu suchen. "Wer ist Schuld?", "Warum hat der Staat nicht mehr getan, um die Feuer und das Ausmaß der Katastrophe zu verhindern?" In Windeseile liess ich mir noch einmal alle Gespräche durch den Kopf gehen, die ich am Wochenende mit Freunden und deren Freunden geführt hatte. Jeder von ihnen hatte einen oder sogar mehrere, nahestehende Menschen verloren oder kannte zumindest jemanden, dem die Buschfeuer Haus und Hof oder noch mehr genommen hatten. "Wer ist Schuld?", "Warum hat der Staat nicht mehr getan?" Hatte irgend jemand diese Frage gestellt? Nach schweigendem Nachdenken, das mir wie eine halbe Ewigkeit vorkam und ich die steigende Nervosität des Redakteurs am anderen Ende der Leitung förmlich spüren konnte, antwortete ich schliesslich. Vom Feuer abgeschnitten
Zu einem Zeitpunkt, an dem noch immer Menschen vermißt werden, Kinder, die ihre Eltern verloren haben, getröstet werden müssen, Feuerwehrmänner und -frauen noch immer gegen Feuer kämpfen und versuchen in Gebiete vorzudringen, die noch immer vom Feuer abgeschnitten sind, hätte ich keinen einzigen getroffen, der gefragt hätte: "Wer hat Schuld?" Ich fuhr fort, dass Fragen, die ich gehört hätte, eher seien: "Ist meine Familie sicher?", "Sind meine Nachbarn okay?", "Haben meine Freunde überlebt?", "Wie kann ich helfen?" und "Was kann ich tun?". "Wer hat Schuld? Wie konnte das passieren?" Sicherlich ist sind das wichtige Fragen, die gestellt werden müssen. Und vielleicht gerade von uns Deutschen besonders schnell? Haben wir tatsächlich den Drang, immer erstmal einen Grund zu finden, für das, was geschehen ist, wie ein australischer Freund meinte? Heraus zu finden, warum und wie etwas passiert ist? Erklärungen zu finden? Vielleicht, um zu verhindern, dass sie noch einmal passieren oder einzig, um uns ein Gefühl der scheinbaren Sicherheit zu geben, wenn wir wissen, wie die Dinge funktionieren? Australier, so meine persönliche Erfahrung, versuchte ich dem Redakteur zu erklären, würden erst einmal - wie wohl überall - besorgt sein, um die Opfer und deren Rettung. Dannach, weniger nach einem Sündenbock suchen, sondern vielmehr fokusieren auf: "How can we focus on rebuilding the future?" Selbst das Ruder in die Hand nehmen
Ja, natürlich, wenden sich Australier an die Regierung. Meiner Meinung nach jedoch weniger, um dort nach einen Schuldigen zu suchen, sondern um Hilfe zu finden. Und das, sprichwörtlich, nachdem sie das Ruder bzw. die Schaufel selbst in die Hand genommen haben, um sich selbst und ihrem Nachbarn zu helfen, die Asche wegzuräumen und dem Phönix zu helfen, aus dem Feuer zu steigen. Für mich ist das der "unique Australian Spirit", der wohl noch aus den Zeiten, der "first fleet" stamme, aus den Tagen, da die ersten Siedler ihren Fuß auf die "Terra australis incognita", das unbekannte Land im Süden", gesetzt haben. Zur damaligen Zeit war die Schuldfrage wenig relativ nutzlos im Falle eines fatalen Fehlschlags: Mit einer Regierung, die am anderen Ende der Welt Order aussandte, war die Hilfe genauso weit entfernt. Ich erzählte von spontanen Sammelaktionen in Kindergärten, Schulen, Büros, Supermärkten, von Tausenden von Blutspendern, die sich registriert haben, nachdem das Rote Kreuz dazu aufgerufen hatte. Meiner Meinung nach ist das die Manifestation des "Australian Spirit": "Do not dwell on the past and ask who is to blame. Just do what you need to do to survive, to move on." Wie schon das Kangäruh und der Emu auf dem australischen Wappen signalisieren: Geh nicht rückwärts, konzentrier Dich auf die Zukunft, konzentrier Dich auf den Wiederaufbau!" San Fransico - Hot Spot für Erdbeben
"Buschfeuer passieren jedes Jahr. Wie kommt es, in den feuergefährdeten Gebieten Menschen leben," lautete eine weitere Frage. "Wie kommt es, dass Menschen in San Fransico leben, einem der Hot Spots für Erdbeben?" erwiderte ich. "Weil sie dorthin gehören, weil sie ihre Farmen dort haben, ihre Häuser, alles, was ihnen lieb und wert ist und dort schon seit Generationen leben und wieder leben werden. Getreu den Worten eines der Opfer, das Haus und Hof verloren hat: "That is what do, we start all over again. I guess, that is just the way we Australians are." Fokusieren auf die Zukunft, den Wiederaufbau - das ist fuer mich Teil des "unique Australian Spirit", den ich bewundere und wenn dazu gehört: "Aus der Vergangenheit lernen", z.B: Wie kann ich feuersicherer bauen, etc., dann kann es wohl kaum etwas Positiveres geben." Was denken Sie? Lassen Sie uns Ihre Meinung wissen im Disussionsforum unter dem Strang "Buschfeuer". Wichtige Telefonnummern finden Sie in unserem Artikel "Buschfeuer Informationen Melbourne". Copyright by "Deutsche in Melbourne"
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