| Aktuell: Fokus auf Ostdeutsche Filme in Melbournes ACMI |
|
|
|
| Geschrieben von: Claudia Raab |
| Donnerstag, den 29. Oktober 2009 um 10:19 Uhr |
|
Deutsche in Melbourne verrät Ihnen, wo und wann Sie in den Genuss eines ostdeutschen Teen Musicals, eines sogenannten "Roten Westerns", eines psychodelischen Science Fictions, brisanten sozialistischen Dramen und ostdeutscher Vergangenheitsbewältigung kommen können. Blick zurück auf 45 Jahre ostdeutsches Kino
20 Jahre ist es her, seit die Mauer und mit ihr der Eiserne Vorhang gefallen sind. Grund genug, für das Melbourner ACMI (Australian Centre for the Moving Image) am Federation Square einen Blick zurück auf 45 Jahre ostdeutsches Kino zu werfen. Der Blick zurück auf ostdeutsche Kinoproduktion ist ein Blick zurück auf Kultur- und auch Politgeschichte, die manch einem, der ausserhalb der Mauer aufgewachsenen ist, auch einen Einblick in ein bisher verborgen gebliebenes Deutschland geben kann. "Roter" Western
So ist es eventuell nicht jedem bekannt, dass auch Ostdeutschland vermochte, grosse Western zu drehen. Das beweist der sogenannte rote Western "Chingachgook: Die grosse Schlange" aus dem Jahre 1967. Gojko Mitic, serbischer Stuntman, Sportler, Autor und Schauspieler, verkörpert den Indianer aus James Fenimore Copers Roman "Deerslayer", dessen Braut Wathawah kurz vor der Hochzeit vom gegnerischen Huronen Stamm geraubt wird. Gemeinsam mit seinem Freund versucht Chingachgook, sie zu befreien. Gezeigt wird der Streifen, Donnerstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr. Bewältigung der Vergangenheit
Freitag, 30. Oktober, um 19.30 Uhr wird "Ich war 19" über die Leinwand im ACMI flimmern. Von Filmkritikern als einer der 100 bedeutendsten deutschen Filme gewertet, erzählt Konrad Wolfs atuobiographisch angehauchter Film von 1969 die Geschichte Gregor Heckers, der als Kind vor Hitler in die Sovjet Union floh. Nun, nachdem der Zweite Weltkrieg beendet ist, zieht er mit den Siegern ein in seine frühere Heimat und muss sich mit seiner eigenen Identität auseinander setzen. Ostdeutsches Musical
Der DDR Musicalfilm "Heisser Sommer", gedreht 1968, steht am Samstag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr auf dem Programm. Der Film, der oft als Ostdeutschlands Antwort auf "Grease" bezeichnet wurde, featured zwei der erfolgreichsten ostdeutschen Popstarts der Zeit: Chris Doerk und Frank Schoebel. Die Handlung: Zwei Teenage Gruppen trampen spontan an die Baltische See - ein Akt, den Heinz Leo Kretzenbacher, in Österreich geboren und München aufgewachsener Wahl-Melbourner, der derzeit an der University of Melbourne lehrt, übrigens als "utopische Vorstellung" bezeichnet. Kretzenbachers Essay "Ostdeutsches Kino" ist übrigens auf der ACMI Webseite veröffentlicht und bietet einen guten Einblick in die ostdeutsche Filmproduktion nicht nur für all diejenigen, die ausserhalb der DDR aufgewachsen sind. Science Fiction made in GDR
Ebenfalls am Samstag, 31. Oktober, um 21.30 Uhr sowie am Sonntag, 1. November, um 15.30 Uhr wird im ACMI der Science Fiction "Im Staub der Sterne" aus dem Jahr 1976 gezeigt. Das Raumschiff Cyrno landet auf dem Planeten TEM 4, um auf einen mysteriösen Hilferuf zu reagieren. Soll "Heisser Sommer" die Antwort auf "Grease" gewesen sein, so soll "Im Staub der Sterne" die Antwort Ostdeutschlands auf Barbarella heissen, lautet es in der Presseerklärung des ACMI. Dokumentarfilm
Vom Science Fiction zurück zur knallharten DDR Realität geht es am Sonntag abend, 1. November, um 17.30 Uhr im ACMI mit dem Helke Misselwitz "Winter Adé". Kurz vor dem Fall der Mauer porträtiert Misselwitz in dem Dokumentarfilm alltägliche Frauen - von der Punkerin zur Intellektuellen - gezeichnet von den Schwierigkeiten, in denen sie leben, doch auch von der Hoffnung auf einen politischen Wandel. Wenig konform mit dem Idealbild einer Frau getreu der politischen Linie. Der Film wird ebenfalls am Dienstag, 3. November, um 17.30 Uhr als letzte Vorstellung im Rahmen der Veranstaltung "Focus on East German Cinema" gezeigt. Ostdeutscher Kult
Der Film "Solo Sonny" aus dem Jahr 1980 brachte der Schauspielerin Renate Kroessner nicht nur den Silbernen Bären der Berliner Film Festspiele ein, sondern liess die Geschichte der ehemaligen Fabrikarbeiterin Sonny, die zur Sängerin avancierte, zum Kultfilm in der DDR werden. Gezeigt wird der Film von Wolfgang Kohlhaase und Konrad Wolf im ACMI sowohl am Montag, 2. November, um 21.30 Uhr als auch am Melbourne Cup Day, Dienstag, 3. November, um 11 Uhr morgens. Blick zurück
Ebenfalls am Dienstag, 3. November, zeigt das ACMI um 15.30 Uhr "Nackt unter Wölfen" von Frank Beyer. Abgesehen von der Tatsache, dass hier Armin Mueller-Stahl, bekannt in Ost- und Westdeutschland, hier in seiner ersten grösseren Rolle agiert, erlangte der Film dadurch an Bedeutung, dass er der erste Film war, der 1963 hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang, der den Holocaust thematisierte. Gezeigt wird, wie Gefangene im Lager Buchenholz versuchen, einen Jungen vor den Nazis zu verstecken. Tickets: ACMI, Telefon: (03) 8663 2583 oder online ACMI tickets Generelle Informationen über das ACMI: www.acmi.net.au Deutsche in Melbourne übernimmt keine Verantwortung für die Richtigkeit der Aufführungsdaten.
|