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Andrea Kämper hat knapp zwei Jahre lang in der deutschen Dreifaltigkeitskirche am Parliament Place in Melbourne als Gemeindepädagogin in der Gemeinde gewirkt. Vor allem hat sie dabei etliche Aktivitäten im Bereich Kinder- und Jugendarbeit auf die Beine gestellt. Jetzt ist es an der Zeit der Gemeinde Adieu zu sagen.
Wie es der gebürtigen Frankfurterin, die vor Jahren aufgrund starkem Heimwehs nicht einmal innerhalb Hessens umziehen wollte, in Melbourne gefallen hat und wie sich ihre Arbeit in einer sogenannten Auslandsgemeinde von der in Deutschland unterschied, hat Claudia Raab für Deutsche in Melbourne von ihr erfahren.
Gefühlte Entfernung wesentlich weiter als gemessene
Für jemanden, der in Frankfurt lebt, ist der Vogelsberg gleich um die Ecke. Alles Hessen! Alles dicht beisammen! Alles wunderschön! Sollte man zumindest meinen, hieße man nicht Andrea Kämper.
Für die Gemeindepädagogin, die während der vergangenen zwei Jahre in der Evangelischen Dreifaltigkeitsgemeinde im Herzen von Melbourne arbeitete, klaffte - zumindest vor einigen Jahren - eine tiefe Schlucht zwischen gemessener und gefühlter Entfernung von ihrer geliebten Heimatstadt Frankfurt am Main und dem Ort im Vogelsberg, der ihre neue Heimat hätte werden können. "Viel zu weit weg," erklärte sie daher ihrer Freundin, die sich mit ihr die Vogelsberg-Gemeinde anschaute, die eine für Andrea interessante Stelle ausgeschrieben hatte. Schier unüberwindbar schien ihr die Distanz von etwa 100 Kilometern. Für Andrea stand felsenfest: Da bewerbe ich mich nicht!
Wen wundert's, dass selbige Freundin ungläubig die Hände über dem Kopf zusammenschlug, als Andrea Kämper ihr offenbarte: "Ich habe eine neue Stelle in Melbourne, Australien." Andrea Kämper blickt auf eine für Melbourne so typischen Straßenbahnen, die vorbeifährt an dem kleinen Café in Melbournes Spring Street, in dem wir uns treffen, und lacht: "Ich bin eigentlich sehr sicherheitsbedürftig. Meine Wohnung aufgeben, in der ich seit 14 Jahren mit Freunden gewohnt habe, meine Arbeit in der Gemeinde in Ginheim, in der ich seit 1996 war ... Manchmal staune ich selber noch, dass ich das gemacht habe."
Von Krankenschwester zur Gemeindepädagogin
Die 43jährige, (Noch-)Wahl-Melbournerin erinnert sich: Vor ihrer Ankunft in Australien hatte sie elfeinhalb Jahre in "ihrer" Gemeinde in Frankfurt gearbeitet. Eine lange Zeit, in der sie nicht nur etliche Kinder vom Kindergarten bis zur Konfirmation begleitete, sondern einige von der Konfirmation bis zur Hochzeit. Elf Jahre, in denen sie fest verwachsen und starken Anteil hatte an dem Leben ihrer Gemeindeglieder, groß und klein, jung und alt.
Ja, sagt Andrea, ab und an habe sie über eine berufliche Veränderung nachgedacht. Eine kleinere zumindest, denn größere hatte sie schon hinter sich: Nach dem Abitur erst ein Freiwilliges Soziales Jahr in England, das ebenso mit Heimweh verbunden war wie der Umzug nach Berlin, um eine Ausbildung zur Krankenschwester zu absolvieren und dort in dem Beruf zu arbeiteten. Dann ihr Studium der Religionspädagogik samt PEKIP-Ausbildung.
Melbourne: "Ich passe da gut hin"
Mehr Kontinuität brachte dann die Stelle als Gemeindepädagogin zurück in Frankfurt. Doch dort stolpert Andrea, Jahrgang 1966, auf der Suche nach Spielen über die Bibel für eine Konfirmandenfreizeit über die Stellenanzeige der deutschen Evangelischen Dreifaltigkeitgemeinde in Melbourne. "Australien hat mich nie gereizt", sagt sie bestimmt. Doch die Aufgaben, die auf eine neue Gemeindepädogin in Victorias Hauptstadt warteten, klangen einfach zu verlockend: "Deutsche Heimat im Ausland, das hat mich interessiert. Kinder- und Jugendarbeit, das ist etwas, was ich gut kann. Alles wirkte sehr positiv, und als ich die Stellenanzeige gelesen hatte, wusste ich: Ja, ich passe da gut hin."
Sie liest, dass die Bewerbungsfrist in wenigen Tagen ablaufen wird, zögert nicht lang, bewirbt sich und hat bald tatsächlich die Zusage in der Mailbox! Jetzt gilt's: Beurlaubungsantrag stellen, Koffer packen, Wohnung auflösen, Abschied nehmen, fliegen und ankommen in Melbourne im April 2008.
