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Seit
Geowissenschaftler Dr. Robert Bolhar Deutschland Lebwohl gesagt hat, um an der
„University of Melbourne“ zu promovieren, sind mittlerweile zehn Jahre
vergangen. Zehn Jahre, in denen er sowohl Australien als auch Neuseeland und
die Antarktis kennengelernt und nicht nur in Melbourne, sondern auch in
Brisbane, Christchurch und derzeit Perth eine neue Heimat gefunden hat.
Nach Melbourne
zieht es den 36jährigen jedoch immer wieder zurück. Mindestens einmal im Jahr
besucht er „the world’s most liveable city“ und wenn es nach ihm ginge, hätte
er statt des sprichwörtlichen Koffers in Berlin ...
... eher ein Haus in Melbourne,
in das er immer wieder für einige Wochen im Jahr zurückkehren und geniessen
kann, was Melbourne zu bieten hat.
Melbourne ist sehr kosmopolitisch
„Melbourne hat
für meine Frau und mich eine ganz besondere Bedeutung“, meint Robert Bolhar. „Es
ist die erste Stadt, in der wir in Australien gelebt haben und im Vergleich zu
anderen Städten in Australien und Neuseeland ist Melbourne sehr kosmopolitisch.
Die Kultur ist stark ausgeprägt und Melbourne hat ein eigenes Flair: eine
Mischung aus Alteingesessenem und Neuem, die mir sehr gut gefällt.“
Zudem hat
Melbourne drei große Universitäten, die das akademische Leben der Stadt prägen
und von denen besonders die „University of Melbourne“, die weltweit unter den
Top 20 rangiert, für den promovierten Geologen eine große Rolle gespielt hat.
Schließlich
war sie es, die ihn nach Down Under zog. Nach Geologie-Studium an der
Johann-von-Gudenberg Universität in Mainz stand für den zwar in Slowenien
geborenen, doch mit acht Monaten nach Deutschland immigrierten frisch Diplomierten
fest: Wenn Karriere, dann in der Wissenschaft.
Wettbewerbsfähiger durch Promotion im Ausland
Eine Promotion
im Ausland würde ihm nicht nur helfen, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und
sein Englisch zu verbessern, sondern auch wettbewerbsfähiger zu sein, rechnete
sich der ruhige Mainzer aus.
Mit
klassischer Ausbildung, zu der neben Englisch Latein gehörte, zielte er seine
Suche auf ein englischsprachiges Land. Kanada allerdings wurde wegen
allzu kaltem Klima von der Liste gestrichen; England als zu nahe am
Heimatland eliminiert. Die USA, die Robert Bolhar während des Studiums
kennengelernt hatte, hatten ebenfalls keine Chancen.
Australien
machte schließlich das Rennen, nicht zuletzt, da es Bolhars Anspruch seinen
Doktortitel einzig von einer der besten Universitäten weltweit zu erhalten,
genügte und ihm das Land Exotik, Weite und Schönheit versprach, die er
sich als Belohnung für hartes Arbeiten und Forschen gönnen wollte.
Lange Nächte im Labor
Gesagt, getan:
Nach anstrengenden Forschungsaufenthalten in Australien und Zimbawe, langen
Nächten im Labor, in der Bibliothek und am Schreibtisch dann endlich das
gebundenen Exemplar seiner Doktorarbeit über Vulkanite und die ersehnte
Doktorurkunde!
Dann die
Frage: Was jetzt? Zurück in die Heimat? Für Bolhar, mittlerweile verheiratet,
war klar: „Deutschland kam für uns nicht in Frage, unter anderem weil Sandra, meine Frau, kein Deutsch sprach. In Australien hat es uns beiden vom ersten Tag an gut
gefallen, hier konnten wir uns gemeinsam eine Zukunft gut vorstellen.“
"Permanent Residency" beantragt
Das Paar
beantragt die „permanent residency“ und bekommt sie nach wenigen Wochen, nicht
zuletzt, weil die australische Promotion zusätzlich wichtige Punkte für die
Qualifikation bringt.
Nach einer
kleinen Durststrecke während des Wartens auf die Aufenthaltsgenehmigung bekommt
Robert Bolhar das Angebot in Brisbane einen Postdoc anzutreten. Nach drei
Jahren jedoch laufen – wie so oft in der Wissenschaft - die finanziellen Mittel
aus und die Forschungsgruppe löst sich auf.
Ehe sie es
sich versehen, finden Robert und seine Frau sich in Christchurch wieder. Nicht
das schlechteste Szenario, sieht man Fotos von dem traumhaft idyllisch am Meer
gelegenen Wohnhaus der beiden Naturliebhaber.
Zeitgeschehen und Zeitgeist
Doch nicht
alles ist in Neuseeland traumhaft. Bolhar kritisiert, dass in den Medien statt Weltpolitik eher Katzen Schlagzeilen machen, die von der Feuerwehr vom Baum gerettet werden. Für jemanden, der in Deutschland
aufgewachsen sei und über ein gesundes Maß an politischem Bewußtsein und Interesse an
Zeitgeschehen verfügt, unverständlich und schwer ertragbar.
Zugleich zollt
der 36jährige jedoch Tribut an die seiner Ansicht nach sehr freundlich und offenen
Neuseeländer, die es den USA erfolgreich verweigert haben, in ihrem Land Fuß zu fassen und
dafür sorgen, dass Neuseeland nuklear frei ist.
Neuseeland - Vorreiter im Frauenwahlrecht
Rassismus sei
weit weniger Thema als in Australien; für Frauen leichter ein emanzipiertes
Leben zu führen, meint der Wissenschaftler und erinnert daran, dass Neuseeland
eines der ersten Länder war, das 1893 das aktive Wahlrecht für Frauen einführte
– viele Jahre vor Australien und Deutschland. Zudem ist Neuseeland eines der wenigen Länder, das
mit Helen Clark von einem weiblichen Staatsoberhaupt geführt werden.
Das Haus in
traumhafter Lage in Christchurch hat der 36jährige jedoch vor wenigen Monaten getauscht mit
einem stylischen Apartment in einer Stadt, die manch einer als ebenso traumhaft beurteilt: Perth. Der Universitätsjob ist einem weitaus lukrativeren Job bei BHP in der freien Wirtschaft gewichen. Wer die allzeit
knappen und vor allem befristeten Arbeitsverträge, die mittlerweile nahezu
weltweit an Universitäten gang und gäbe sind, kennt, wird verstehen, warum Bolhar wie viele
gute Wissenschaftler der Forschung den Rücken kehrt.
Von der Universtität in die Industrie
Seit einem
knappen halben Jahr steigt er alle paar Tage in den Flieger, der ihn
nach Ravenshorst bringt, wo der Geologe auf einer Mine acht Tage als Grade
Controler arbeitet, bevor er etwa die gleiche Anzahl an Tagen frei hat. "Fly in - fly out" heißt der Rhythmus in der Branche.
Was er in der
„langen“ Freizeit macht? Weiterhin an wissenschaftlichen Veröffentlichungen
arbeiten! Wen die Wissenschaft einmal gepackt hat, den läßt sie eben doch nicht los - zumindest nicht komplett.
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