Denken in Projekten gefragt
Knapp zwei Jahre ist das nun her und, manch einer wird kaum glauben können, wie schnell die Zeit vergangen ist. Mittlerweile packt Andrea wieder ihre Koffer, denn in wenigen Tagen geht es für sie zurück nach Deutschland. Ihre befristete Stelle ist abgelaufen. Andreas neue, "alte" Gemeinde in Ginheim wartet schon, hier wird sie zumindest teilweise wieder arbeiten.
Zwei Jahre Melbourne, da ist es an der Zeit, zurück zu schauen, zu gucken, was gleich, was unterschiedlich ist. Andrea grinst: "Sitzungen des Finanzausschuss sind wohl überall gleich," meint sie verschmitzt und sagt dann: "Ein Unterschied sind die weiten Entfernungen, die man zurücklegen muss, um zur deutschen Kirche zu kommen. Die Kinder können hier nicht allein zu Fuß kommen. Ob sie zum Kindergottesdienst gehen, hängt davon ab, ob sie von den Eltern gebracht werden, nicht davon, ob sie Lust haben."
Durch die Ganztagsschulen, so fährt Andrea fort, habe sie zudem alle Aktivitäten, die die Kirche für Kinder anbietet, aufs Wochenende verlegen müssen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo sich beispielsweise die Jungschar nachmittags unter der Woche treffe. "Am Wochenende ballt sich hier alles: Sport, Parties. Daran mußte ich mich erst gewöhnen und mehr in Projekten denken, während in Deutschland kontinuierliche Gruppenarbeit möglich ist."
Bibeltage: Erst sieben, jetzt 30 Kinder
Die Projekte hat die Frankfurterin besonders in den Kinderbibeltagen verwirklicht, die sie regelmäßig - teilweise sogar zwei Mal - in den Ferien stattfinden ließ. Kamen zu Beginn ihrer "Amtszeit" in Melbourne etwa sieben Kinder, so lag die Teilnehmerzahl in den vergangenen Sommerferien bei stattlichen 30. Auch die Zahlen bei den regelmäßigen Krabbelgruppen oder Treffen für deutschsprachige "Au Pairs", die Andrea einführte, sind imposant. 20 Anmeldungen allein für diesen Monat!
Dazu kamen Herausforderungen, die Andrea meistern musste, die sie von Deutschland nicht gewöhnt war und die viel Kreativität und Balancevermögen verlangten. Deutschen Konfirmanden-Unterricht vorbereiten beispielsweise, der für Nicht-Deutsch-Muttersprachler mit nahezu Null-Kenntnissen der deutschen Sprache ebenso interessant und wissensvermittelnd sein sollte wie für Muttersprachler. Alles Herausforderungen, die Andrea mit Bravour gemeistert hat und auf die sie ebenso stolz sein kann und ist wie auf die Tatsache, dass sie ihren Alltag in der Fremde gemeistert, in Melbourne gelebt, gearbeitet, neue Freunde gewonnen und neue Erfahrungen gemacht hat. So ist ihr beispielsweise noch einmal sehr bewusst geworden, dass es verschiedene Weisen gibt, wie man eine Sache angehen kann. Nicht unbedingt besser oder schlechter, eben anders und doch mit gutem Ergebnis.
Weihnachtsbaum von nun an mit Koala und Känguru
Übrigens, Heimweh hat diesmal nicht an Andrea genagte. "Vielleicht haben Skype und Telefonieren geholfen," meint sie. Vielleicht aber auch die Tatsache, dass sie sich in Melbourne schlichtweg wohl gefühlt hat. In die Straßenbahn setzen, nach St. Kilda an den Strand fahren und einen Kaffee trinken, Tage auf der Mornington Peninsula, das sind Aktivitäten und Lieblingsplätze, die Andrea zurück in Deutschland vermissen wird und Bilder, die sie mit nach Hause nimmt, damit sie einen Ehrenplatz in ihrer neuen Wohnung bekommen. Ebenso wie die Souvenirs, die sie während ihrer Reisen unter anderem zum Uluru und in Melbournes Umgebung erworben hat. Und ganz klar, ihr Weihnachtsbaum wird von nun an mit Weihnachtsschmuck in Form von Koala und Känguru ausgestattet werden.
Ihre australische Gemeinde wird Andrea vermissen. Sie sei, so fand sie, noch offener als Gemeinden in Deutschland gewesen. Ihre Nachfolgerin, auf die man noch ein wenig warten muss, ermutigt sie daher, noch viel mehr, als sie es getan hat, Neues in der Gemeinde auszuprobieren, da Innovatives sicherlich auf furchtbaren Boden fallen werde. Und Andreas weitere Pläne? Ist sie in Frankfurt eingetroffen, wird sie sich erst mal mit vielen Freunden zum Frühstück treffen und sich Zeit lassen zum Eingewöhnen, bevor sie ihre neue Arbeit beginnt. Und natürlich mit Melbourne verbunden bleiben. Zum Beispiel während des Frauen-Weltgebetstages im März. Andrea: "Da weiß ich, dass auch hier in Melbourne Frauen zusammenkommen und bin ganz nah."
Deutsche in Melbourne wünscht Andrea Kämper einen guten Start in ihrer alten Heimat!
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